Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Drohnenalarm am Flughafen: Kleiner Flugkörper, große Wirkung
Mehr Hessen Panorama Drohnenalarm am Flughafen: Kleiner Flugkörper, große Wirkung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:59 15.03.2021
Ein Blaulicht leuchtet an einer Polizeistreife.
Ein Blaulicht leuchtet an einer Polizeistreife. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild
Anzeige
Frankfurt/Main

Es gibt Flugobjekte, die will kein Pilot, kein Fluglotse und kein Polizist am Flughafen oder in den Einflugschneisen sehen: Drohnen. Sie dürfen nicht in der Nähe von Flughäfen aufsteigen. Dennoch gibt es trotz klarer Regeln immer wieder Zwischenfälle, am Frankfurter Flughafen erst vor wenigen Wochen, als ein Jäger eine Drohne im Pistenbereich sichtete und die Polizei alarmierte.

Für den Betrieb des größten deutschen Verkehrsflughafens waren die Folgen des Drohnen-Alarms erheblich. Der Flugverkehr musste teilweise eingestellt werden - mit erheblichen Auswirkungen auf den Betriebsablauf. Flugzeuge wurden umgeleitet, es kam nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport zu Verspätungen und Abflügen nach 23 Uhr, also nach Beginn des Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen. Und all dies, obwohl coronabedingt das Flugaufkommen derzeit deutlich unter den üblichen Starts und Landungen liegt.

"Bei einer Drohnensichtung geht es sofort von null auf hundert", sagt ein Bundespolizist in der Leitstelle am Flughafen. "Da ist sofort Stress, man muss Entscheidungen treffen, Prioritäten setzen." Gemeinsam mit Fraport, der Deutschen Flugsicherung (DFS) und der Landespolizei würden dann die folgenden Maßnahmen überlegt. Denn während die Bundespolizei am Flughafen selbst für die Gefahrenabwehr zuständig ist, wechselt die Flughafenzuständigkeit jenseits des Zauns an die Landespolizei. Bei einem Drohnenflug mal diesseits, mal jenseits des Flughafenzauns sind daher enge Absprachen nötig.

"Insbesondere im Bereich der An- und Abflüge gilt sogar schon die Sichtung einer Drohne durch das Cockpit als eine sogenannte meldepflichtige Behinderung", so eine Sprecherin der DFS in Langen. "Die Piloten sind abgelenkt, dabei müssen sie sich besonders in diesen Flugphasen auf ihre Tätigkeit im Cockpit konzentrieren." Die Kollision einer Drohne mit einem Flugzeug sei allemal gefährlich. Unerlaubte Drohnenflüge im Nahbereich von Flughäfen gelten als gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr und werden mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren geahndet.

Die größte Herausforderung besteht in der "Unsichtbarkeit" der Drohnen: Die DFS kann sie mit dem Radar nicht erkennen. Im vergangenen Sommer wurde daher an den Flughäfen Frankfurt und München ein großer Drohnen-Detektionstest durchgeführt. Vier Monate lang wurden insgesamt sechs verschiedene Drohnen-Detektionssysteme getestet. Ein wesentliches Ergebnis: Eine Universallösung, die gleichermaßen an allen Flughäfen umgesetzt werden kann, gibt es nicht. Die Lösung werde eine Mischung aus verschiedenen Sensortechnologien sein, die mit ihren individuellen Stärken ihre jeweiligen Schwächen untereinander ausgleichen, so die DFS.

Über die Motive von Drohnenpiloten, die trotz klarer Rechtslage ihre Drohnen am Flughafen aufsteigen lassen, kann nur spekuliert werden. "Man weiß nie: Ist es ein Spotter, ist es Leichtsinn, ist es was Kriminelles, oder soll womöglich etwas für terroristische Zwecke ausgespäht werden?", heißt es bei der Bundespolizei. Bei der Suche stieg in der Vergangenheit auch schon mal ein Hubschrauber auf. Im jüngsten Fall geht die Polizei von einer gezielten Störaktion aus. Fraport hat für Hinweise eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgelobt - bislang allerdings ohne Erfolg.

Die Zahlen über bisherige Drohnensichtungen gehen bei Bundespolizei und DFS auseinander - hauptsächlich, weil die Bundespolizei nur die Drohnen direkt am Flughafen zählt, während die DFS auch Luftfahrtkorridore der Einflugschneisen berücksichtigt. Seit 2015 hat die DFS bundesweit über 500 Flugverkehrs-Behinderungen durch Drohnen an Flughäfen gezählt, mit zunehmender Tendenz. Doch allein die neun Sichtungen, die im vergangenen Jahr zu Einsätzen der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen führten, hatten für den Flugverkehr teilweise Auswirkungen, die weit über Frankfurt hinausgehen.

Denn wenn die Drohne nach der Sichtung nicht schnell wieder abdreht und die DFS vorübergehend die Start- und Landeerlaubnis aussetzt, ist das an einem Luftverkehrdrehkreuz wie in Frankfurt ziemlich schnell auch für den innereuropäischen Flugverkehr spürbar. Schließlich starten und landen üblicherweise alle paar Minuten Flugzeuge in Frankfurt, die im Fall eines Drohnenalarms entweder umgeleitet oder zunächst am Boden bleiben müssen. Können die Verantwortlichen ermittelt werden, droht daher nicht nur ein Strafverfahren, es kann auch sehr teuer werden, wenn Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden.

© dpa-infocom, dpa:210315-99-824164/2

dpa