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Landtagswahl 2018 „Söder und Seehofer haben die AfD geadelt“
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 „Söder und Seehofer haben die AfD geadelt“
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00:17 30.10.2018
Mehr als 300 Menschen waren am Mittwochabend im Erwin-Piscator-Haus, um den Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck zu sehen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Über 300 Menschen aus Marburg und Umgebung wollten den Bündnis90 / Die Grünen-Chef Robert Habeck live sehen und sind ins Erwin-Piscator-Haus gekommen. Zusammen mit Hessens Umweltministerin Priska Hinz stellte er sich den Fragen der Besucher, die beiden Direktkandidatinnen Angela Dorn und Sandra Laatz führten durchs „Programm“.

Die beiden Hauptakteure hatten sich in der Wahl ihrer Kleiderfarbe offenbar abgesprochen, beide erschienen in schwarz-rot. Man könnte fast denken, dass sie damit ihre Sympathien für die in Berlin regierende Große Koalition ausdrücken wollten, denn Robert Habeck betonte: „Wir sind zwar mal als Protestpartei gegründet worden, aber die Zeiten haben sich geändert. Wer von uns einen Abwahlantrag oder ein Misstrauensvotum erwartet, den muss ich enttäuschen.“ Er erwarte zwar keine spritzige Groko, aber er erwarte, „dass erfahrene Politiker wie Merkel, Scholz und Seehofer professionell agieren und ihren ewigen Streit abstellen.“

Auf die Frage, wie die Grünen den Umgang mit der AfD planen, antwortete Habeck: „Den europakritischen Kurs der AfD muss man ertragen. Aber bei der rasanten Radikalisierung muss man einen politischen Diskurs führen.“ Von den Bayern hätte er erwartet, dass sie ihre eigene politische Agenda in den Vordergrund stellen. „Stattdessen haben sie die Parolen der AfD einfach umformuliert und selbst verwendet. Damit haben Söder und Seehofer die AfD geadelt. Das passiert, wenn Du nur noch darauf konzentriert bist, keine Fehler zu machen.“

Priska Hinz zeigte sich stolz, dass die Grünen Hessen „grüner und gerechter gemacht haben.“ Dabei zählte sie auf, dass 25 Prozent des Stromes im Land schon aus erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaik stammen, dass 30 Prozent der Landwirte innerhalb ihrer Legislaturperiode auf Ökolandbau umgestellt haben und Hessen das Ziel hat, im Jahr 2050 klimaneutral zu sein.

Dafür wurden zwei Prozent von Hessens Fläche als Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen. „Zwei Prozent“, betonte sie. „Das heißt 98 Prozent bleiben frei.“ Für sie muss die Politik die Rahmenbedingungen setzen, gerade auch was den Kohleausstieg angeht. „Hier erleben wir aber eine Groko, die nicht zu Potte kommt.“ Asien würde an Deutschland in Sachen E-Mobilität vorbei ziehen, weil die im Bund „geschaffenen CO2-Limitierungen in Brüssel wieder über den Haufen geworfen werden.“

In Hessen möchte sie den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs weiter vorantreiben, mehr Carsharing-Projekte verwirklichen, bezahlbare Tickets für Schüler und Senioren schaffen sowie bezahlbaren Wohnraum im ländlichen Bereich bauen. Aber vor allem fordert sie, „dass Hessen weltoffen sein muss. Die Minderheiten für alle Probleme verantwortlich zu machen, das funktioniert nicht, weil es einfach nicht so ist.“

von Katja Peters