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Panorama Keine neuen Corona-Infektionen in Hessen: "Drive-In"-Tests
Mehr Hessen Panorama Keine neuen Corona-Infektionen in Hessen: "Drive-In"-Tests
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17:51 04.03.2020
Röhrchen für einen Test auf das Virus SARS-CoV-2. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
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Wiesbaden/Frankfurt/Groß-Gerau/Marburg

Die Zahl der nachgewiesenen Fälle in Hessen hat sich am Mittwoch nicht erhöht, das neuartige Coronavirus sorgt aber weiter für Aufregung. Bis zum Nachmittag wurden in dem Bundesland insgesamt zwölf SARS-CoV-2-Fälle bestätigt - ebenso viele waren es bereits am Dienstag gewesen. "Alle erkrankten Personen weisen aktuell milde Verläufe mit keinen oder leichten Symptomen auf", berichtete das Ministerium in Wiesbaden.

Wer fürchtet, infiziert zu sein, kann sich in Groß-Gerau im eigenen Auto untersuchen lassen. Die Kreisklinik in Südhessen nimmt seit dem Wochenende auch Abstriche durch das Autofenster. "Der Drive-In für Corona-Tests wird als Alternative zur normalen Untersuchung in unserer MVZ-Praxis (Medizinisches Versorgungszentrum) angeboten", sagte Krankenhaussprecher Martin Wohlrabe. Die Möglichkeit werde bisher gut angenommen. Sechs Tests seien mit diesem Verfahren bisher gemacht worden. Alle waren negativ.

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Für die Klinik bietet das Verfahren große Vorteile: "Durch das Angebot, sich auch im eigenen Fahrzeug testen zu lassen, bleiben Verdachts-Patienten sozusagen in ihrer eigenen Quarantänestation", erklärte Geschäftsführerin Erika Raab. Die medizinische Fachkraft, die die Abstriche nimmt, trage entsprechende Schutzkleidung. "Andere Klinikbedienstete und Patienten kommen mit dem Verdachtsfall nicht in Berührung. So wird die Gefahr einer Ansteckung deutlich minimiert."

Auch in Marburg gibt es eine solche Möglichkeit: Die Allgemeinmedizinerin Ulrike Kretschmann hat mit Kollegen ebenfalls einen Drive-In für Tests eingerichtet. Gebraucht worden sei dieser zwar noch nicht, es aber stünden Schutzkleidung und eine Garage als Hygieneschleuse bereit. Das Verfahren spare sehr viel Ressourcen, weil die potenziellen Corona-Patienten nicht die Praxis kontaminieren könnten. "Jetzt da Verdachtsfälle gesondert behandelt werden können, trauen sich auch andere Patienten wieder in die Praxis." Ein Test per Drive-In sei eine "Win-Win-Situation", auch weil es die Ansteckungsgefahr für Mediziner reduziere. "Ich würde mir wünschen, dass die Landesregierung das Modell aufgreift", sagt Kretschmann.

Wegen eines Corona-Verdachtsfalls wurde in Frankfurt ein ICE vorübergehend gestoppt. Nach etwas mehr als einer Stunde durfte der Zug, der zwischen Kiel und Stuttgart unterwegs war, aber bereits wieder weiterfahren. Gegen 10.45 war bei der Bundespolizeiinspektion die Meldung eingegangen, "dass sich in einem ICE aus Kiel eine männliche Person mit Verdacht auf den Coronavirus befinden würde". An Bord waren 300 Reisende. Auf Anordnung der Bundespolizei wurde er am Bahnhof Süd gestoppt. Das Gleis wurde von Einsatzkräften abgesperrt. Die betreffende Person sei im Zug isoliert und das Gesundheitsamt informiert worden.

Um kurz nach 12.00 Uhr wurde der ICE 973 wieder freigegeben, wie die Deutsche Bahn berichtete. "Auch die betreffende männliche Person durfte die Fahrt fortsetzen", berichtete die Bundespolizei. Auf das Virus getestet wurde der Mann nicht. Der Verdacht sei von einem medizinischen Laien ausgesprochen worden, hieß es im Frankfurter Gesundheitsamt. Der Mann habe nicht die Verdachtskriterien erfüllt. Daher sei kein Test veranlasst worden. Bis das Ergebnis eines Tests vorgelegen hätte, hätte es rund vier Stunden gedauert.

Wie der Main-Kinzig-Kreis mitteilte, gab es nach einem am Vortag gemeldeten Fall einer Coronavirus-Infektion keine weiteren Befunde. Bei den in diesem Zusammenhang untersuchten Kontaktpersonen habe es bisher keine Bestätigung für eine Infektion gegeben, vereinzelt stünden Resultate noch aus, hieß es. Die Betroffene selbst zeige übliche grippale Symptome, befinde sich weiterhin in häuslicher Isolation und werde über das Gesundheitsamt engmaschig betreut.

Die Frankfurter Messe hat derweil wegen des neuartigen Virus weitere Großveranstaltungen verschoben: Die auf Veranstaltungstechnik fokussierte "Prolight + Sound" soll nun vom 26. bis zum 29. Mai stattfinden, teilte die Messegesellschaft am Mittwoch mit. Für die eigentlich parallel geplante Musikmesse steht ein neuer Termin noch aus. Allerdings sollen publikumswirksame Nebenveranstaltungen wie die "Musikmesse Plaza" (3./4. April) und das "Musikmesse Festival" (31. März - 4. April) mit Live-Shows an den geplanten Terminen stattfinden.

Die Messegesellschaft begründete die Verschiebung mit Auflagen des städtischen Gesundheitsamtes, mit denen die Ausbreitung des Virus verhindert werden sollen. Danach hätten die Besucher vor ihrer Messeteilnahme gesundheitlich überprüft werden müssen. Dies könne von der Messe nicht umgesetzt werden. Zuvor hatte die Frankfurter Messe bereits die für März geplante Bau-Fachmesse "Light & Building" verschoben.

Auch die Landesapothekerkammer Hessen sagte ihre eigentlich für 14. und 15. März in Gießen geplante zentrale Fortbildungsveranstaltung vorsorglich ab - erstmals in der Geschichte, wie es hieß. "Würde nur einer unserer Teilnehmer positiv auf das Corona-Virus getestet, könnte das für alle eine Quarantäne bedeuten", erklärte Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen.

Auch die für Donnerstag geplanten Proteste von Landwirten wurden von Veranstalterseite abgesagt. Als Grund für die Absage nannten ein Sprecher der Initiative "Land schafft Verbindung" in Hessen sowie eine Sprecherin der Stadt Wiesbaden am Mittwoch das Coronavirus. Anders die Situation in Mainz: Hier bleibt es bei den geplanten Traktorfahrten und einer zentralen Kundgebung auf dem Gutenbergplatz am Donnerstag, wie der Sprecher von "Land schafft Verbindung" Rheinland-Pfalz sagte.

dpa

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