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Hessen Heiratsantrag mit Schwert
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09:58 07.11.2019
Ein Mann im Kettenhemd mit Schwert kniet für einen Heiratsantrag nieder: So, wie auf diesem gestellten Foto könnte die Vision des Bankangestellten ausgesehen haben, der mit einem Schwert in der Volksbank-Zentrale für Aufre­gung sorgte. Die daraus resultierende Kündigung wurde nun vor dem Arbeitsgericht in Gießen verhandelt. Quelle: Kaufmann-Hirsch, Tannert
Gießen

Mit einem Requisitenschwert, einer Robin-Hood-DVD, einem Liebesbrief und einem Strauß Blumen wollte ein Mitarbeiter der Volksbank Mittelhessen in Gießen einer Kollegin einen Heiratsantrag machen.

Nur: Sie war an jenem Tag im Dezember 2018 nicht da – und nie mit dem 54 Jahre alten Mann zusammen. Außerdem wirkte er auf seine Kollegen verwirrt.

Die Angst vor einem Amoklauf sorgte für einen Großeinsatz der Polizei. Die außerordentliche, fristlose Kündigung, die die Bank ihrem Mitarbeiter im Anschluss an die Ereignisse aussprach, ist jedoch unwirksam, entschied jetzt das Arbeitsgericht Gießen.

Gericht: Mann war schuldunfähig

Richterin Claudia Schymik betonte, der Angestellte habe sich damals wegen seiner psychischen Erkrankung in einer Ausnahmesituation befunden. Dies würden Atteste unterstreichen. Bei seinem skurrilen Auftritt war der 54 Jahre alte Mann also schuldunfähig. Und genau deshalb könne der Arbeitgeber ihn nicht fristlos entlassen.

Die Richterin unterstrich außerdem, bei dem missratenen Heiratsantrag sei niemand verletzt oder bedroht worden. Nur wenn dies der Fall wäre, könnte einem Arbeitgeber nicht mehr zugemutet werden, dass der Mitarbeiter weiterhin angestellt bleibt.

Betriebsrat fehlte wichtige Info

Die Volksbank hatte durch ihren Anwalt bei einem vorangegangenen Verhandlungstermin betont, dass die Situation für die weiteren Mitarbeiter „objektiv gefährlich“ gewesen sei. Außerdem seien einige Mitarbeiter verängstigt gewesen. So habe der Angestellte bei seinem Auftritt gesagt: „Hat jemand gemerkt, dass ich eine Waffe in der Hand habe?“ Als eine Kollegin gefragt habe, ob sie in Deckung gehen müsse, habe der 53-Jährige geantwortet: „Nein, du stehst auf der guten Seite.“

Hinzu kommt: Die Volksbank habe gegenüber dem Betriebsrat nicht gesagt, dass es sich bei dem Schwert um eine Requisite gehandelt habe, sagte Schymik. Ob dem Mitarbeiter jedoch wegen seiner Krankheit gekündigt werden könnte, sei nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen.

Abfindung ausgeschlagen

Die Anregung der Richterin, einen Vergleich zu treffen, lehnt der Angestellte ab. Die Arbeitsrichterin hatte vorgeschlagen, statt einer außerordentlichen eine ordentliche Kündigung auszusprechen. Anschließend sollte der Mann eine Abfindung in Höhe von 15.000 Euro erhalten.

Seine 33 Jahre lange Tätigkeit bei der Bank will der Angestellte jedoch auf diese Weise nicht beenden. Er strebt vielmehr eine Wiedereingliederung an.     

von Kays Al-Khanak