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Panorama Angeklagter sagt im Prozess um toten Säugling aus
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17:52 12.10.2021
Sitzungssaal im Landgericht Wiesbaden.
Sitzungssaal im Landgericht Wiesbaden. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa/Symbolbild
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Wiesbaden

Mit einer umfassenden Aussage des angeklagten Vaters hat vor dem Landgericht Wiesbaden der Prozess um den gewaltsamen Tod eines zwei Monate alten Babys begonnen. Der 23-Jährige schilderte am Dienstag zu Beginn des Totschlagsprozesses, was aus seiner Sicht in der Silvesternacht 2020/2021 in seiner Wohnung in Wiesbaden geschehen ist. Dort hatte der Mann mit seiner Verlobten und Mutter des Kindes sowie Freunden mit reichlich Alkohol den Jahreswechsel gefeiert.

Spät in der Nacht legte sich der Vater nach eigener Aussage gemeinsam mit seiner Tochter ins Bett. Wenig später sei er aufgewacht, weil der Säugling anhaltend geschrien habe. 10 bis 15 Minuten habe er versucht, die Tochter zu beruhigen. Dann, so gab der 23-Jährige zu, habe er Mund und Nase der nach wie vor schreienden Tochter zugehalten und "etwas länger" gedrückt, um sie zu beruhigen. "Etwas Druck war schon dabei - nicht so fest", sagte er.

Der Gedanke sei ihm einfach gekommen, sagte er weinend vor Gericht. "In dem Moment wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen." Von einer Sachverständigen angesprochen auf seine Gefühlslage in diesem Moment, betonte er, nicht aus Wut gehandelt zu haben. Vielmehr habe er ein Gefühl von "Genervtheit" verspürt. Seine im Nebenzimmer schlafende Verlobte habe er nicht um Hilfe gebeten. "Ich wollte nicht zeigen, wie hilflos ich bin und dann als Versager dastehen."

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, gerade durch das Zuhalten von Mund und Nase den Säugling erstickt zu haben. Der 23-Jährige sagte, das Kind habe danach noch gelebt, nach Luft geschnappt, sich beruhigt und "im Raum rumgeschaut". Nachdem er nach der Windel geschaut habe, sei er wieder eingeschlafen - ohne zuvor aus dem Bett aufzustehen oder das Zimmerlicht einzuschalten.

Erst als er am nächsten Morgen gegen 11.00 Uhr aufgewacht sei, sei seine Tochter blau angelaufen gewesen, habe bäuchlings neben ihm gelegen und er habe gewusst, dass etwas nicht stimme. Darüber, was jedoch in der Zeit zwischen Einschlafen und Aufwachen geschehen sei, wollte der Angeklagte "nicht spekulieren". Er sagte: "Ich bereue zutiefst, was ich gemacht habe. Wenn ich könnte, würde ich so vieles rückgängig machen - doch leider kann ich es nicht." Der Mann selbst hatte den Notruf gewählt und bis zum Eintreffen der Rettungskräfte versucht, das Baby wiederzubeleben.

Ein als Zeuge geladener 26-jähriger Rettungssanitäter konnte laut eigener Aussage vor Gericht nur fünf Minuten nach Absetzen des Notrufs kein Lebenszeichen mehr feststellen, die Körpertemperatur habe nur noch bei 32 Grad Celsius gelegen. Angesprochen auf ein Hämatom auf der Stirn des Säuglings sagte der Angeklagte, er sei einige Zeit zuvor aus Versehen mit dem Kind gegen einen Türrahmen gestoßen. Fortgesetzt wird der Prozess am 1. November mit der Vernehmung der Mutter.

© dpa-infocom, dpa:211011-99-561087/4

dpa