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Panorama Künstler nach Foto mit Waffen-Attrappe freigesprochen
Mehr Hessen Panorama Künstler nach Foto mit Waffen-Attrappe freigesprochen
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18:12 27.08.2020
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Quelle: David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild
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Kassel

Ein Künstler muss die gegen ihn verhängte Geldstrafe wegen eines Facebook-Fotos mit Sturmgewehr-Attrappe nicht zahlen. Das Landgericht Kassel sprach den Künstler Artur Klose am Donnerstag in einem Berufungsverfahren frei und hob damit ein Urteil des Amtsgerichts Hofgeismar auf, das Klose zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt hatte. Die Kammer habe den Vorwurf des Vortäuschens einer Straftat nicht als erwiesen angesehen, sagte ein Sprecher des Landgerichts der Deutschen Presse-Agentur. Im Falle eines seiner Fotos habe der Künstler zudem selbst darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine Waffen-Attrappe handele.

Bei der Entscheidung sei auch zwischen dem Schutz der Kunstfreiheit und dem Schutz der Strafrechtspflege abzuwägen gewesen, sagte der Sprecher. Gegen die Entscheidung sei nun noch Revision seitens der Staatsanwaltschaft möglich.

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Klose hatte im Mai 2018 ein Foto von sich ins soziale Netzwerk gestellt. Dabei posierte er mit der Replik einer Kalaschnikow sowie einem Gerichtsschreiben. Wegen einer anderen umstrittenen Kunstaktion hatte er seinerzeit bereits Ärger mit Justizbehörden. Es lief ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen ihn, das eingestellt werden sollte. Doch der Künstler wollte eine Verhandlung mit Freispruch und forderte das auf Facebook. Weil Polizei und Staatsanwaltschaft eine echte Gefahr nicht ausschließen konnten, rückten Spezialkräfte an. Klose gab die Waffe ab und postete später ein ähnliches Foto - im Clownskostüm.

In dem Verfahren vor dem Amtsgericht hatte der Künstler die Vorwürfe zurückgewiesen, die Polizeieinsätze provoziert zu haben. Er sah seine Fotos durch die Kunstfreiheit gedeckt. Das Amtsgericht hatte ihn wegen Vortäuschens einer Straftat in Tateinheit mit Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten verurteilt. Wer sich wie der Angeklagte mit einer Waffe hinstelle und Forderungen äußere, "der droht mit dem Einsatz dieser Waffe", argumentierte der Richter bei der damaligen Urteilsverkündung Anfang Februar.

dpa