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Panorama Hessen sucht die Tigermücke: Fallen-Netz soll enger werden
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08:16 29.09.2019
Eine tote Asiatische Tigermücke ist zu sehen. Foto: Ennio Leanza/KEYSTONE/Archivbild
Wiesbaden

Hessen will der asiatischen Tigermücke vom kommenden Jahr an genauer nachspüren. Die Stechmücke kann potenziell Krankheiten übertragen, was jedoch von Experten derzeit für Hessen als sehr unwahrscheinlich eingeschätzt wird. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) hat schon jetzt ein besonderes Auge auf die Mückenart und betreibt mehrere Fallen - unter anderem in Frankfurt. "Im nächsten Jahr soll ein landesweites Monitoring starten", sagte der Biologe Aljoscha Kreß vom HLNUG in Wiesbaden der Deutschen Presse-Agentur. Der genaue Umfang sei derzeit noch in der Abstimmung.

Bislang wird in Frankfurt mit etwa einem Dutzend Aktivfallen und rund 100 Eiablage-Fallen nach der Tigermücke (Aedes albopictus) gesucht. Außerdem sind alle Bürger aufgerufen, solche Mücken zu fangen und möglichst unversehrt zur Bestimmung an ein Forschungsinstitut einzusenden. Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und das Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) betreiben gemeinsam einen Mückenatlas. Einzelne Nachweise gab es laut Kreß in Kassel und Bensheim an der Bergstraße.

2018 sind Wissenschaftlern des Forschungsinstituts Senckenberg acht Tigermücken in eine Falle gegangen. Zuvor hatte eine Frankfurterin ein Tier auf ihrer Terrasse entdeckt und bei den Behörden Bescheid gegeben, wie Kreß erklärte. Nur rund 200 Meter entfernt tauchte dann in diesem Jahr eine Tigermücke auf und wurde von einem aufmerksamen Bürger gemeldet. Daraufhin sei die Regentonne im Garten ausgeschüttet und gründlich gereinigt worden, um mögliche Eigelege zu vernichten.

Bei der nun geplanten engmaschigeren Suche nach der kleinen, pechschwarzen Mücke mit den silbernen Streifen haben die Forscher besondere Risikoecken im Blick - dazu zählen nach den Worten von Kreß Busbahnhöfe und Reifenlager. Die Art stammt ursprünglich aus Südostasien und wurde nach Angaben des hessischen Gesundheitsministeriums 1979 zum ersten Mal in Europa entdeckt, und zwar in Albanien.

Rund zehn Jahre später tauchte sie in Italien auf und verbreitet sich seither über den Mittelmeerraum in Richtung Norden. 2007 erfolgte der erste Nachweis in Deutschland auf einem Parkplatz an der Autobahn 5 nahe der deutsch-schweizerischen Grenze. Tigermücken reisen beispielsweise in der Ladung oder den Fahrerkabinen von Lastwagen mit.

"Wir wollen in Hessen möglichst frühzeitig schauen, damit sich die Mücken nach einer Einschleppung erst gar nicht ausbreiten können", sagte Kreß. Als Brutgewässer reichen kleinste Wasserflächen - etwa in einer weggeworfenen Cola-Dose oder einer verstopften Regenrinne. Auch über Untersetzer von Blumentöpfen können Mücken eingeschleppt werden - denn die Eier haften an den Gefäßen fest und überdauern auch längere Trockenzeiten. Als Beispiel nennt Kreß das selbst gezogene Zitrusbäumchen, das im Auto von der Ferienwohnung in Südfrankreich - wo die Mücke vorkommt - im Auto nach Hessen reist.

Die Wahrscheinlichkeit, sich bei einem Mückenstich in Hessen mit einer gefährlichen exotischen Krankheit anzustecken, schätzt Kreß als sehr gering ein. Allerdings sieht der Biologe ein perspektivisches Problem, da Hessen eine Region mit reisefreudigen Menschen sei. Die Rückkehrer von Fernreisen könnten Krankheiten einschleppen - die sich dann über exotische Mücken verbreiten.

Die Tigermücke kann nach Angaben des Gesundheitsministeriums unter anderem Dengue-, West-Nil- oder Gelbfieber-Viren übertragen. Allerdings trägt die Mücke den Erreger nicht von Natur aus in sich. Sie muss zunächst einen infizierten Menschen stechen, um Überträger werden zu können. In Hessen wurde laut Ministerium bisher keine dieser Infektionen durch eine Tigermücke dokumentiert.

Die Expertenkommission "Stechmücken als Überträger von Krankheitserregern" nahm nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts 2016 ihre Arbeit auf; im Fokus steht die Tigermücke. Aktuell kommt die Art ganz im Südwesten von Deutschland zwischen Lörrach und Freiburg, in Karlsruhe, Heidelberg, Frankfurt/Main und Jena vor. Eine Population im bayerischen Erding gilt als eliminiert.

dpa

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