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Panorama Hallenbäder unter Corona-Druck: "Nicht wirklich begeistert"
Mehr Hessen Panorama Hallenbäder unter Corona-Druck: "Nicht wirklich begeistert"
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05:58 17.12.2021
Eine Schwimmerin zieht im 50-Meter-Becken des Auebads ihre Bahn.
Eine Schwimmerin zieht im 50-Meter-Becken des Auebads ihre Bahn. Quelle: Uwe Zucchi/dpa
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Kassel/Darmstadt/Frankfurt

Weniger Besucher wegen der Corona-Pandemie, viel mehr Aufwand wegen Kontrollen und Hygienekonzepten und stark steigende Energiepreise: Die Hallenbäder in Hessen stehen im zweiten Jahr der Pandemie vor großen Herausforderungen. "Es sind alle nicht wirklich begeistert und wünschen sich ein Ende der Pandemie", sagte die Vorsitzende des hessischen Landesverbandes der Deutschen Schwimmmeister, Michaela Fisseler-Weinrich, der Deutschen Presse-Agentur über die nach ihren Angaben rund 100 reinen Hallenbäder im Land.

Von der Schließung einzelner Bäder hat Fisseler-Weinrich aber noch nichts gehört. Die nicht kommunal unterstützen Bäder seien sicher schlechter dran. Zunächst sei man aber erstmal froh, dass man die Bäder öffnen darf. Bäderbetriebe in großen Städten ziehen teils eine gemischte Bilanz angesichts der Probleme. Weniger Gäste gibt es aber fast überall.

In FRANKFURT sind sechs Hallenbäder offen. "Wir haben zum Glück nach wie vor die Schwimmbäder geöffnet, das ist ja nicht überall in der Republik so", sagte Boris Zielinski, Geschäftsführer der Frankfurter Bäderbetriebe. "Der Aufwand sei aber schon enorm." So kämen zu den Hygienemaßnahmen nun auch die 2G-Kontrollen hinzu. Aber es sei wichtig, den Menschen solch ein Sport- und Freizeitangebot zu machen, gerade in einer Zeit, in der vieles geschlossen sei.

Die Besucherzahlen sind laut Zielinski geringer als in Vor-Corona-Zeiten, aber immer noch recht gut. "Die Leute haben erkannt, dass das kein Ort des Risikos ist. Das reine Schwimmen ist ja auch ein Individualsport." Problematisch seien die enormen Energiepreise. "Die gestiegenen Betriebskosten werden unsere Kosten deutlich erhöhen." Es sei aber nicht geplant, deshalb die Eintrittsgelder anzugleichen.

In den Hallenbädern der Stadt KASSEL gab es laut dem Betreiber Städtische Werke spürbar weniger Besucher. "Zwar lockt das aktuell schlechte Wetter wieder mehr Badegäste an, aber wir bewegen uns auf einem Niveau von etwa der Hälfte zu normal", sagte Pressesprecher Ingo Pijanka. In den Bädern gelten demnach die 2G- und üblichen Abstandsregeln, es gibt Kontrollen am Einlass. "Aber das führt zu keinen Wartezeiten", erläuterte Pijanka. Nur wenn es tatsächlich sehr voll sei, beispielsweise in der Sauna, sei es möglich, dass es für eine gewisse Zeit keinen Einlass gebe.

Mit der geringeren Besucherzahl gehe auch ein spürbar geringerer Energiebedarf einher. "Hinzu kommt, dass die Bäder den Strom von den Städtischen Werken beziehen, also von sich selbst", erläuterte Pijanka. Der Versorger beschaffe den absehbaren Bedarf bis zu drei Jahre im Voraus und könne dadurch Preisextreme deutlich glätten.

In den drei Hallenbädern in DARMSTADT wirken sich die Corona-Beschränkungen unterschiedlich aus. Im Nordbad mit seiner großen Wasserfläche seien die Besucherzahlen trotz Pandemie im Vergleich zu 2019 sogar gesteigert worden. Die Wasserfläche ist für die Gästezahlen mitentscheidend. Dem Hessischen Schwimmverband zufolge gab es bis vor kurzem coronabedingt eine Quadratmeterordnung. Dem Vizepräsidenten des Verbandes, Manuel Martin, zufolge durfte auf zehn Quadratmeter nur ein Gast kommen.

Für die beiden anderen Darmstädter Hallenbäder sieht die Bilanz nicht positiv aus. Im Jugendstilbad seien die Zahlen im Mittel um 25 bis 50 Prozent und in Bessungen um rund 30 Prozent zurückgegangen. Die Energiekosten hätten allerdings bislang zu keinen Einschränkungen oder Schließungen im Badebetrieb geführt.

In drei Hallenbädern in WIESBADEN können Gäste sich für ein Zeitfenster für einen Besuch entscheiden und es gibt je nach Größe limitierte Besuchskapazitäten. Weitere Einschränkungen oder gar Schließungen seien derzeit nicht vorgesehen, hieß es. Angesichts der derzeitigen Bedingungen sei man mit der Auslastung zufrieden.

Die Schwimmbäder in GIESSEN verzeichnen indes im Vergleich zu den Zeiten vor der Pandemie "drastische Rückgänge" bei den Besucherzahlen. "Die Begrenzungen durch die Anti-Corona-Maßnahmen für die maximale Besucherzahl werden eingehalten und überwacht. Die Besucher sind generell vorsichtig und wir bemerken aufgrund der Nachrichtenlage eine steigende Unsicherheit bei den Besuchern", erläuterte der Sprecher. "Das führt dazu, dass die aufgrund der Einschränkungen vorgegebenen maximalen Besucherzahlen meistens nicht erreicht werden."

Ein Problem sind hier die steigenden Energiekosten: Diese belasteten den Bäderbetrieb zusätzlich, da ein hoher Aufwand betrieben werde, um die Wasser- und Raumtemperatur für die Gäste angenehm zu gestalten. "Durch die geringere Besucherzahl steigen die Kosten pro Besucher sehr stark an, was wir nicht über die Eintrittspreise gegenfinanzieren können."

Die Energiekosten sind in der zweiten Jahreshälfte stark gestiegen. Im November lagen sie 25,3 Prozent höher als im Vergleichsmontag 2020. Bei Heizöl waren sie sogar fast doppelt so hoch.

Bei den Schwimmmeistern ist man froh, dass trotz aller Einschränkungen fast alle Bäder Schwimmkurse anbieten, wenn es auch lange Wartelisten gibt. Dies sei nötig, um gegen den Nichtschwimmer-Notstand anzugehen. Martin zufolge gibt es bundesweit wegen ausfallenden Schwimmunterrichts im Jahr 50 000 Nichtschwimmer mehr. "Da ist ein kompletter Schuljahrgang betroffen."

© dpa-infocom, dpa:211217-99-416248/3

dpa