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Landtagswahl 2018 Freitag: Jung schon ein „alter Hase“
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00:18 29.10.2018
Lisa Freitag ist jung, hat aber schon eine vergleichsweise lange politische Laufbahn hinter sich. Sie engagierte sich bereits als 16-Jährige bei den Jungen Liberalen (Julis). Nun will sie auf Landesebene ihr Können unter Beweis stellen. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Locker sitzt sie auf dem Stuhl mit einer Tasse in den Händen vor dem Oberstadt-Café und blickt zufrieden den vorbeischlendernden Passanten hinterher. Lisa Freitag wirkt entspannt. Entspannter, als man in dieser hektischen Zeit annehmen dürfte. Denn der Terminkalender der FDP-Landtagskandidatin ist pickepackevoll. So kurz vor einer wichtigen Wahl sicherlich nichts Ungewöhnliches. Doch muss die 25-Jährige gerade Nebenjob, Studium, Privatleben und ihr großes „Hobby“ Politik unter einen Hut bringen. Dazu der Wahlkampf, der für Freitag und die heimische FDP auch etwas anders aussieht – aber davon später mehr.

Gerade einmal 16 Jahre ist die gebürtige Mühlheimerin alt, als sie sich dazu entschließt, politisch aktiv zu werden. Aber warum gerade bei den Jungliberalen? „Ich habe mir auch andere Jugendorganisationen angeschaut“, sagt Freitag. „Hängengeblieben“ sei sie dann aber bei den „Julis“, weil das Individuelle dort am meisten gefördert werde. Eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen, sei ihr extrem wichtig. Dazu passe das liberale Denken, Dinge nicht zu reglementieren, am besten. „Verbieten und Vorschreiben liegt mir fern“, sagt Freitag. Im Zuge dessen seien die Antworten der Liberalen auf die Probleme dieser Welt nicht immer ganz einfach, es lohne sich aber immer, ihnen zuzuhören, meint die Direktkandidatin.

Zur Person

Name: Lisa Freitag
Alter: 25
Wohnort: Marburg
Mitglied der FDP seit: 2014
Listenplatz Landesliste: 12
Beruf: Studentin der Politik- und Rechtswissenschaft

Nach ihrem Studienbeginn an der Marburger Philipps-Universität engagierte sich Freitag ab 2013 dann auch bei den heimischen „Julis“. „Damals waren wir bei manchen Treffen nur zu zweit“, erinnert sie sich. Es folgten schwierige Zeiten für die gesamte FDP. „Aus dem Bundestag zu fliegen tat natürlich weh“, sagt Freitag, die rückblickend aber froh darüber ist, durch dieses „tiefe Tal“ gegangen zu sein. Die Partei habe viel aus ihren Fehlern gelernt und sich neu aufstellen können.

Ihre eigene Rolle innerhalb der heimischen FDP sieht die 25-Jährige relativ gelassen. Der Beruf des Politikers sei ohnehin einer auf Zeit. Deshalb sei die Bezeichnung „Beruf“ auch nicht treffend. Für Freitag ist es ein Ehrenamt. Eines, das sie gerne bekleidet. Besonders weil sie hier die Möglichkeit sieht, Impulse zu setzen und mitzugestalten. Auf Kreisebene seien die flachen Hierarchien besonders hilfreich. „Wir finden immer einen Weg, den alle mittragen“, sagt Freitag.

Sie sei ein offener Mensch und immer gerne im Gespräch – denn das ist quasi auch ein Teil ihrer Nebentätigkeit im Restaurant „Zur Sonne“ oberhalb des Marburger Marktplatzes. „Ich liebe es, dort zu arbeiten“, sagt sie mit Nachdruck.

Was die Menschen in Marburg-Biedenkopf beschäftigt? „Wir haben ein Infrastrukturproblem“, ist sich Freitag sicher. Dies gelte für Marburg, aber erst recht für den Rest des Landkreises. Für viele Menschen sei es aus unterschiedlichen Gründen schwierig, sich frei zu bewegen. Fahrradfahrer in der Stadt quälten sich mit lästigen Schlaglöchern und Busse würden auf dem Land unregelmäßig oder gar nicht fahren. Dabei resultierten die offenkundigen Probleme nicht aus finanziellen Engpässen: „Das Geld ist da. Mann muss nur schauen, wie man es gerecht verteilt“, sagt die 25-Jährige. Dabei gehe es um das Abwägen und nicht um die Bevorteilung eines bestimmten Individualverkehrs.

Das Thema Infrastruktur weitet Freitag dann auf den Bildungssektor aus. „Unsere Schulen fühlen sich einfach nicht an wie 2018“, sagt Freitag und meint hier in Bezug auf die Digitalisierung die oftmals fehlenden Lernmedien und die mangelnde Ausstattung. „Bildungspolitik muss eine hohe Priorität haben.“ Lehrer seien derzeit aber häufig überlastet. Deshalb fordert Freitag, die Hoheit der Entscheidung über den Einsatz der finanziellen Mittel den Schulen zu überlassen. „Jede Schule weiß selbst am Besten, wo das Geld am nötigsten gebraucht wird.“ Die Technologien seien da, nur gebe es teilweise immer noch Schulen mit einem PC-Raum, in dem drei alte Rechner einstaubten. 

Super sei der Vorstoß, Kita-Plätze kostenlos zu machen. Leider sei dies aber der zweite vor dem ersten Schritt. „Sollten wir nicht lieber dafür sorgen, dass auch alle Eltern einen Kita-Platz bekommen?“

Und auch zum Thema AfD hat Lisa Freitag eine klare Meinung. Dabei geht es ihr besonders um den Umgang mit der Partei. „Hätte man die AfD von Anfang so behandelt wie jede andere Partei auch, dann hätte man ganz schnell gemerkt, dass sie einfach nichts zu sagen hat.“ Die Partei habe nur das Thema Flüchtlinge, ansonsten aber keine weiteren Inhalte zu bieten. Der Fehler im Umgang mit der AfD sei dabei schon früh begangen worden: Es hätte eine politische Auseinandersetzung geben müssen statt einer Aus- oder Abgrenzung der Partei, meint die Kandidatin. Denn jede Stimme sei auch immer eine, die gehört werden müsse und hinter der auch etwas stecke. 

Und genau darum geht es ihr: Stimmen zu gewinnen. Deswegen muss Freitag nun gleich weiter. Plakate kleben. Denn das muss die heimische Spitzenkandidatin der FDP noch selbst erledigen. Noch.

von Dennis Siepmann