Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Große Leere und manche Ungewissheit am Frankfurter Flughafen
Mehr Hessen Panorama Große Leere und manche Ungewissheit am Frankfurter Flughafen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:02 26.03.2020
Ein Flugreisender geht am Frankfurter Flughafen durch die leere Abflughalle B im Terminal 1. Quelle: Arne Dedert/dpa
Anzeige
Frankfurt/Main

In Zeiten der Covid-19-Pandemie ändern sich auch Begrüßungsrituale am Frankfurter Flughafen: Mit Blumenstrauß, aber auch mit Gesichtsmaske und Forderungen, Abstand zu halten, begrüßte eine junge Frau am Donnerstag ihre Eltern. Für das Ehepaar aus dem Landkreis Darmstadt hatte der Mittelamerika-Urlaub ein unerwartetes Ende genommen.

"Wir wollten eigentlich noch nach Panama, aber das hatte seine Grenzen schon als erstes geschlossen", sagt der Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte. Von einer verfrühten Rückreise wegen der Corona-Krise hätten sie in Nicaragua erfahren und seien dann schnellstmöglich nach Costa Rica weitergereist: "Von Nicaragua kann man nicht nach Europa reisen, sondern nur nach Amerika. Und da kommen wir ja auch nicht rein."

Anzeige

Der Urlaub sei mit einigen Einschränkungen verbunden gewesen, ergänzt die Frau des südhessischen Urlaubers: "Die Nationalparks wurden alle geschlossen, auch viele Restaurants und Hotelpools. In San José waren noch viele deutsche Reisende, die auf eine Heimflugmöglichkeit hoffen."

Bei der Ankunft in Frankfurt hätten die Passagiere nur in Kleingruppen zu etwa 20 Personen aussteigen dürfen, sagt ein anderer Reisender. So sollte Gedränge an Einreiseschaltern und am Gepäckband vermieden werden. Beim Einchecken in San José hätten die Passagiere aber noch dicht an dicht gestanden, und auch im vollen Flieger sei das mit dem Abstand auch nicht wirklich machbar gewesen, sagt der Mittelamerika-Rückkehrer und zupft seine Schutzmaske zurecht.

Allein auf Schutzmasken und womöglich Handschuhe wollen einige besonders vorsichtige Passagiere nicht setzen: In der Abflugebene setzen sich drei Reisende in Ganzkörper-Schutzanzügen mit ihren Rollkoffern in Bewegung. Sie dürften im Flugzeug zwar ungewöhnlich rascheln, können sich aber wohl relativ sicher sein, nicht an der Kleidung irgendwelche Viren aufzunehmen.

Eine lückenlose Kontrolle von Passagieren am Frankfurter Flughafen auf Corona-Infektionen ist nach Auskunft des Gesundheitsamts weder möglich noch sinnvoll. Teilweise kämen die Einreisenden aus Ländern, in denen es viel weniger Erkrankte als in Deutschland gebe, sagt Udo Götsch vom Frankfurter Gesundheitsamt. Die Pandemie sei bundesweit in eine Phase eingetreten, in der das Virus innerhalb des Landes weitergegeben und nicht mehr von außen hinein getragen werde. Kontrollen und Untersuchungen gebe es, wenn Verdachts- oder Krankheitsfälle gemeldet würden.

Bei Hinweisen, dass beispielsweise Passagiere von einem betroffenen Kreuzfahrtschiff an Bord eines Flugzeugs seien, gingen die Mitarbeiter des Gesundheitsamts in die Maschine und fragten, ob jemand erkrankt sei. Passagiere aus Risikogebieten müssten Aussteigekarten ausfüllen mit Angaben zu ihrem Gesundheitszustand, Kontaktpersonen sowie Kontaktdaten. Ausgeben müssten diese die Fluggesellschaften.

Ansonsten seien die Piloten gefragt, Verdachtsfälle zu melden. Erkrankte Passagiere würden ins Krankenhaus gebracht, etwa die Uni-Klinik Frankfurt. Nach Angaben der Stadt Frankfurt folgt man damit Regeln, die für sogenannte IGV-Flughäfen international festgelegt sind (Internationale Gesundheitsvorschriften).

Immer wieder erklingen auch an diesem Donnerstag Lautsprecherdurchsagen, in denen Passagiere und Wartende aufgefordert wurden, einen Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern einzuhalten. Am Flughafen herrscht fast überall ungewohnte Leere, Geschäfte und Restaurantbetriebe waren bis auf wenige Ausnahmen geschlossen. Wegen der Einreisebeschränkungen im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Pandemie nehmen die Passagierzahlen am größten deutschen Flughafen weiter ab.

Auf Abstand achtet auch eine Crew der thailändischen Airline Thai Airways, die in Frankfurt für ihren Flug nach Bangkok eincheckte. Dass ihr Heimatland einen Tag zuvor seine Grenzen für Ausländer geschlossen hatte, war den Flugbegleitern noch nicht bekannt. "Die Regeln ändern sich so schnell, und wir waren jetzt drei Tage unterwegs. Wir haben keine Ahnung, was jetzt gilt", sagt eine Flugbegleiterin. "Wir haben aber alle einen Gesundheitsnachweis, dass wir Corona-negativ sind."

dpa