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12:34 02.01.2020
Welches Substrat man nimmt, hängt von der Pilzart ab: steriles Buchensägemehl ist für Edelpilze wie Shiitake ideal. Quelle: Judith Michaelis/dpa-tmn
Stuttgart

Pilze sind nicht nur ein Herbstklassiker. Zwar findet man sie dann im Wald, aber im Supermarkt kommen sie schließlich aus der Zucht - und die ist ganzjährig möglich. Das gilt auch für den eigenen Anbau von Pilzen im Haus.

Er gelingt in allen Zimmern, sogar in den dunklen Räumen im Keller. Das geht etwa mit Fertigpaketen aus Substrat und Pilzbrut. "Sie funktionieren am einfachsten und sind sehr hygienisch", urteilt Folko Kullmann, Gartenbau-Ingenieur aus Stuttgart.

Aber Pilze können auch auf eigenen Materialien auf Balkon und Terrasse gezüchtet werden. "Alle Speisepilze, die man selbst anbauen kann, wachsen auf abgestorbener organischer Substanz - also Stroh, Holz, Getreidekörnern, Stroh- oder Holzpellets und dergleichen", erläutert Kullmann. Sogar auf Kaffeesatz können Pilze wachsen. Aber das A und O ist, dass das Material sauber ist.

Hygiene verhindert Konkurrenzkampf im Boden

"Das Substrat darf nicht mit anderen Erden vermischt werden", erklärt Peter Marseille, Botschafter des Bundes Deutscher Champignon- und Kulturpilzanbauer in Leichlingen. Fremde Bakterien oder andere Pilze bekämpfen sich im Boden mit den Speisepilzen - letztere können dann häufig keine Fruchtkörper bilden.

Sehr häufig wird für die Anzucht im Haus steriler Kompost oder Sägemehl verwendet. "Welches Substrat man nimmt, hängt von der Pilzart, die man züchtet, ab", erklärt Marseille. Für Champignons sei auf ein nährstoffreicher, steriler Kompost gut, steriles Sägemehl für Edelpilze wie Shiitake ideal.

So geht's: Eine Champignonbrut kommt in ein flaches Gefäß mit Substrat, das abgedeckt wird. Nach zwei bis drei Wochen 20 bis 24 Grad wächst das Myzel im Substrat. Die Bildung von oberirdischen Fruchtkörpern wird angeregt, indem man die Temperatur auf 10 bis 18 Grad absenkt und die Oberfläche des Substrates aufraut. Andere Pilzarten brauchen einen anderen Temperaturwechsel.

Kein Sonnenlicht, keine Heizungswärme

Wie viele Pilze brauchen Champignons kein Licht, weshalb sie sogar im Keller wachsen. "Fern von Sonne und Heizung sowie frei von Wind oder Zugluft sollte der Standort sein", rät Experte Marseille. Sonst trocknet das Substrat zu schnell aus, denn Pilze mögen es feucht.

Statt einer Gießkanne aber empfiehlt Marseille einen Zerstäuber, um das Substrat gleichmäßig feucht zu halten. "Die Gefäße sollte auch nicht in den Heizungskeller gestellt werden, weil es dort meist zu wenig Sauerstoff gibt", ergänzt er.

Pilze sind keine Pflanzen

Abgesehen von dem fehlenden Bedürfnis vieler Pilzarten nach Helligkeit, funktioniert die Aufzucht fast wie der gewohnte Gemüseanbau. Aber Pilze sind kein Gemüse.

Zwar werden sie landläufig gerne so bezeichnet - vor allem, da es kulinarisch Sinn macht. Aber die Zuordnung ist botanisch nicht richtig. "Pilze bilden neben Tieren und Pflanzen ein eigenes Reich innerhalb der mehrzelligen Lebewesen", erklärt Kullmann. Der wesentliche Unterschied: Pilze betreiben keine Photosynthese, sondern sie leben von organischen Substanzen.

Anzucht im Freien dauert mehrere Monate

Bevor die Fruchtkörper erscheinen, wächst jede Pilzart unsichtbar durch die Erde oder das Substrat. Daher kann es länger dauern, bis man bei der Kultur von Pilzen im Freiland erntefähige Fruchtkörper bekommt - neun Monate Vorbereitungszeit können nötig sein.

Marseille rät für die Freilandzucht zu Knüppelholz von Eiche, Buche oder Obstgehölzen. "Zum Impfen bohrt man die Triebe an und steckt mit Pilzbrut präparierte Holzdübel in die Löcher." Anschließend deckt man die Stämme mit einer Plane ab. Darunter entwickelt sich ein Mikroklima mit geringem Sauerstoffgehalt, "so dass das Myzel rasch anfängt zu wachsen". Nach neun Monaten wässert man die Stämme in der Regentonne - und bald darauf entwickeln sich erste Fruchtkörper.

dpa

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