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Panorama Modehauptstadt Frankfurt? Fashion Week zieht an den Main
Mehr Hessen Panorama Modehauptstadt Frankfurt? Fashion Week zieht an den Main
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15:42 08.06.2020
Modedesigner Harald Glööckler kommt zu einer Veranstaltung. Quelle: Christian Charisius/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Die Zeil als Laufsteg, der Eiserne Steg als Catwalk: Frankfurt hat Berlin die Fashion Week weggeschnappt und will sich international als Modemetropole behaupten. Die neue Auflage der Messe wird erstmals im Sommer 2021 am Main veranstaltet. "Das Format Fashion Week wird neu gedacht werden müssen", sagte Anita Tillmann, Geschäftsführerin des Veranstalters Premium Group.

Neben der Messe Premium zieht auch die Händlermesse Seek, die Plattform Neonyt für nachhaltige Mode sowie die Konferenzen FashionSustain und FashionTech an den Main. Die Fashion Week Frankfurt soll innovativer, digitaler und nachhaltiger werden und neben dem Messegelände an verschiedenen Orten der Stadt stattfinden. "Unser Eiserner Steg wird der charmanteste Laufsteg der Welt", erklärte Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) mit Blick auf Frankfurts berühmte Brücke.

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Dass die Wahl auf Frankfurt fällt, mag viele überraschen. Anders als etwa Düsseldorf hat sich die Finanzmetropole bislang kaum als Modestadt einen Namen gemacht. "Man kommt nicht sofort auf Frankfurt, aber es ist der perfekte Ort", sagte Tillmann. Für die Stadt spricht beispielsweise die gute Lage und Anbindung. "Das Drehkreuz Frankfurt mit seinem Flughafen steht für Internationalität und ist weltweit ein Begriff", sagte der Modeschöpfer Harald Glööckler. "Ich sehe große Chancen für Frankfurt, eine international bedeutende Modemesse zu installieren."

Unter anderem mit der Buchmesse und dem Museumsufer hat sich Frankfurt als Kulturstandort einen Namen gemacht. Aber kann die Stadt der Szene-Hochburg Berlin das Wasser reichen? Immerhin hatten die Macher des Berliner Szene-Restaurants Grill Royal im vergangenen Jahr das "Le Petit Royal" im Bahnhofsviertel eröffnet, das wegen der Corona-Krise aber aktuell geschlossen ist. Und auch das Robert Johnson im benachbarten Offenbach kann sich ohne weiteres mit den angesagten Berliner Clubs messen. Den Veranstaltern geht es wohl auch darum, etwas Unerwartetes zu schaffen. "Frankfurt ist dafür ein neuer, unverbrauchter Standort", sagte Tillmann. Und: "Wir haben keine "bad feelings" für Berlin". Aber Frankfurt biete als Standort zahlreicher Textilmessen andere Perspektiven.

In Frankfurt hört man solche Worte gerne. Im Jahr 2019 erzielte die Frankfurter Messe zwar noch einen Rekordumsatz von 733 Millionen Euro. Durch den Verlust der Internationale Automobil-Ausstellung (IAA), die künftig in München stattfindet, war die Stimmung in der Stadt aber arg gedrückt. Da kommt der Zuzug der Fashion Week gerade richtig. Die Stadt werde zum "neuen Hotspot der Fashion- und Lifestyleszene und zur neuen internationalen Fashionmetropole", betonte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

Hinzu komme eine "einmalige und internationale wirtschaftliche Chance". Feldmann sprach von einer Umwegrentabilität von 200 Millionen Euro pro Jahr. Also der indirekte Nutzen beispielsweise für Hotels, Geschäfte und Restaurants durch die Besucher. Zugleich wollen Stadt und Land zehn Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Modemesse in den nächsten drei Jahren ausrichten zu können. Tillmann unterstrich, ihr Unternehmen habe kein Geld für den Wechsel nach Frankfurt erhalten.

In Berlin ist derweil die Enttäuschung groß. Die dortige CDU sprach von einem empfindlichen Rückschlag für die Mode-Stadt Berlin. Bei der FDP hieß es, der Verlust sei fatal für eine Stadt, die von ihrer Kreativszene lebe. Zuletzt war die Modewoche im Januar in Berlin über die Bühne gegangen, rund 70 000 Besucher wurden dazu erwartet. Auch in der Hauptstadt solle es weiterhin eine Fashion Week geben, hieß es. Man sei mit den anderen Beteiligten im Austausch über die künftige Ausrichtung.

Das Konzept für die neue Fashion Week in Frankfurt soll im Herbst vorgestellt werden. Nach der Premiere im Sommer 2021 soll sie zweimal jährlich, im Januar und im Juli, ausgetragen werden. Die Veranstalter geben sich selbstbewusst und bekräftigen, eine Modemesse mit europäischem Format entwickeln zu wollen. "Wir sind schon angetreten, um den anderen großen Fashion Weeks die Stirn zu bieten", sagte Tillmann.

dpa

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