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Panorama Besucheransturm in Mittelgebirgen soll verhindert werden
Mehr Hessen Panorama Besucheransturm in Mittelgebirgen soll verhindert werden
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15:05 08.01.2021
Auf einem Absperrband an der L3025 in Richtung Feldberg ist das Wort «Polizeiabsperrung» zu lesen.
Auf einem Absperrband an der L3025 in Richtung Feldberg ist das Wort «Polizeiabsperrung» zu lesen. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Frankfurt

Das schneereiche Winterwetter und der eintönige Pandemie-Alltag lockt zahlreiche Natursuchende in die hessischen Mittelgebirge. Am vergangenen Wochenende kam es deshalb an verschiedenen Orten zeitweise zur Überlastung von Straßen und Parkplätzen. Die Behörden in Hessen erwarten auch an diesem Wochenende kein Abflauen des Besucheransturms. Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, setzen die Polizei und die betroffenen Kreise auf unterschiedliche Regeln.

Im nordhessischen Wintersportort Willingen gilt wegen der Corona-Pandemie seit Freitag ein Betretungsverbot für Skipisten und Rodelhänge. Bürgermeister Thomas Trachte (parteilos) will dies aber zunächst nicht mit umfangreichen Absperrungen und Bußgeld durchsetzen, sondern man appelliere an die Vernunft der Besucher: "Wir wollen nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen." Die Sperrung von Skipisten und Rodelhängen auf Grundlage des Infektionsschutzrechts ist die erste dieser Art in Hessen. Sie gilt bis Sonntag.

Laut Trachte wird das Ordnungsamt mit Unterstützung der Polizei über die Einhaltung des Verbots wachen. Da die 7000-Einwohner-Gemeinde ein Tourismusschwerpunkt in Hessen sei, habe man vergleichsweise viele Ordnungskräfte. Zudem seien die Skihänge und Rodelpisten gut einsehbar. Bei Verstößen wolle man die Besucher zunächst aufklären. Spazierengänge und die Zufahrt in den Ort seien möglich. "Sollte sich aber wieder ein Besucheransturm ergeben, wären wir auch in der Lage, Straßen zu sperren." Im Rothaargebirge ist die Zufahrt von der Bundesstraße 253 zur Sackpfeife und zum Freizeitzentrum Sackpfeife bereits seit dem 3. Januar bis auf weiteres gesperrt. Das teilte der Bürgermeister auf der Webseite der Stadt Biedenkopf mit.

Am Hohen Meißner will der Werra-Meißner-Kreis den Andrang mit schärferen Polizeikontrollen eindämmen. Am Wochenende sollen Zufahrtsstrecken bei "erschöpften Parkplatzkapazitäten" kurzfristig gesperrt werden, teilte der Kreis am Donnerstag mit. Bereits am Freitagmittag werde man Zufahrten blockieren. Mit den Maßnahmen wolle man "unübersichtliche Verkehrssituationen" verhindern. Insbesondere Rettungswege dürften nicht zugeparkt werden. Das Parken sei nur auf den ausgewiesenen Plätzen gestattet. Man appelliere an die Bürger, "den Meißner zu meiden". Da man jedoch den Wunsch verstehe, nach draußen zu gehen, werde der Ausflugsort nicht komplett abgeriegelt. Die Abstandsregeln seien einzuhalten.

Auch in Osthessen rüstet man sich. Im Vogelsbergkreis sollen die Zufahrtsstraßen zum Hoherodskopf und zur Herchenhainer Höhe weiter zwischen 9.00 und 16.00 Uhr gesperrt bleiben. Dies soll zunächst bis zum 12. Januar gelten, teilte der Kreis mit.

In der Röhn schließen der Kreis Fulda und die Stadt Gersfeld die touristischen Parkplätze und Zufahrten zur Wasserkuppe komplett, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung hieß. Bereits am Dreikönigstag hatte die Polizei die Zufahrten zu Parkplätzen verstärkt reguliert. Die Sperrungen am Wochenende gelten einer Sprecherin des Kreises Fulda zufolge am Samstag und Sonntag zwischen 9.00 und 16.00 Uhr. Es sei verständlich, dass die Leute Erholung suchten, so die Sprecherin. Aber: "Der Appell an Eigenverantwortung geht bei vielen Leuten ins Leere." Die Polizei werde vor allem überwachen, dass nicht etwa auf die Straßenränder ausgewichen werde.

In der Region rund um den Großen Feldberg sollen am Wochenende bis einschließlich Montag mehrere Landesstraßen gesperrt werden. Das kündigte der Hochtaunuskreis in Bad Homburg an. Anwohner würden gebeten, ihren Personalausweis mitzuführen. Betroffen sind unter anderem Landesstraßen durch den Glashüttener Ortsteil Oberems sowie die Zufahrt nach Königstein-Falkenstein. Der Bereich rund um das Taunus-Informationszentrum an der Hohemark werde von der Polizei kontrolliert.

Wegen Schneebruchs und umgestürzter Bäume sei ein Besuch der Feldbergregion gegenwärtig nicht sinnvoll, erklärte der Erste Kreisbeigeordnete, Thomas Schorr. Auf den wenigen begehbaren Wegen und Hängen könnten die Corona-Regeln aufgrund des hohen Besucherinteresses nur schwer eingehalten werden. Die Zufahrtsstraßen zum Gipfel sind schon seit längerem gesperrt.

Bei Wiesbaden werden seit Freitag die Parkplätze rund um die Hohe Wurzel entlang der Landesstraße 3037 bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt. Die Sperrung erfolge zum Schutz der Verkehrsteilnehmer, teilte Hessen Mobil am Freitag mit. Aufgrund der Schneefälle der vergangenen Tage seien die Parkplätze vereist und verschneit. Die Ausfahrten der Parkplätze blieben am Freitag noch bis 21 Uhr geöffnet, von Samstag an seien sie vollständig blockiert.

Auch in Südhessen will man den zahlreichen Tagesausflüglern Herr werden. "Uns blutet das Herz", sagte Kornelia Horn von der Odenwald Tourismus GmbH. "Man kann das absolut nachvollziehen, absolut, dass Familien mit Kindern rauswollen." Die Pandemie-Lage lasse jedoch keine Menschenmassen zu. Horn zufolge sind die Zufahrtsstraßen zur Neunkircher Höhe und zum Katzenbuckel gesperrt. Bei Oberzent-Beerfelden sei ein Parkplatz nahe der Bundesstraße geschlossen.

Gemütlich wird es am Wochenende in den Höhenlagen nicht: Am Samstag wird es im Bergland laut Deutschem Wetterdienst (DWD) minus 2 Grad kalt, ein Riss in der Wolkendecke ist nicht in Sicht. In der Nacht auf Sonntag sinken die Temperaturen auf minus 7 Grad, der DWD warnt vor stellenweise glatten Straßen. Auch am Sonntag bleiben die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, vereinzelt klart der Himmel auf.

dpa