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Panorama "Äppler" oder "Stöffsche": Duden erklärt Hessisch
Mehr Hessen Panorama "Äppler" oder "Stöffsche": Duden erklärt Hessisch
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05:46 25.03.2022
Eine Hand greift nach einem Apfelwein-Glas.
Eine Hand greift nach einem Apfelwein-Glas. Quelle: Andreas Arnold/dpa
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Das Komikerduo Badesalz, die Hesselbachs, Heinz Schenk im Blauen Bock oder Bodo Bach und Martin Schneider: Hessisch haben die meisten Menschen in Deutschland schon mal gehört - "Medienhessisch". So zumindest nennt es der Sprachwissenschaftler Lars Vorberger in seinem neuen, im Dudenverlag erschienenen Buch "Hessisch. Vom Babbeln und Schnuddeln".

Mit der Sprache ist es nicht ganz so simpel, denn Hessisch ist nicht gleich Hessisch. Wer sich in dieser Sprachlandschaft bewegt, befindet sich nach Ansicht des Sprachwissenschaftlers im "komplexesten Dialektgebiet auf deutschem Boden".

Alle hessischen Formen eines Wortes aufzuzählen, dafür hätte es Vorberger zufolge wohl Tausende Bücher gebraucht. Er hat sich deswegen einzelne Beispiele wie den "Äppler", die "ahle Worscht" und die "Chatten" als Ur-Hessen herausgesucht.

Mit einzelnen Worten erklärt er in einer Art Wörterbuch, warum es "bei die Oma" heißt und nicht "bei der Oma", warum das Frankfurter Volksfest "Dippemess" genannt wird und das zum Handkäse keine Musik gespielt wird, sondern dass das die "nette Umschreibung der körperlichen Folgen des Zwiebelkonsums" ist.

"Auf Ebene der Dialekte unterscheiden wir vier große Räume: Nord-, Ost-, Zentral- und Südhessisch", schreibt Vorberger. Dabei gehen die Dialekträume über die Grenzen des Bundeslandes hinaus. "Es gibt im Bundesland Hessen aber nicht nur viele verschiedene Dialekte, die dort gesprochenen Dialekte sind auch sehr vielfältig." In keiner anderen Gegend Deutschlands würden auf so kleinem Raum so viele Dialekträume unterschieden.

"Dabbes", "Hannebambel", "Labbeduddel": in Vorbergers Wörterbuch lernt man, das Schimpfwörter auf hessisch nicht so böse klingen. Dies hänge auch damit zusammen, dass es nicht immer eine eindeutige Übersetzung in die Standardsprache gebe. Er erklärt, warum der Vorname der Umweltaktivistin Greta Thunberg eher klingt wie die Insel Kreta, dass es im Hessischen den Genitiv so nicht gibt und, dass Goethe wohl Hessisch gesprochen hat und die Dialekte "freundlich für die Ohren" sind.

Sprachen und Dialekte seien aber dynamisch - dass viele Menschen keine alten Dialekte mehr sprechen würden, heiße nicht, dass diese aussterben würden, so der Sprachwissenschaftler. Vielmehr würden sie sich verändern, weiterentwickeln und in neuen Formen regionalen Sprechens aufgehen.

© dpa-infocom, dpa:220325-99-663945/2

dpa