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Panorama Gleisattacke: Tatverdächtiger soll dauerhaft in Psychiatrie
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11:42 23.12.2019
Das Mikrofon für Wortbeiträge steht im Gerichtssaal. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Frankfurt

Der Mann, der einen kleinen Jungen im Frankfurter Hauptbahnhof vor einen ICE gestoßen haben soll, soll dauerhaft in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Die Staatsanwaltschaft habe beim Landgericht die Durchführung eines sogenannten Sicherungsverfahrens beantragt, teilte Sprecherin Nadja Niesen am Montag in Frankfurt mit.

"Der zuletzt in der Schweiz wohnhafte 40-Jährige ist hinreichend verdächtig, am Vormittag des 29. Juli 2019 am Frankfurter Hauptbahnhof einen achtjährigen Jungen getötet und zwei Frauen verletzt zu haben", hieß es in der Mitteilung.

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Der aus Eritrea stammende Mann soll zuerst die am Bahngleis stehende 40-jährige Mutter und dann ihren Sohn vor den einfahrenden ICE gestoßen haben. "Während es der Mutter gelang, sich nach dem Sturz rechtzeitig zur Seite in Richtung des benachbarten Gleises zu rollen, wurde der Junge von dem einfahrenden Zug erfasst und tödlich verletzt", schildert die Staatsanwaltschaft das Geschehen.

"Im Anschluss daran soll der Beschuldigte einer weiteren am Gleis stehenden Frau einen kräftigen Stoß in den Rücken versetzt zu haben. Die 78-Jährige kam dadurch auf dem Bahnsteig zu Fall und erlitt unter anderem eine Mehrfachfraktur des Ellenbogens" , so die Staatsanwaltschaft weiter. Nach der Tat flüchtete der Mann über die Gleise, konnte aber wenig später in der Nähe des Hauptbahnhofs festgenommen werden. Den Ermittlungen zufolge stand er weder unter dem Einfluss von Alkohol noch von Betäubungsmitteln.

Einen Monat lang saß er in Untersuchungshaft - dann wurde er "wegen offenkundig gewordener psychischer Probleme" vorläufig in eine Klinik für forensische Psychiatrie verlegt. Dort wurde er auch begutachtet: Zur Tatzeit soll "eine schizophrene Psychose in akuter Form vorgelegen haben, die sich in einem paranoiden Verfolgungswahn und Fremdsteuerungserleben ausdrückte", berichtete Niesen.

Aufgrund seiner Krankheit soll er "bei Tatbegehung schuldunfähig gewesen sein", glauben die Sachverständigen. Angesichts des diagnostizierten Krankheitsbildes bestehe "eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Beschuldigte in Zukunft weitere Gewaltdelikte begehen wird". Zum Schutz der Allgemeinheit sei seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erforderlich.

dpa