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Panorama Geister-Fahrräder zum Gedenken an tödliche Unfälle
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08:44 03.10.2020
Weiß gestrichenes Fahrrad mit einem Schild mit der Aufschrift «Petra 1.08.2015» in Frankfurt. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Als Mahnung und zur Erinnerung stehen weiß gestrichene Fahrräder an Straßen und Kreuzungen in Hessen. Die "Geister-Fahrräder" werden nach schweren Unfällen mit getöteten Radfahrern aufgestellt, die Initiative geht häufig auf Angehörige zurück. In Frankfurt stehen inzwischen neun der Räder. Auch in anderen Landesteilen wird auf diese Weise Unfallopfern gedacht - darunter Wiesbaden, Darmstadt und Kassel.

In zahlreichen Ländern weltweit werde auf diese Weise an tödliche Unfälle erinnert, sagt Peter Josiger, der gemeinsam mit weiteren Aktiven eine Homepage zu den Rädern in Frankfurt pflegt. Die lose Gruppe dient als Ansprechpartner für Angehörige und städtische Stellen. Auf einer Online-Karte verzeichnet sie die Aufstellorte, zusammen mit Informationen zu Alter und Geschlecht der Unfallopfer.

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Die Fahrräder hätten auch eine politische Komponente: "Wir wollen zeigen, dass es jeden Tag für Radfahrer gefährliche Situationen geben kann", sagt Josiger. Zudem sollen sie auf gefährliche Stellen im Straßenverkehr hinweisen. Damit die Räder nicht gestohlen werden, werden sie vor der Aufstellung fahruntüchtig gemacht, etwa Sattel und Kette entfernt. 2003 seien die ersten Mahnräder in den USA aufgestellt worden, sagt Josiger.

In Kassel erinnert seit vergangenem Jahr ein Geisterfahrrad an einen schweren Unfall. In Wiesbaden wurde zuletzt im vergangenen August nach einem tödlichen Unfall auf einer Bundesstraße stadtauswärts eines aufgestellt. Der ADFC organisierte eine Demonstration mit Mahnwache. Es handelte sich um die dritte derartige Aktion in der Landeshauptstadt, dabei wurde jeweils dasselbe Fahrrad verwendet.

Mindestens sieben Geisterfahrräder erinnern in Darmstadt und weiterer Umgebung an tödliche Unfälle. "Jedes Jahr sterben auf deutschen Straßen rund 500 Radfahrer, also 10 Menschen pro Woche. An den Unfällen sind sie meist nicht schuld", erklärt der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Darmstadt-Dieburg, Klaus Görgen. Es gehe darum, ein Zeichen zu setzen und aufzufordern, aufeinander Rücksicht zu nehmen. "Radfahrerinnen und Radfahrer sind die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Sie haben keine Knautschzone und müssen bei einem Unfall direkte körperliche Schäden befürchten."

dpa