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Landtagswahl 2018 Für Schestags Partei zählt „jede Stimme“
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Für Schestags Partei zählt „jede Stimme“
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00:18 28.10.2018
Jannik Schestag ist Veganer. Von anderen verlangt er diese Lebensart aber nicht. „Das wäre falsche Politik“, sagt er. Quelle: Privatfoto
Marburg

Als Direktkandidat der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) hat Jannik Schestag im Wahlkreis 13 keine Chance auf den Einzug in den Hessischen Landtag. Zudem wird seine Partei aller Voraussicht nach an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Den 23-jährigen Wirtschaftsmathematik- und Informatik-Studenten hindert das nicht an seinem Engagement. „Auch außerparlamentarisch hat die ÖDP viele Erfolge erzielt“, sagt Schestag und nennt beispielhaft die Klage gegen die Sperrklausel im Europäischen Parlament. In Brüssel sitzt seit 2014 ein Mitglied der ÖDP. Schestag hofft auf viele Stimmen für die ÖDP am 28. Oktober. Denn seine Partei, die sich von Firmenspenden distanziert, benötige die Wahleinnahmen. „Bei uns zählt jede Stimme“, sagt Schestag.

„Mehr Demokratie heißt mehr Nähe zum Volk“

Als seine wichtigsten politischen Ziele nennt Schestag den Ausbau von Bildung, Mobilität und Demokratie. „Nur mit Bildung können wir gute Perspektiven für morgen schaffen und Hessen dauerhaft verbessern“, sagt Schestag. Er fordert mehr Lehrkräfte, um kleinere Klassen zu ermöglichen. Aktuell leisten die Lehrer „in allen Altersstufen einen gewaltigen Job“, sagt er.

Bezahlen möchte Schestag die Mehrausgaben mit einer „konsequenten Besteuerung von Unternehmen“. In Deutschland sei eine Kultur entstanden, große Firmen „nicht mehr zur Kasse zu bitten“. Des Weiteren will Schestag auch Reiche stärker besteuern. „Wer viel besitzt, kann stolz sein, auch einen großen Anteil zu geben“, sagt er.

Zur Person

Name: Jannik Schestag
Alter: 23
Wohnort: Marburg
Mitglied der ÖDP seit: 2017
Listenplatz Landesliste: /
Beruf: Student

Die ÖDP plädiert dafür, das Fach „Natur und Gesundheit“ im Unterricht zu etablieren. Dort solle das Bewusstsein der Schüler für den Planeten sowie die eigene Gesundheit gestärkt werden. Schestag macht sich darüber hinaus dafür stark, in der achten Klasse den Umgang mit sexueller Belästigung zu thematisieren. „Denn das ist leider sehr relevant“, sagt er.

Den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) findet Schestag aktuell „unverschämt teuer. Gerade um Marburg herum macht Fortbewegung nicht viel Spaß“, sagt er. Er fordert ein einheitliches Ticket für alle und will die „Qualität von Bussen und Bahnen“ anheben. Zudem müsse es eine bessere Anbindung Richtung Norden geben. Für Marburg schlägt Schestag ein Tempolimit auf der Stadtautobahn vor. Nicht aber wegen der Lärmbelästigung, sondern wegen möglicher Raserei. Diese sei eine der Ursachen für tödliche Unfälle. „Da Menschenleben in meinen Augen viel wichtiger sind als alles andere, sollte es ein Tempolimit geben“, sagt Schestag.

Ein weiterer wichtiger Punkt für Schestag ist die Demokratisierung. Der ÖDP-Kandidat wünscht sich eine Kontrolle der Abgeordneten und fordert ein Lobbyismusregister. Firmenspenden an Parteien gehören laut Schestag abgeschafft, „da diese einen bitteren Beigeschmack haben“. Des Weiteren will Schestag, dass die Hürden für Volksbegehren und die Sperrklausel gesenkt werden. „Mehr Demokratie heißt mehr Nähe zum Volk“, sagt er. „Gerade nach den Vorfällen in Chemnitz“ sei die Zeit für Demokratisierung reif.

von Tobias Kunz