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Panorama "Angstblüte" in Hessens Wäldern?
Mehr Hessen Panorama "Angstblüte" in Hessens Wäldern?
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05:23 04.11.2020
Zahreiche Eicheln haben sich auf dem Boden am Wegesrand in einem Wald gesammelt. Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa
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Kassel/Hanau

Denn sie scheinen in schneller Abfolge aufzutreten. "Man nennt das auch Angstblüte oder Angstmast", sagt Samenexperte Lothar Volk von Hessenforst. Er leitet die Saatgutstation in Hanau-Wolfgang. Möglicherweise hätten die sehr trockenen und sehr warmen Sommer damit zu tun, dass die Bäume häufiger Samen ausbilden, um das Überleben ihrer Art zu sichern. "Die These lautet: Der Baum hat Angst und will sich vermehren, bevor es mit ihm zu Ende geht."

Volk hat seit langem den Eindruck, dass Mastjahre schneller aufeinander folgen. "Früher war das vielleicht alle zehn Jahre der Fall, jetzt eher alle fünf." Besonders auffällig sei das Phänomen in diesem Jahr bei Eichen. Für die sogenannten Darren ist ein Mastjahr von Vorteil: Sie sammeln die Samen ein und geben sie an Baumschulen, um neue Bäume zu züchten. "Viele Bäume sind kaputt, wir müssen viel aufforsten. Je mehr Samen wir haben, desto besser", sagt Volk.

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Die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt beobachtet die sogenannte Fruktifikation bei Bäumen seit 1985. Seit etwa 2000 zeigen die Grafiken auffällige Ausschläge. "Besonders bei über 60-jährigen Buchen ist das markant", sagt der Leiter der Abteilung Umweltkontrolle, Professor Johannes Eichhorn. Dennoch sind weniger Buchen gestorben als andere Baumarten. "Es ist nicht so, dass der Baum dieses Jahr fruktifiziert und nächstes Jahr ist er tot", sagt Eichhorn. "Es entstehen ja auch neue Buchen."

Zuletzt waren mehrere Sommer in Folge deutlich zu trocken und zu warm für die Wälder. Der Waldzustandsbericht 2019 spricht von sogenannten Trockenstresssymptomen. Räumlich und zeitlich seien klare Zusammenhänge mit der extremen Witterungssituation zu erkennen. Der Anteil starker Schäden in hessischen Wäldern lag 2019 doppelt so hoch wie im Mittel der Jahre 1984-2019. Knapp sieben Prozent aller Bäume waren betroffen - am schlimmsten Fichten.

dpa