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Panorama Ohne Knall ins neue Jahr?: Diskussion um Böllerverbot
Mehr Hessen Panorama Ohne Knall ins neue Jahr?: Diskussion um Böllerverbot
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14:12 24.11.2020
Feuerwerk am Main. Quelle: Andreas Arnold/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Das neue Jahr könnte diesmal zumindest an manchen Orten ohne Feuerwerk eingeleitet werden. Kurz vor der Schalte von Bund und Ländern am Mittwoch auch zu diesem Thema geben sich Städte in Hessen zunächst noch zurückhaltend und blicken Richtung Berlin. Frankfurt als größte hessische Stadt etwa hat noch keine Entscheidung über mögliche Verbote getroffen, wie ein Sprecher sagte.

In der direkten Nachbarschaft in Offenbach plant die Stadtverwaltung nach eigenen Angaben "keine Alleingänge" und damit vorerst keine Regelungen für Silvester. Es brauche für die Zeit ab Dezember weiter einheitliche Regelungen - insbesondere für Regionen, die besonders hohe Infektionszahlen aufwiesen, sagte ein Sprecher.

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Regelungen könnten am Mittwoch kommen. Denn ein entsprechendes mögliches Verbot wird dann vermutlich Thema bei den Beratungen von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie sein. Die Länder wollen Silvesterfeuerwerk auf belebten Plätzen untersagen, um größere Gruppenbildungen zu vermeiden. "Die örtlich zuständigen Behörden bestimmen die betroffenen Plätze und Straßen", heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden geeinten Beschlussentwurf der Länder. Grundsätzlich wird "empfohlen", zum Jahreswechsel auf Silvesterfeuerwerk zu verzichten - ein Verkaufsverbot ist demnach aber nicht vorgesehen.

Aus der Verwaltung in Darmstadt hieß es, es werde zu "gegebener Zeit" eine Information zu dem Thema geben. Kassel möchte ebenfalls abwarten und auf die Verordnungslage ab dem 1. Dezember 2020 schauen, wie ein Sprecher sagte. In der Landeshauptstadt Wiesbaden entfällt coronabedingt die Silvester-Gala im Kurhaus und damit schon mal das traditionelle Musikfeuerwerk. Ein Verbot privater Feuerwerke sei in Wiesbaden aber nicht geplant, teilte die Stadt mit.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im hessischen Landtag, Jürgen Frömmrich, sprach sich klar gegen Feuerwerk zum Jahreswechsel aus. In der aktuellen Pandemie-Lage sei ein Verzicht richtig, "um neben der Umwelt auch die Krankenhäuser, die bereits durch die steigenden Infektionszahlen an ihre Grenzen kommen, zu entlasten".

Ilka Schanz, Chefärztin der Intensivmedizin am St. Josefs-Hospital in Wiesbaden, sagte indes, es habe in der Vergangenheit kaum intensivpflichtige Patienten nach Unfällen mit Feuerwerkskörpern gegeben. Thomas Schneider, Chefarzt der Notfallmedizin des Krankenhauses, sagte: "Eine Mehrbelastung gibt es in der Silvesternacht für den Rettungsdienst und die Feuerwehr, in der Folge dann auch für die Notaufnahme. Ursache sind Verletzungen durch Feuerwerkskörper und Glassplitter sowie Alkoholvergiftungen." Die Patienten bedürften bis auf wenige Ausnahmen aber keiner Intensivtherapie.

Die Behandlung anderer Patientengruppen, zum Beispiel von Covid-Patienten, würde durch Böllerverbote nicht beeinflusst, heißt es auch von einer Sprecherin der Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden. Schneider aus dem St. Josefs-Hospital sagte aber auch, er befürworte jede Maßnahme, die helfe, größere Menschenansammlungen zu vermeiden. "Feuerwerk ist eine typische Veranstaltung mit hohem Aufkommen an Menschen und damit zurzeit erhöhter Infektionsgefahr."

dpa