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Panorama Kaum Verstöße gegen Maskenpflicht in Zügen und Bahnhöfen
Mehr Hessen Panorama Kaum Verstöße gegen Maskenpflicht in Zügen und Bahnhöfen
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13:42 27.11.2020
Ein Mann hält eine Atemschutzmaske in den Händen. Quelle: Axel Heimken/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Ein Mann mit Attest darf unbedeckt weiterlaufen. Ein Arbeiter rennt sofort los, um seinen Mundschutz zu holen. Drei Frauen mit Brötchentüten dürfen mit der Maske unterm Kinn weiter kauen. Ein junger Obdachloser hält sich schnell den Jackenkragen vor den Mund - das reicht den Kontrolleuren dann aber doch nicht aus. Bei einem landesweiten "Maskenkontrolltag" in Bahnhöfen und Zügen haben Sicherheitskräfte am Freitag den korrekten Mund-Nase-Schutz der Reisenden überprüft.

An der Aktion waren die Bundespolizei, der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und die Deutsche Bahn (DB) beteiligt. Die ersten Schwerpunktkontrollen führten die Teams am frühen Freitagmorgen am Frankfurter Hauptbahnhof durch, danach ging es zunächst weiter nach Fulda. Später sollten Darmstadt, Hanau, Wiesbaden und Limburg an die Reihe kommen. Kontrolliert wurde neben großen Bahnhöfen stichprobenartig auch in Fern- und Nahverkehrszügen sowie der S-Bahn.

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Wer grundlos ohne Maske erwischt wird und sich weigert, muss 50 Euro bezahlen. Laut RMV sind Maskenverweigerer inzwischen aber "die absolute Ausnahme". Sprecher Maximilian Meyer schätzt die Quote auf 0,3 bis 0,4 Prozent. Auch die Frankfurter Bundespolizei bezeichnete die Zahl als verschwindend gering. "Die Akzeptanz bei den Reisenden ist sehr hoch", sagt Sprecher Ralf Ströher. Bis zum Freitagmittag wurden nach Angaben der Deutschen Bahn beim "Maskenkontrolltag" nur knapp zwanzig Personen ohne Maske angetroffen.

Beim Aktionstag am Freitag waren Teams von RMV, Bahn und Bundespolizei parallel unterwegs. In Zweier- und Dreiergruppen streiften sie durch Bahnhöfe und Züge. Die wenigen Unverhüllten, die sie dabei entdeckten, hatten fast immer einem guten Grund - oder zogen beim Anblick der Uniformierten schnell den Lappen hoch. Ein älterer Mann an Gleis 9 lobte den Einsatz der Behörden. Es sei richtig und wichtig, die Maskenpflicht zu kontrollieren. "Wir wollen uns ja nicht gegenseitig anstecken."

40 Mitarbeiter sind für Maskenkontrollen beim RMV im Einsatz. 20 kommen aus dem schon länger existierenden Serviceteam, 20 aus einem eigens dafür gegründeten Präventionsteam. Die Einsätze hätten "eher belehrenden Charakter", sagt der Sprecher. Die Mitarbeiter haben schachtelweise Masken dabei, die sie bei Bedarf mit Pinzetten aus der Packung fischen. "Kann ich auch eine haben?", fragt eine Frau, die mit korrektem Mundschutz vorbeigeht, "als Ersatz".

Bislang können die Kontrolleure lediglich einen Platzverweis aussprechen die Personalien aufnehmen - nur die Ordnungsbehörden dürfen ein Verfahren einleiten. Ab 1. Januar 2021 dürfen die RMV-Teams die Vertragsstrafen auch selbst kassieren: Die Maskenpflicht wurde in die Beförderungsbedingungen aufgenommen.

Am Freitagmorgen musste in der ersten Stunde in keinem Fall ein Verfahren eingeleitet werden. Der junge Mann hatte das Attest zwar nicht dabei, erschien den Beamten aber glaubwürdig. Der Obdachlose bekam eine Maske geschenkt, wurde belehrt und nickte verständig. Auch bei Drogenabhängigen stoße man auf Verständnis, sagt Bundespolizist Niklas Kruse, "die sind ja selbst auch Risikogruppe".

Unangenehme Situationen hat er dennoch schon erlebt - zum Beispiel bei Personendurchsuchungen. Im schlimmsten Fall würden Beamte bespuckt, den Mundschutz abzuziehen werde als Drohung eingesetzt. "Da wird versucht, uns zu provozieren", sagt Kruse. Am "Maskenkontrolltag" am Frankfurter Hauptbahnhof will niemand provozieren. "Man hat den Eindruck, die Vernunft geht als Sieger hervor", sagt Bundespolizei-Sprecher Ströher.

dpa