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Landtagswahl 2018 Geschäftsmann Seitz probiert die Politik aus
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00:18 26.10.2018
In Schlierbach hält Hans-Otto Seitz (FDP) seine Bienen. Das Imkern ist seine liebste Freizeitbeschäftigung.  Quelle: Tobias Hirsch
Hartenrod

„Für mich ist es eine gute neue Erfahrung. Man lernt interessante Leute kennen“, sagt Hans-Otto Seitz über seine Kandidatur. Dabei bleibt er realistisch: Aufs Direktmandat rechnet er sich keine Chancen aus. Und mit Platz 42 auf der FDP-Landesliste „müsste die Welt sich schon ganz erheblich verändern, damit ich in den Landtag käme“, sagt der 68-Jährige.

Ein politisches Profil hat Seitz sich noch nicht gegeben. „Eine Bewerbung, wie in diesem Fall als Abgeordneter für den Hessischen Landtag, begründet sich aus dem Ansporn, bestimmte Dinge zu verändern und verbessern zu wollen“, schreibt der 68-Jährige in seinem Kandidaten-Steckbrief auf der Internetseite der FDP Marburg-Biedenkopf und bleibt bislang jede inhaltliche Ausführung schuldig. Im Gespräch mit der OP lässt sich der 68-Jährige jeden Satz einzeln entlocken und will oftmals lieber nicht zitiert werden. 

Zur Person

Name: Hans-Otto Seitz
Alter: 68
Wohnort: Hartenrod
Mitglied der FDP seit: 2016
Listenplatz Landesliste: 42
Beruf: Finanzierungs- und Immobilienvermittler

Bildung sei ein wichtiges Thema für ihn, sagt der FDP-Mann. „Wir bräuchten mehr Lehrer und kleinere Klassen“, findet der gebürtige Schlierbacher, der in Hartenrod lebt und in Weidenhausen eine Agentur für Finanzierungs- und Immobilienvermittlung betreibt. Geld für mehr Lehrer und übrigens auch für eine bessere Ausstattung mit Büchern, „nicht mit 18 Jahre alten und abgenutzten Exemplaren, wie sie den Schülern ausgehändigt werden“, könnte aus Seitz‘ Sicht durchaus zur Verfügung stehen.

Er denkt dabei zuallererst an die 51 Millionen Euro, die das Land Hessen ausgibt, um für Beamte und Landesbedienstete das Hessenticket zu bezahlen. „Ich sehe es überhaupt nicht ein, dass die Landesbediensteten einen solchen Vorteil haben. Ein Rentner, der in die nächste Stadt zum Arzt muss, der muss seine Fahrkarte doch auch selbst bezahlen“, empört sich der Hartenroder, der sich seinerseits von einer Arbeit mit Beamtenstatus abgewandt hat. Das war vor etwa 25 Jahren.

Seitz absolvierte als gelernter Starkstromelektriker bei der Deutschen Telekom eine Ausbildung zum Beamten im technischen Dienst. Danach entschied er sich, noch einmal komplett umzusatteln und begann 42-jährig eine dritte Ausbildung. Er wurde Versicherungskaufmann – ein Tätigkeitsfeld, dem er bis heute treu geblieben ist.

Doch noch einmal zurück zum Schulsystem in Deutschland. Er könne nicht verstehen, dass jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht, sagt Seitz. „Die Bedingungen sind höchst unterschiedlich. Schule sollte zur bundespolitischen Angelegenheit werden, damit es auch eine gewisse Gerechtigkeit gibt und alle Schulen gleichermaßen ausgestattet werden.“

Was den Arbeitsmarkt angeht, so trete er für „eine gute Infrastruktur ein, die dafür sorgt, dass Unternehmen hierbleiben und sich auch neue ansiedeln“, erklärt der 68-Jährige. Im Hinterland sähen die Beschäftigungsmöglichkeiten „noch ganz gut“ aus. Damit das auch so bleibe, müsse das Land vor allem in den Ausbau von schnellem Internet investieren. „Es ist inzwischen besser geworden, aber es ist bei Weitem nicht gut genug.“

Als Imker interessiert sich der 68-Jährige auch für Umweltthemen, beispielsweise für Pflanzenschutz. Den Einsatz von Spritzmitteln sehe er sehr kritisch, vor allem, wenn es um Glyphosat geht. „Es schadet den Bienen, das ist erwiesen, sie verlieren dadurch die Orientierung.“ Seiner Meinung nach sollten sich Landwirte mit dem Einsatz von Mitteln zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung so weit wie möglich zurückhalten.

Für den Erhalt der Umwelt wolle er sich gern mehr engagieren, erklärt Seitz, und denkt über eine Mitgliedschaft im Bund für Umwelt- und Naturschutz nach. „Irgendwo muss man ja anfangen.“

Was Windkraft angeht, stellt sich Seitz auf die Seite der Kritiker. Energieminister Tarek Al-Wazir wolle eine Verdopplung der Anlagen bis zum Jahr 2050. Das müsse man „kritisch sehen“, sagt Seitz. „Mit mehr als 1.000 Anlagen in Hessen haben wir eigentlich genug, zumindest hier bei uns im Hinterland.“

Seitz will sich im Wahlkampf auch mit der Mobilität im ländlichen Raum beschäftigen. Der 68-Jährige findet, dass der Busverkehr „vor allem über Kreisgrenzen hinaus völlig unzureichend“ ausgestattet sei. Ein Mitarbeiter seiner Agentur habe mit dem Bus von Dillenburg bis Weidenhausen eineinhalb Stunden gebraucht für eine Strecke, die man mit dem Auto in wohl 25 Minuten schaffen kann. „Das ist unzumutbar für Arbeitnehmer, die den Bus nutzen wollen“, sagt Seitz.

Der 68-Jährige denkt noch nicht an Ruhestand. Im Gegenteil. Mit seiner Agentur zieht er gerade von Weidenhausen nach Marburg um, weil er dort mehr Kunden habe. „Klar, ich könnte mit der Arbeit aufhören, aber ich mache weiter, um geistig frisch zu bleiben. Und ich muss ja auch nicht unbedingt an fünf Tagen in der Woche arbeiten.“

Seitz ist verheiratet, hat eine Tochter und eine Enkelin. In seiner Freizeit kümmert er sich gern um seine elf Bienenvölker. „Das ist eine wunderbare Beschäftigung“, sagt er übers Imkern. „Allerdings geht das nicht mal so schnell nebenher: Wenn ich nur eine halbe Stunde Zeit habe, dann lass‘ ich es gleich bleiben. Den Bienen muss man sich in Ruhe widmen, sonst wird man gestochen.“

von Carina Becker-Werner