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Panorama Keine Bomben auf Rheingrund: Probebaggern für Vertiefung
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12:36 13.05.2022
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Lorch/Oberwesel

Experten für Kampfmittel haben bei einer Untersuchung bestimmter Bereiche der Flusssohle im Mittelrhein keine Weltkriegsbomben gefunden und daher für neue Testbaggerungen grünes Licht gegeben. Diese sollen in der nächsten Woche mit Blick auf eine geplante Vertiefung der Fahrrinne starten, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Rhein in Duisburg am Freitag mitteilte. Ein erst am Donnerstag bei Bingen im Rhein kontrolliert gesprengtes Tarnnebel-Fass aus dem Zweiten Weltkrieg sei außerhalb der Untersuchungsgebiete zufällig bei Auffüllarbeiten entdeckt worden.

Die geplanten Testbaggerungen im Welterbe Oberes Mittelrheintal bei Lorch und Oberwesel nicht weit vom Loreley-Felsen entfernt seien in ihrer Kombination ganz neu. Ein Bagger auf einem Ponton soll etwas Schiefergestein von der Flusssohle abfräsen. Eine Haube darüber soll das Wegschwemmen dieses Gesteins verhindern. Es soll auf den Ponton gesaugt werden und an geeigneter Stelle wieder im Rhein landen.

Die Leiterin des WSA Rhein, Birgitta Beul, erklärte: "Die Erkenntnisse aus dem Baggerversuch werden dazu beitragen, ein umweltverträgliches und wirtschaftliches Bauverfahren für notwendige Arbeiten an felsiger Sohle anwendungsreif zu machen." Die Testbaggerungen mit regelmäßigen Laborproben des Rheinwassers und Erfassungen der Erschütterungswerte sind laut der Behörde bis Juli auf insgesamt etwa 5000 Quadratmeter Flusssohle geplant.

Zwischen Wiesbaden und St. Goar soll die Fahrrinne für Schiffe von garantierten 1,90 Metern auf durchgängig 2,10 Meter vertieft werden. Dafür sollen vermutlich von Ende 2029 bis 2033 mit zweistelligen Millionenkosten sechs "Tiefenengstellen" beseitigt werden. Besonders das Niedrigwasser im extrem trockenen Jahr 2018 soll im bundesweiten Wasserstraßennetz Milliardenschäden verursacht haben - sehr viele Schiffe konnten damals lange nur zum Teil beladen werden. Im Zuge des Klimawandels erwarten Experten künftig mehr Niedrigwasserphasen. Gegen die geplante Rheinvertiefung regt sich auch Kritik - befürchtet werden mancherorts beispielsweise mehr verschlammte Uferzonen.

© dpa-infocom, dpa:220513-99-273099/2

dpa