Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Landtagswahl 2018 Sitt: Einzelkämpfer will Einkommen für alle
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Sitt: Einzelkämpfer will Einkommen für alle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 29.10.2018
„Auch die nicht-arbeitende Bevölkerung sollte in der Lage sein, ein würdevolles Leben zu führen“, sagt Rene Sitt. Quelle: Privat
Marburg

Die APPD hat keine Parteiliste für die anstehende hessische Landtagswahl – aber immerhin einen Direktkandidaten. Der Marburger René Sitt tritt für die Pogo-Anarchisten im Wahlkreis 13 (Marburg und Ostkreis) an. Einen weiteren Kandidaten gibt es in ganz Hessen nicht – auch weil die APPD für ihren Bewerber im Wahlkreis 12 nicht fristgerecht genügend Unterschriften vorlegen konnte.

Zu seiner Kandidatur für die APPD motiviert Sitt, „hauptsächlich die Tatsache, dass ich mich von keiner der ‚großen‘ Parteien in meinen Standpunkten vertreten fühle“ und, weil der 24-jährige wissenschaftliche Mitarbeiter sich von der „Leistungsgesellschaft“ abwenden möchte. Dies nennt er sein wichtigstes politisches Ziel. „Ich trete an, weil es leider außer der APPD keine Partei gibt, die auch die Rechte der nicht-arbeitenden Bevölkerung vertritt“, sagt er.

Vollbeschäftigung als „schädliches Ziel“

Vollbeschäftigung hält er für ein „undurchführbares und letztendlich schädliches Ziel“. Dadurch seien die Vertreter der anderen Parteien nicht in der Lage, zukunftsfähige Politik zu gestalten. „Dieses Gefühl der Alternativlosigkeit möchte ich bekämpfen und den Menschen zeigen: Es könnte auch anders gehen“, sagt Sitt.

Menschen, die nicht arbeiten können oder wollen, sollten nicht länger staatliche Repressalien – wie beispielsweise die Hartz-IV-Sanktionen oder soziale Ausgrenzung – erleiden müssen, meint Sitt. „Auch die nicht-arbeitende Bevölkerung sollte in der Lage sein, ein erfülltes und würdevolles Leben zu führen“, sagt er.

Zur Person

Name: René Sitt
Alter: 24
Wohnort: Marburg
Mitglied der APPD seit: 2015
Listenplatz Landesliste: /
Beruf: Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Für die Umsetzung dieses Lebensmodells hat der Pogo-Anarchist eine konkrete Idee: das bedingungslose Grundeinkommen. Damit könnte auch der Zugang zu Bildung erleichtert werden. „Mit einem Grundeinkommen in angemessener Höhe, wie es die APPD fordert, könnte sich jeder den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung leisten“, sagt Sitt.

Wie das bezahlt werden kann, weiß der Marburger auch. „Das Grundeinkommen ließe sich leicht dadurch finanzieren, dass der gewaltige Bürokratieapparat, der im Moment für die Verwaltung von Sozialleistungen notwendig ist, abgebaut wird“, sagt Sitt. Als Beispiel nennt er neben dem bereits genannten Hartz IV auch das Wohngeld und das Bundesausbildungsförderungsgesetz.

„Es war zu lesen, dass alleine die Verwaltungskosten von Hartz IV im Jahr 2017 bundesweit mehrere Milliarden Euro verschlungen haben – dieses Geld müsste doch eigentlich sinnvoller verwendet werden können“, meint Sitt.

Größte Stärke? „Auf dem rechten Auge fast blind“

Auch für die Region hat er konkrete Ideen. Um Fachkräfte im Landkreis halten zu können, wünscht er sich weniger befristete Verträge, bessere Bezahlung für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte und eine Investition in Forschung und Lehre, die nicht davon abhängig ist, wie profitabel ein Projekt ist.

Neben den genannten Punkten sollten ihn die Wähler am Sonntag vor allem für seine größte Stärke wählen, meint Sitt. „Ich bin auf dem rechten Auge fast blind, das scheint dieser Tage als Qualifikation in der Politik ja zumindest nicht abträglich zu sein“, sagt er.

von Tobias Kunz