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Panorama Masken statt Autos: Corona verändert Flughafen-Frachtbetrieb
Mehr Hessen Panorama Masken statt Autos: Corona verändert Flughafen-Frachtbetrieb
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15:12 04.06.2020
Ein junger Mann trägt eine Atemschutzmaske. Quelle: Christoph Schmidt/dpa/Symbolbild
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Frankfurt/Main

Von der Krise über den Wolken ist in der Cargo City Süd, dem Frachtbereich des Frankfurter Flughafens, auf den ersten Blick wenig zu spüren: In den riesigen Hallen sind die Regale gut gefüllt. Gabelstapler surren durch die Gänge, bewegen Kartons und Packungen, die auf den Luftpaletten gestapelt und mit Netzen für den Transport in den Laderaum vorbereitet werden. Auf der einen Seite die Laderampe für die Lastwagen, auf der anderen die Rolltore mit dem Blick aufs Vorfeld - auch bei Luftfracht zählt Geschwindigkeit, ähnlich wie bei den Passagierflügen.

Die Einflüsse der Corona-Pandemie zeigen sich aber auch hier - nicht nur, weil alle, die in den Hallen unterwegs sind, Nase-Mund-Masken tragen. Aber sowohl der Warenstrom wie auch manche Abläufe haben sich verändert. So wurden seit März etwa 3,5 Milliarden Schutzmasken und andere Artikel zum Schutz vor einer Corona-Infektion über den Frankfurter Flughafen nach Deutschland gebracht, sagt Max Philipp Conrady, Leiter der Zentrale Frachtinfrastruktur bei Fraport, am Donnerstag.

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"Bei den Passagieren gab es enorme Einbrüche, aber die Frachtbewegungen sind auf fast gleichem Niveau weitergelaufen", so Conrady. "Früher wurden pro Woche etwa 40 000 Tonnen Fracht umgeschlagen, in den vergangenen Wochen waren es etwa 35 000 Tonnen."

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Kartons mit Schutzmasken, die jetzt vor allem aus Asien nach Frankfurt geflogen sind, deutlich leichter sind als Zubehörteile etwa für industrielle Produktion, die vor der Coronakrise zu den typischen Frachtgütern gehörten. Auch sonst haben die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise manches verändert. "Früher hatte die Exportfracht einen Anteil von 60 Prozent, der Import lag bei 40 Prozent - jetzt ist es umgekehrt", sagte Conrady.

Auch logistisch mussten sehr schnell neue Abläufe entwickelt werden, so Claus Wagner, Geschäftsführer von Frankfurt Cargo Services (FCS). Neben der Zusammensetzung der Fracht seien viele neue Akteure in der Lieferkette eine Herausforderung: "Wir haben jetzt mit Partnern zu tun, die bisher immer Schiffsfracht transportiert haben und sich mit den Abläufen am Flughafen gar nicht auskannten. Denn eigentlich sei es ja "Wahnsinn", niedrigpreisige Artikel wie Schutzmasken per Luftfracht zu transportieren. "Für Luftfracht entscheidet man sich, wenn die Fracht entweder sehr hochwertig ist oder es sehr schnell gehen muss." Immerhin könnten die Kosten das Hundertfache des Transports auf dem Seeweg betragen.

Doch angesichts der Einführung der Maskenpflicht und der Produktionsstandorte außerhalb Deutschlands musste es bekanntlich schnell gehen, sehr schnell. Während andere Unternehmen reihenweise Kurzarbeit anmeldeten, wusste Wagner kaum "woher all die Hände nehmen, die beim Ent- und Beladen gebraucht werden." Allein bei FCS arbeiten insgesamt etwa tausend Beschäftigte beim Umgang mit der Fracht zwangsläufig sehr eng beieinander.

Masken seien bei der Arbeit von Anfang an vorgeschrieben gewesen und seien auch immer in ausreichender Zahl vorhanden gewesen, blickt Wagner auf die vergangenen Monate zurück. Jeden Monat fielen "weit über 100 000 Euro" für Schutzmaßnahmen an. Corona-Infektionen bei Mitarbeitern seien aufgetreten, "aber wir haben Glück gehabt".

Wird in der Cargo City auch weiter so unter Hochdruck gearbeitet, oder erreicht die Krise auch diesen Bereich? "Wir sind auf alles vorbereitet", sagt Wagner und spricht von einer extrem veränderlichen Lage. Es gebe Informationen, dass die ersten Maskenlieferungen schon auf dem Seeweg unterwegs seien. Gleichzeitig wächst die Hoffnung, dass etwa im Autobau die Produktion wieder anläuft, Fahrzeuge oder Teile für Anlagentechnik per Luftfracht auf Reisen gehen können. "Wir hoffen, dass der Export, wenn auch auf niedrigem Niveau, wieder wächst", ergänzt Conrady. Immerhin: Ein schwarzglänzender Geländewagen mit auffälligen orangenen Ledersitzen wartet in der Halle bereits auf seinen Flug.

dpa

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