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Panorama Coronavirus: Ministerium rät von Großveranstaltungen ab
Mehr Hessen Panorama Coronavirus: Ministerium rät von Großveranstaltungen ab
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20:22 10.03.2020
Medizinischer Mundschutz liegt auf einem Tisch. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Wiesbaden

In einer neuen Risikobewertung zur Ausbreitung des Corona-Virus empfiehlt nun auch das Land Hessen die Absage von Großveranstaltungen. Die Gefahr einer Virusübertragung bei großen Menschenansammlungen, "insbesondere in geschlossenen Räumen", lasse sich angesichts jüngster Entwicklungen in Italien und des aktuellen Verlaufs der Infektionen nicht sicher beurteilen, teilte das Sozialministerium am Dienstag in Wiesbaden mit.

Das Ministerium verwies auf Italien, wo die Regierung am späten Montagabend Ein- und Ausreisesperren für das gesamte Staatsgebiet verhängt und insbesondere alle Skigebiete geschlossen hatte. Würden Teilnehmer aus Italien oder anderen Risikogebieten wie dem Iran erwartet, lege man auch die Absage von kleineren Veranstaltungen nahe, erklärte Minister Kai Klose (Grüne). Die konkreten Auswirkungen, auch für Fußballspiele, blieben am Nachmittag zunächst unklar.

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Alle bisher bekannten Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 in Hessen verlaufen bisher sehr mild, wie das Ministerium berichtete. Die Zahl der bestätigten Infektionen stieg den Angaben zufolge bis Dienstagnachmittag (14 Uhr) auf 34, bis Montagnachmittag (16 Uhr) waren es 26. Neue Fälle gab es demnach am Dienstag in den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Gießen, Hochtaunus, Main-Taunus, Marburg-Biedenkopf sowie der Stadt Offenbach. Sie gehen unter anderem auf Urlaube in Österreich oder Italien zurück.

Der Main-Taunus-Kreis berichtete am Abend zudem über einen weiteren bestätigten Fall. Der Frau aus Kelkheim gehe es "mäßig gut", sie stehe unter häuslicher Quarantäne. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf wurde am Abend ebenfalls ein weiterer Fall gemeldet, im Landkreis Rheingau-Taunus wurden nach Angaben der örtlichen Behörden bis zum Abend drei weitere Fälle bestätigt.

Im Kreis Bergstraße wurden 14 enge Kontaktpersonen einer mit Sars-CoV-2 infizierten Frau unter Quarantäne gestellt. Die Frau habe sich in Berlin angesteckt, erklärte der Kreis. Wegen des Falls sei ein Kindergarten am Montag für einen Tag geschlossen und die Empfehlung ausgesprochen worden, dass dies vorsorglich für zwei Wochen geschehen solle und die Kinder 14 Tage zuhause bleiben. Auch drei Schüler befänden sich in Quarantäne. Da sie nach Kontakt mit der Patientin nicht mehr in der Schule gewesen seien, müsse diese nicht geschlossen werden.

Einen ersten bestätigten Corona-Fall meldete die Europäische Zentralbank (EZB). Etwa 100 Kollegen, die in der Nähe tätig waren, sollen nun vorsichtshalber vorübergehend von zu Hause aus arbeiten. Auf dem Frankfurter Messegelände wurde die nächste Ausstellung verschoben, die vom 20. bis zum 22. März geplante Landwirtschaftsmesse Land und Genuss soll nun erst im März 2021 stattfinden, wie die Agra Veranstaltungs GmbH mitteilte. Der Hessische Rundfunk teilte mit, den "hr1-Dancefloor" in der Kongresshalle Gießen am Samstag, 21. März, zu verschieben.

Um Hessens Wirtschaft nicht aus dem Tritt geraten zu lassen, bietet das Land vielfältige Hilfen für Unternehmen an. Zur Verfügung stünden über die WIBank unterschiedliche Kreditprogramme und Bürgschaftsmöglichkeiten, erklärte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Es gehe darum, die Unternehmen liquide zu halten, bis sich die Situation normalisiert hat. Im IHK-Bezirk Frankfurt spüren bereits 60 Prozent der Unternehmen die Folgen der Epidemie, wie eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer ergab.

Bei den Tafeln gehen infolge von Hamsterkäufen wegen des Virus weniger Lebensmittelspenden ein. Es wird zudem verstärkt auf Hygienemaßnahmen bei der Ausgabe geachtet, wie eine dpa-Umfrage von Montag zeigt. "Viele Tafeln haben das ganz klar gemerkt", sagte Erich Lindner, Stellvertretender Vorsitzender der Tafel Hessen. In den vergangenen zwei Wochen haben demnach vor allem Einrichtungen in Nordhessen weniger Lebensmittelspenden erhalten. In den vergangenen Wochen hatten mancherorts auffällige Vorratskäufe in Discountern und Supermärkten im Zusammenhang mit Sars-CoV-2 für Schlagzeilen gesorgt.

"Alles, was länger haltbar ist, ist knapp", sagte Jutta Klier, Mitarbeiterin der Darmstädter Tafel. Während vor rund vier Wochen täglich noch rund zehn Kisten mit Joghurt, Konserven, Wurst, Fleisch und Fertiggerichten gespendet worden seien, seien es mittlerweile nur noch zwei. Bei Obst und Gemüse habe sich hingegen nichts verändert. Auch die Frankfurter Tafel erhalte derzeit weniger Lebensmittel von Supermärkten, sagte deren zweite Vorsitzende Edith Kleber. Besonders haltbare Lebensmittel seien davon betroffen.

dpa

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