Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Appell: "Tiere sollen nicht unter dem Weihnachtsbaum landen"
Mehr Hessen Panorama Appell: "Tiere sollen nicht unter dem Weihnachtsbaum landen"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:51 12.12.2021
Eine Katze mit einem ähnlich dem Herbstlaub gefärbtem Fell sitzt am Wegrand.
Eine Katze mit einem ähnlich dem Herbstlaub gefärbtem Fell sitzt am Wegrand. Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild
Anzeige
Frankfurt/Kassel

Tiere als Weihnachtsgeschenke? Die hessische Landestierschutzbeauftragte Madeleine Martin rät davon ab und appelliert an interessierte Tierhalter in spe, die Feiertage lieber als Testphase für ein Leben mit Vierbeiner zu nutzen. "Wenn man ein Tier möchte, bietet es sich an, dass man einfach mal in den Ferien der Kinder - oft sind ja die Kinder die treibende Kraft - ein Tier in Urlaubspflege nimmt und schaut, ob es überhaupt ins eigene Leben passt", sagte Martin der Deutschen Presse-Agentur. Tierisches könne man gleichwohl unter den Weihnachtsbaum legen - in Form von Büchern zu den Themen Hund, Katze und Co.

Zwar werde jedes Jahr aufs Neue appelliert, Tiere nicht an Weihnachten zu verschenken, sagte die Landesbeauftragte mit Blick auf die Gefahr, dass die Anschaffung in diesen Fällen auch unüberlegt erfolgen und die Haltung später überfordern könnte. Doch das Problem bestehe fort. Manche Tierheime in Hessen vermitteln daher vor Weihnachten keine ihrer Schützlinge.

So macht es etwa das Tierheim Wetterau in Bad Nauheim. "Tiere sollen nicht unter dem Weihnachtsbaum landen", erläuterte Mitarbeiterin Regina McGee. Solche Fälle gebe es weiterhin, wenn auch nach ihrem Eindruck seltener als in früheren Jahren. Man sollte sich die Anschaffung eines Tieres wirklich gut überlegen und auch daran denken, dass einige Arten alt werden und einen viele Jahre begleiten können. Der Vermittlungsstopp vor den Festtagen dient McGee zufolge außerdem dazu, etwas mehr Ruhe in den Tierheim-Alltag zu bringen.

Die "Wau-Mau-Insel" in Kassel gibt Tiere durchaus auch vor Weihnachten ab. "Aber nur an Leute, die wirklich geprüft sind, bei denen ich weiß, dass schon länger der Tierwunsch da ist, dass es kein Geschenk ist", erklärte Tierheimleiter Karsten Plücker. Vor diesem Hintergrund kann es nach seinen Worten auch Sinn machen, dass sich beispielsweise eine Familie, in der alle über Weihnachten mal drei Wochen da sind, gerade dann einen Vierbeiner anschafft - "weil man wirklich Zeit dafür hat". Deswegen würde er nicht pauschal sagen, dass keine Tiere vor den Festtagen vermittelt werden.

Derzeit warten in der "Wau-Mau-Insel" etwa 80 Hunde, 60 Katzen und 40 Kleintiere wie Kaninchen oder Vögel auf ein neues Zuhause. Die Pandemie macht sich in der Einrichtung auf verschiedenen Ebenen bemerkbar. "Wir haben weniger Spenden. Das haben wir im ersten Corona-Jahr nicht so gemerkt", so Plücker. Im Gegenteil, da hätten Tierfreunde sehr viel gespendet. Doch jetzt mache sich bemerkbar, dass einige weniger Geld hätten wegen Kurzarbeit oder Jobverlust "und dann ihre Patenschaften und Spenden kündigen, leider".

Und konnte sich das Tierheim Anfang des Jahres kaum vor Anfragen retten - teils mehrere hundert Mails am Tag für einen Hund - finden Plücker zufolge derzeit nur leicht vermittelbare Tiere gut ein neues Herrchen oder Frauchen. "Auf den etwas schwierigeren Hunden und Katzen, die Probleme haben, bleiben wir sitzen, was letztes Jahr nicht der Fall war. Das Tierheim ist wieder voller und die Tiere bleiben auch wesentlich länger bei uns als beispielsweise Anfang des Jahres."

Hin und wieder bekommen es die Heime auch mit Exoten zu tun - etwa wenn artgeschützte Tiere wie Reptilien bei ihnen landen. "Das ist ein Riesenproblem", sagte Plücker. Auf solche Tierarten sei die Einrichtung nicht vorbereitet. "Weil wir niemanden haben, der die Sachkunde hat. Man kann eine Notversorgung machen, aber dann muss man jemanden finden, der das Tier übernimmt."

Auch mit Blick auf die anstehenden Festtage hatte kürzlich das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt appelliert: "Bitte schaffen Sie sich artgeschützte Tiere nur dann an, wenn Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst und in der Lage sind, eine artgerechte Haltung zu gewährleisten." Von spontanen Käufen etwa als Weihnachtsgeschenk rate man ab. Im Bezirk des RP haben rund 15 000 Halter artgeschützte Tiere gemeldet - insbesondere Reptilien, aber auch Vögel wie Papageien oder Amphibien. Wer die gesetzlichen Vorgaben für deren Haltung nicht erfülle, dem drohen ordnungsrechtliche Maßnahmen: So hat in Hessen allein das RP Darmstadt in den vergangenen zwölf Monaten 284 Tiere eingezogen oder beschlagnahmt.

© dpa-infocom, dpa:211212-99-351367/2

dpa