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Panorama Durch Chat-Daten überführt: Haftstrafen für Drogendealer
Mehr Hessen Panorama Durch Chat-Daten überführt: Haftstrafen für Drogendealer
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16:41 13.06.2022
Eine Figur der blinden Justitia.
Eine Figur der blinden Justitia. Quelle: Sonja Wurtscheid/dpa/Symbolbild
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Hanau

Das Landgericht Hanau hat am Montag zwei Drogendealer wegen schwunghaften Rauschgifthandels zu jeweils siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die beiden Männer im Alter von 39 und 32 Jahren im Main-Kinzig-Kreis insgesamt mit zehn Kilogramm Kokain sowie 145 Kilogramm Marihuana illegalen Handel getrieben haben. Einen Teil des Marihuanas hatten sie von Spanien aus nach Deutschland eingeschmuggelt. Die Drogen hatten einen Schwarzmarktwert von schätzungsweise 800.000 Euro. Das Duo war im Rahmen einer weltweiten Razzia im Juni 2021 festgenommen worden. Dabei hatten die Behörden in Wächtersbach und Birstein (Main-Kinzig-Kreis) sieben Luxusautos, Schmuck, Bargeld und Uhren in einem Gesamtwert von rund einer halben Million Euro sichergestellt. Dieses Vermögen wurde mit dem Urteil des Landgerichts ebenfalls eingezogen. Bei der vom amerikanischen FBI organisierten, internationalen Polizeiaktion unter dem Namen "Operation Trojan Shield" hatten Fahnder Daten der angeblich verschlüsselten "Anom"-Chats aus Kryptohandys genutzt, um Verdächtige aufzuspüren. Während der 32-Jährige im Main-Kinzig-Kreis verhaftet wurde, hatten spanische Behörden den 39-Jährigen festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Beide Angeklagten hatten nach einer verfahrensbeendenden Absprache umfassende Geständnisse abgelegt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Das Verfahren gegen einen ebenfalls angeklagten 54-Jährigen aus dem Landkreis Gießen, der 45 Kilogramm Marihuana in seinem Lastwagen von Südspanien aus nach Deutschland geschmuggelt hatte, war vom Landgericht nach dessen Geständnis bereits abgetrennt worden. Der Kurier wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Es ist bereits das zweite Verfahren aus dem "Anom"-Chat-Komplex, das vor dem Hanauer Landgericht abgeschlossen worden ist. Bereits im Februar war ein 38-jähriger Hanauer zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden, weil er mit Kokain gehandelt und eine Marihuana-Plantage in seinem Wohnzimmer betrieben hatte. Ein Verfahren mit einem noch größeren Umfang hat die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt vor wenigen Tagen ebenfalls vor dem Landgericht Hanau eingeleitet. Den fünf Beschuldigten aus dem Main-Kinzig-Kreis und Frankfurt wird zur Last gelegt, mit 111 Kilogramm Kokain sowie 199 Kilogramm Amphetaminen gedealt zu haben. Die Drogen haben einen Schwarzmarktwert vor rund vier Millionen Euro. Der Beginn des Prozesses ist bislang noch nicht bekannt.

© dpa-infocom, dpa:220612-99-638431/4

dpa