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Marburg Vom Allzwecksong zum Weihnachtslied
Marburg Vom Allzwecksong zum Weihnachtslied
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14:05 13.12.2021
Volontärin Larissa Pitzen und Redakteur Carsten Beckmann spielen „O du fröhliche“.
Volontärin Larissa Pitzen und Redakteur Carsten Beckmann spielen „O du fröhliche“. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Am kommenden Sonntag geht das dritte Lichtlein am Adventskranz an. Der zunehmend besinnlichere Teil der Adventszeit beginnt. Viele Menschen stimmen sich auf Heiligabend ein, backen Weihnachtsplätzchen oder singen Weihnachtslieder. So auch OP-Volontärin Larissa Pitzen, die in Begleitung von Redakteur Carsten Beckmann das Lied „O du fröhliche“ zum Besten gibt. Was viele jedoch nicht wussten, ist, dass „O du fröhliche“ ursprünglich zu vielen christlichen Festen gesungen wurde.

Das Lied wurde von Johannes Daniel Falk geschrieben, einem evangelischen Schriftsteller und Kirchenliedermacher. Der ursprüngliche Text der zweiten und dritten Strophe galt jedoch nicht dem Weihnachtsfest, so lautet er:

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Osterzeit!
Welt liegt in Banden, Christ ist erstanden:
Freue, freue dich, o Christenheit!
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Pfingstenzeit!
Christ, unser Meister, heiligt die Geister:
Freue, freue dich, o Christenheit!

In diesem Allrounder-Kirchenlied werden die Geburt Christi, der Tod und die Auferstehung Christi, sowie die Aussendung des Heiligen Geistes in einem Zyklus besungen. Das Stück wurde von Heinrich Holzschuher zu einem vollen Weihnachtslied umgeschrieben, indem er die beiden letzten Strophen neu dichtete. Damit bleibt lediglich die erste Strophe des Liedes von Falk als Überbleibsel erhalten.

Die Legende von Sizilien

Die besonders eingängige Melodie des Liedes stammt von einem Marienlied aus Sizilien. Wo Johannes Daniel Falk die Melodie aufgeschnappt hat, ist und bleibt wahrscheinlich eine Legende, da er zwar eine Italienreise machte, deren Route ihn jedoch nicht südlich genug nach Sizilien führte. Eine weitere Fassung, die weitaus mehr Strophen hat, ist angeblich zwei Tage vor Falks Tod entstanden und nach seinem Tod in einem „Volksbüchlein“, einer Liedersammlung erschienen. Die sogenannte „Lutherrhythmus-Variante“ hat sechs weitere Strophen, bei denen vier der „gnadenbringenden Martinszeit“ und zwei der Katharina von Bora gewidmet sind, der späteren Ehefrau von Martin Luther.

 O du fröhliche, O du selige, Gnadenbringende Martinszeit!
Bahn war verloren; Licht ist geboren:
Freue, freue dich Christenheit!

O du fröhliche, O du selige, Vielwillkommen edle Magd,
Luthern zur Seite, Sey dir auch heute,
Bora, freundlich ein Gruß gesagt!

„O du fröhliche“ geht durch seine textlichen sowie melodischen Wiederholungen besonders gut ins Ohr und animiert zum Mitsingen. Die ersten beiden sowie die letzte Zeile jeder Strophe bleiben gleich. Vorteilhaft ist das vor allem, wenn man den Text nicht zur Hand hat und dann spätestens zum letzten Vers immer wieder einsteigen kann. 

Die heutige Fassung

O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren:
Freue, freue dich, Christenheit!
O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Osterzeit!
Welt liegt in Banden, Christ ist erstanden:
Freue, freue dich, Christenheit!
O du fröliche, o du selige,
gnadenbringende Pfingstenzeit!
Christ, unser Meister, heiligt die Geister:
Freue, freue dich, Christenheit

Der Zimbelstern

Besonders feierlich wird das Stück, wenn es zu Gottesdiensten in der Kirche mit einer Orgel gespielt wird, die einen Zimbelstern besitzt.

Der Zimbelstern klingt ähnlich wie Schlittenglöckchen

Der Zimbelstern ist ein sogenanntes „Effektregister“ für die Orgel und besteht aus einer meist hölzernen, sternförmigen Drehscheibe, die kleine Glöckchen zum Klingen bringen. Es entsteht der Höreindruck von Schlittenglöckchen, was dem Lied gerade zur Weihnachtszeit einen besonders festlichen Klang schenkt. 

Der Zimbelstern ist ein Effektregister der Orgel

Von Larissa Pitzen