Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Statistik: Hessen hat vergleichsweise sichere Schulwege
Mehr Hessen Panorama Statistik: Hessen hat vergleichsweise sichere Schulwege
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:11 12.03.2020
Drei Schulkinder mit Schulranzen auf dem Schulweg. Quelle: picture alliance / Monika Skolimowska/dpa/Symbolbild
Anzeige
Wiesbaden

Im bundesweiten Vergleich hat Hessen die niedrigste Quote bei meldepflichtigen Schulwegunfällen. 2018 wurden 5514 Unfälle an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen bei der gesetzlichen Unfallkasse gemeldet - das entspricht rund 4 je 1000 Versicherte, wie aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Landtagsfraktion in Wiesbaden hervorgeht. Kein anderes Bundesland weist eine niedrigere Quote auf, bundesweit liegt der Wert laut einer Statistik der Unfallkasse bei etwas mehr als sechs.

Nach einer ersten Auswertung der Unfallkasse ist die Zahl der Schulwegunfälle an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen 2019 im Vergleich zum Vorjahr gesunken, und zwar auf 5432. Vergleichszahlen aus anderen Bundesländern lagen noch nicht vor. Die Schulleitungen erarbeiten für die Jahrgänge eins bis sieben regelmäßig aktuelle Schulwegpläne, in denen die sichersten Routen empfohlen werden, erläuterte das Kultusministerium. Darin werden etwa die bevorzugte Straßenseite, Ampelübergänge sowie besondere Gefahrenstellen genannt.

Anzeige

Auch bei den übrigen Schulunfällen (knapp 80 000) steht Hessen gut dar: Die Quote betrug 2018 rund 58 pro 1000 Versicherte, der niedrigste Wert im bundesweiten Vergleich. Für ganz Deutschland ergibt sich in der Statistik eine Quote von gut 66.

"Vor allem bei den meldepflichtigen Schulunfällen ist bei den Unfallquoten ein Nord-Süd-Gefälle zu beobachten: im Norden sind die Schulunfallquoten tendenziell höher", erläuterte die Unfallkasse. Mögliche Ursachen könnten einer Studie zufolge sein, dass der Anteil von Schülern im Ganztagsschulbetrieb variiert. Auch ein unterschiedlicher Umfang des vergleichsweise unfallträchtigen Schulsports könnte eine Rolle spielen.

Der Anteil der Schüler mit Ganztagsschulbetrieb an allgemeinbildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft lag in Hessen 2017 bei 51,2 Prozent, bundesweit bei 44,1 Prozent.

Die Unfallkasse erfasst Unfälle von Schülerinnen und Schülern an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Meldepflicht besteht, wenn ein Mädchen oder Junge bei einem Unfall getötet oder so schwer verletzt wird, dass ein Arztbesuch nötig ist. 2018 gab es in Hessen keine tödlichen Unfälle in der Schule oder auf dem Schulweg.

"In der Schule passieren die Hälfte der Unfälle im Sportunterricht", erläuterte der Leiter der Präventionsabteilung der Unfallkasse Hessen, Torsten Kunz. Auf Platz zwei rangiere der Pausenhof. Dagegen sei es eher selten, dass etwa im Chemieunterricht etwas passiert.

Nach den Worten von Kunz sind im Sportunterricht die Ballsportarten am unfallträchtigsten. Dies liege auch daran, dass die Kinder oft eine schlechte Koordination hätten, erklärte der Experte. Dies führe zu Verletzungen vor allem beim Fußball, Basketball, Volleyball oder Handball. Gefährlich werde es immer dann, wenn es im Sport um körperliche Interaktion gehe. Aber auch beim Geräte- und Bodenturnen oder bei der Leichtathletik passierten Unfälle.

Kunz gab zu Bedenken, dass auch viele Bagatellsachen in der Statistik landeten, da Eltern - aus verständlichen Gründen - oft vorsichtshalber mit dem Kind zum Arzt gehen. Die Unfallkasse schalte sich vor allem bei schlimmeren Unfällen ein, um die Heilbehandlung zu steuern.

"Allerdings versuchen wir, über eine gute Prävention dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht soweit kommt", sagte Kunz. Die Unfallkasse biete zahlreiche Fortbildungen an und unterstütze Projekte, wie etwa die "bewegte Pause", um die körperliche Koordination der Schülerinnen und Schüler zu stärken.

Daneben ist die Unfallkasse auch für die Überwachung der Schulen zuständig. Sollte es erhebliche Sicherheitsbedenken geben, könne eine Schule im Notfall geschlossen werden, sagte Kunz. Dies sei beispielsweise mal geschehen, als in einer Schule bei Bauarbeiten schädliche Stoffe ausgetreten seien. In anderen Fällen habe die Unfallkasse Anordnungen ausgesprochen, erklärte Kunz. Dabei sei es etwa darum gegangen, einfaches Glas in bruchsicheres Glas auszutauschen oder mögliche Absturzstellen auf dem Schulgelände besser zu sichern.

dpa

Anzeige