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Landtagswahl 2018 Manche zittern, andere lehnen sich zurück
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Manche zittern, andere lehnen sich zurück
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00:18 29.10.2018
Am Sonntag wählt Hessen einen neuen Landtag. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Neben den beiden Direktkandidaten, die in den Wahlkreisen 12 und 13 des Landkreises gewählt werden, können die Wähler auf weitere Vertreter des Kreises im Hessischen Landtag hoffen. Denn über die Landeslisten der Parteien haben mehrere Kandidaten gute Chancen, nach dem 28. Oktober als Abgeordneter im Landtag zu sitzen – oder gleich dort zu bleiben.

Für die Linke wird Jan Schalauske auch in Zukunft im Landtag sitzen. Der Spitzen- und Direktkandidat ist auf Listenplatz 2 geführt. Bei der vergangenen Landtagswahl 2013 zogen sechs Abgeordnete über die Landesliste der Linken ins Parlament ein. Der Landesvorsitzende Schalauske rückte 2017 nach. Gute Chancen hat auch die Marburgerin Elisabeth Kula. Sie hat es über den Linken-Jugendverband Solid auf Listenplatz 7 geschafft. 2013 hatte die Linke in Hessen noch 5,2 Prozent geholt. Aktuell liegt sie in Umfragen bei 8 Prozent – damit wäre Kula wohl drin.

Nahezu sicher in den Landtag einziehen wird auch Karl Hermann Bolldorf. Biedenkopfs Ex-Bürgermeister und Direktkandidat im Wahlkreis 12 steht auf Platz 7 der AfD-Landesliste. Bei Umfragewerten von zirka 13 Prozent könnte die AfD etwa 14 bis 16 Sitze im Landtag erhalten. Damit wäre Bolldorf drin. Wie bei der AfD ist auch bei den Grünen nur eine heimische Bewerberin auf der Landesliste vertreten. Die Landesvorsitzende und Direktkandidatin Angela Dorn steht auf Listenplatz 3, sitzt seit 2009 im Landtag – und wird dies auch weiterhin tun.

Freitag muss hoffen

Auf der Landesliste der FDP lassen sich aus Marburg-Biedenkopf die beiden Direktkandidaten der Wahlkreise finden. Während Hans-Otto Seitz auf Platz 42 chancenlos ist, kann sich Lisa Freitag auf Rang 12 noch Hoffnungen machen. In Umfragen liegt die FDP gleichauf mit den Linken bei 8 Prozent. Das würde für Freitag noch nicht reichen – es sei denn, eine (oder beide) der großen Parteien CDU und SPD gewinnen deutlich mehr Direktmandate, als ihnen Plätze im Landtag nach dem Stimmverhältnis zustehen; man spricht dann von Überhangmandaten. Der 110 Abgeordnete zählende Hessische Landtag würde mit sogenannten Ausgleichsmandaten erweitert werden. Das bedeutet, dass die anderen Parteien, die den Einzug geschafft haben, zusätzliche Mandate bekommen – und Freitag nachrücken könnte.

Der umgekehrte Fall liegt beim aktuellen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) vor. Der Direktkandidat des Wahlkreises 12 liegt auf Platz 11 der Landesliste. Sollte er also seinen Wahlkreis nicht gewinnen, müsste er darauf hoffen, dass seine Partei deutlich weniger Direktmandate als noch vor fünf Jahren gewinnt. Damals siegte die CDU in 41 von 55 Wahlkreisen (SPD 14). Zudem dürfte die CDU nicht deutlich weniger als 30 Prozent holen. Zusammengenommen ein äußerst unrealistisches Szenario, denn ein deutlicher Verlust bei den Direktmandaten würde sich wohl auch im Zweitstimmenergebnis widerspiegeln. Dirk Bamberger (Platz 50), Dr. Horst Falk (83) und Ilona Schaub (94) haben keine Chance.

Für Angelika Löber (SPD) gilt Ähnliches wie für Schäfer. Vor fünf Jahren gewann sie das Direktmandat im Wahlkreis 12 haarscharf mit 43,3 zu 43,0 Prozent gegen ihren direkten Konkurrenten. Auch wenn für die SPD nach der vergangenen Wahl noch 23 Abgeordnete über die Liste in den Landtag einzogen, braucht Löber auf Platz 20 liegend Glück, sollte sie das Direktmandat verlieren. Chancenlos auf der SPD-Liste sind Handan Özgüven (Platz 34), Thomas Pfeiffer (65), Marc Einloft (91) und Felix Burghardt (93).

Kleinere ohne Chance

Sind auf den Listen der Parteien mit realistischen Chancen auf den Einzug in den Landtag relativ wenig heimische Kandidaten vertreten, so tummeln sich vor allem bei zwei kleinen Parteien einige Bewerber aus Marburg-Biedenkopf. Bei der Satire-Partei Die Partei sind es sogar zehn: Stefan Grötzsch (Rang 11), Markus Lange (12), Michael Kugland (13), Manuel Schulz (16), Tilopa Kopps (18), Nico Weisenfeld (21), Katinka Klaas (22), Ellen Thuma (24), Sarah Riescher (25) und Christopher Schwarz (50). Die Piraten warten mit fünf heimischen Bewerbern auf. Dr. Michael Weber (Platz 4), Frank Lerche (5), Martin Zindel (14), Dajana Unverzagt (15) und Gabriele Munkes (23) haben aber ebenso wie Daniel Baron (Freie Wähler, 8) und Direktkandidat Björn Mardorf (ÖDP, 6) nur äußerst geringe Chancen auf den Einzug in den Landtag.

von Tobias Kunz