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Panorama Wintereinbruch trifft den Nordosten Hessens mit voller Wucht
Mehr Hessen Panorama Wintereinbruch trifft den Nordosten Hessens mit voller Wucht
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16:32 08.02.2021
Ein Schneemann steht auf einem Hügel.
Ein Schneemann steht auf einem Hügel. Quelle: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
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Fulda/Kassel/Offenbach

Ein Wintereinbruch mit Eis und Schnee hat am Montag den Norden und Osten Hessens mit voller Wucht getroffen. Steckengebliebene Lastwagen blockierten Autobahnen. Autofahrer standen über Stunden im Stau. Städte stellten den Busverkehr ein. Bahnen und Regionalzüge kamen mit Verspätung - wenn sie denn überhaupt fuhren. Ein Sprecher der Polizei in Fulda bezeichnete die Lage als "katastrophal".

"Alles rund um das Kirchheimer Dreieck ist dicht", sagte er. Lastwagenfahrer sollten die Autobahnen nicht mehr befahren. Räumfahrzeuge kamen kaum noch durch. Auf schneeglatter Fahrbahn prallte ein Autofahrer auf der Autobahn 7 Richtung Süden zwischen Homburg und Bad Hersfeld mit seinem Wagen gegen einen stehenden Lastwagen. Der 28-Jährige und seine 29 Jahre alte Beifahrerin wurden leicht verletzt. Der 64 Jahre alte Fahrer des Lastwagens hatte wegen des Schneefalls im Stau gestanden.

In Fulda mussten die Schüler wegen des Schnees nicht zur Schule. Es sei unterrichtsfrei, teilte ein Sprecher des Schulamtes mit. Allerdings werde auf Distanzunterricht umgestellt. Auch im Werra-Meißner-Kreis gebe es keinen Präsenzunterricht, teilte die Kommune auf ihrer Internetseite mit.

"Vielerorts vereiste Straßen und angekündigter strenger Frost lassen keine sichere Schülerbeförderung zu", hieß es beim Lahn-Dill-Kreis, wo die Schulen ebenso wie in den Kreisen Limburg-Weilburg und Hersfeld-Rotenburg geschlossen blieben. Wegen der Corona-Pandemie ist die Präsenzpflicht an Hessens Schulen derzeit ohnehin ausgesetzt - viele Klassen lernen im Distanzunterricht.

In Kassel und Marburg fuhren keine Busse. In Kassel blieben Busse und Straßenbahnen in den Depots, wie die Stadtwerke mitteilten. Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft ging davon aus, dass der Betrieb frühestens am Mittwoch wieder aufgenommen wird. Die Stadtverwaltung war nur eingeschränkt zu erreichen. Die Müllabfuhr rückte nicht aus. Die Recyclinghöfe waren geschlossen. Mehr als 120 Mitarbeiter der Stadt kämpften gegen die Schneemassen.

Der Nordhessische Verkehrsverbund NVV rief Pendler dazu auf, sich vor der Fahrt darüber zu informieren, ob Busse, Bahnen oder Regionalzüge überhaupt fahren. Unter anderem wurden die Regionalzüge von Halle, Erfurt und Fulda nach Kassel eingestellt. Auch die Verbindungen nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen waren betroffen. Auf den Strecken zwischen Kassel und Frankfurt mussten sich Reisende auf Ausfälle und Verspätungen einstellen.

"Aufgrund von extremem Unwetter kommt es in weiten Teilen des Landes zu Verspätungen und Zugausfällen", hieß es auch bei den Verkehrshinweisen der Deutschen Bahn. Der Fernverkehr nördlich von Frankfurt, etwa in Richtung Leipzig, Dresden, Berlin, Hannover und Hamburg war zunächst eingestellt. Erst in den Mittagsstunden gab es wieder ein beschränktes Fahrtangebot.

Die Hochwasserlage entspannte sich angesichts der frostigen Temperaturen hingegen landesweit. Nach Angaben des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Wiesbaden gingen die Pegelstände der Flüsse und Bäche am Montag zum Teil deutlich zurück. Nur an den Unterläufen von Kinzig, Nidder und Nidda sowie den Mittelläufen von Fulda und Werra wurden die Meldestufen vereinzelt noch überschritten.

Angesichts der Schneemengen drängten die Skiliftbetreiber im Sauerland auf eine baldige Öffnung der Skigebiete. Wenn die Politik sich nicht dazu entschließe, den Liftbetrieb wieder zu erlauben oder weiter "keine echten Hilfen" bereitstelle, drohten Insolvenzen, hieß es in einer Mitteilung der Wintersport-Arena Sauerland, dem Zusammenschluss der Skigebiete in Sauerland, Siegerland sowie dem hessischen Willingen.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach fällt auch in den kommenden Tagen noch Schnee - allerdings nur noch wenig. Am Mittwoch bleibt es den Angaben zufolge sogar niederschlagsfrei. Allerdings wird es immer kälter. Tagsüber gibt es Dauerfrost mit Werten zwischen minus drei und minus fünf Grad. Nacht gehen die Temperaturen auf eisige minus 16 Grad zurück. Wo Schnee liegt können sogar minus 16 Grad erreicht werden. Lediglich im Rhein-Main-Gebiet wird es mit Werten um minus acht Grad nachts nicht ganz so kalt.

© dpa-infocom, dpa:210208-99-345989/3

dpa

08.02.2021
08.02.2021