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Panorama Betrunkenen in Main geworfen: Geständnisse zum Prozessbeginn
Mehr Hessen Panorama Betrunkenen in Main geworfen: Geständnisse zum Prozessbeginn
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13:22 08.04.2020
Am Platz des Zeugentisches steht in einem Verhandlungssaal im Landgericht ein Mikrofon. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa/Archivbild
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Frankfurt/Main

Weil sie einen Betrunkenen misshandelt und danach in den Main gestoßen haben sollen, müssen sich seit Mittwoch drei Männer vor dem Landgericht Frankfurt zu verantworten. Die Anklage geht von versuchtem Mord und gefährlicher Körperverletzung aus. Die 18, 21 und 27 Jahre alten Deutschen sollen im August vergangenen Jahres in der östlichen Frankfurter Innenstadt in Flussnähe zunächst das 24 Jahre alte und erheblich angetrunkene Opfer misshandelt und es danach in den Main gestoßen haben. Während die Männer flüchteten, wurde der Betrunkene von Passanten mit einem Schal aus dem Wasser gezogen. (AZ 4790 Js 239040/19)

Am ersten Verhandlungstag gab es vor der Jugendstrafkammer Geständnisse. "Ich habe das gemacht, weiß aber nicht warum", ließ der 27-Jährige über seinen Rechtsanwalt mitteilen. Auch der jüngste Angeklagte stellte in einer schriftlichen Erklärung fest, die Vorwürfe seien "voll umfänglich zutreffend". Er bezeichnete die Vorgänge in der Nacht als "gruppendynamischen Prozess". Alle drei Männer standen offenbar unter Alkoholeinfluss und hatten teilweise auch Drogen konsumiert. Man habe sich am Abend vor dem Vorfall getroffen, um "vorzuglühen" und später den Geburtstag einer Freundin zu feiern.

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Am gleichen Tag kam es dabei zu einem ersten Vorfall, der ebenfalls Bestandteil der Anklage ist: Im Frankfurter Ostend wurde ein Passant aus nichtigem Anlass geschlagen und seines Schlüssels beraubt. Nur wenige Stunden später traf das Trio dann laut Anklage in der Nähe den betrunkenen 24-Jährigen, der von den Männern massiv angegangen wurde. Es sei eine Mischung aus "Wut, Adrenalin und Berauschtheit" gewesen, die am Ende zu der Tat geführt habe, ließ der 27-Jährige über seinen Verteidiger erklären. Er habe damit gerechnet, dass der hilflose Mann möglicherweise im Wasser sterben könne und sei sehr erleichtert gewesen, als er später im Internet erfahren habe, dass er überlebt habe.

Den Männern gelang zunächst die Flucht vom Tatort. Erst gut vier Wochen später wurden sie nach einem anonymen Hinweis und einer telefonischen Überwachungsmaßnahme festgenommen. Die Strafkammer hat vorerst sieben Verhandlungstage bis Mitte Mai vorgesehen.

dpa

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