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Marburg Wie kaputt ist das „Grüner Wehr“ in Marburg?
Marburg Wie kaputt ist das „Grüner Wehr“ in Marburg?
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15:00 18.03.2020
Wie beschädigt ist das „Grüner Wehr“ und wie kann es repariert werden? Oder kommt doch ein Neubau? Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das „Grüner Wehr“ wird derzeit von Gutachtern untersucht. Sie sollen in den nächsten Wochen feststellen, wie stark beschädigt das Bauwerk ist und ob auf Dauer eine ausreichende Stabilität gegeben ist. Da einige Untersuchungen bereits gelaufen sind, haben die Gutachter nach OP-Informationen gegenüber Stadtverwaltung und Ortsbeirat Weidenhausen erste Einschätzungen abgegeben – und diese scheinen die Sanierungs-Zweifel der Bürgerinitiative und aus Teilen des Ortsbeirats Weidenhausen zu stützen.

Zwar gebe es Schäden an dem 800 Jahre alten Baudenkmal. Bislang liegen aber keine Anzeichen für folgenschwere Verformungen oder eine Bewegung des Bauwerks sowie andere Alarmzeichen vor, die akuten Handlungsbedarf erfordern. „ Das von der Stadt immer beschworene dramatische Szenario, eine Einsturzgefahr gibt es nicht. Umso weniger am Wehr gemacht werden muss, umso besser“, sagt Martin Cronau (Linke), Ortsbeirats-Mitglied im OP-Gespräch. „Auch wenn der große Aufguss also wohl nicht gemacht werden muss, gilt es auch bei den gefundenen Schäden, deren Umfang und Reparatur –Stichwort schonendes Verfahren – genau hinzusehen“, sagt Ortsvorsteher Nils Lankau (SPD) im Hinblick auf ein sich abzeichnendes Aus der Abriss- und Neubaupläne.

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Ursprünglich hätten die Arbeiten in diesem Jahr beginnen sollen

Die Einschätzung der Wasserbauwerk-Gutachter ist insofern interessant, als dass die Abriss- und Neubauplanungen des Magistrats vor zwei Jahren bereits so weit fortgeschritten waren, dass das Projekt umgesetzt hätte werden sollen. Jedenfalls war beim Bekanntwerden der Pläne – der Ortsbeirat Weidenhausen machte seinerzeit Druck für eine Bürger-Info-Veranstaltung – von einer neuerlichen Stabilitätsprüfung oder anderen Zwischenschritten vor der millionenschweren Umsetzung keine Rede. Ursprünglich hätten die Bauarbeiten in diesem oder nächsten Jahr als nächstes Großprojekt nach der Weidenhäuser Brücke beginnen sollen. Wären also eventuell etwa drei Millionen Euro für ein Projekt ausgegeben worden, das so nicht nötig ist? Das ist zumindest die Vermutung aus dem Ortsbeirat. „Es ist davon auszugehen, dass wegen der verwaltungsinternen Schadens-Annahmen die dort verfolgte Idee so auch ausgeführt worden wäre“, sagt Thomas Schneider (Grüne), Gremiums-Mitglied. Nur der Druck der Bürgerinitiative und des Ortsbeirats hätten für die „Extra-Schleife einer externen Begutachtung“ und für ein „gründlicheres Nachdenken“ in der Stadtverwaltung gesorgt.

Nach jahrelangem Protest hatte Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) kürzlich auf OP-Anfrage bereits einer Kanurutsche samt Wartungspodest, die Teil der Neubauplanungen waren, eine endgültige Absage erteilt. Neben der –nach Stötzels Aussagen so im Stadtteil nicht mehr vorhandenen –Sorge vor dem Bau der Kanurutsche samt Partyplattform, halten Kritiker speziell aus der BI „Grüner Wehr“ allem die Forderung nach Wahrung des Denkmalschutzes und den Verzicht auf Rodungen, das Fällen von Bäumen entlang des Trojedamms zwischen Aquamar und Jugendherberge Aufrecht. Hauptgrund: Die Optik des Wehrs, des gesamten Uferbereichs dürfe wegen des stadtbildprägenden Charakters nicht derart verändert werden.

Vermessungen dienen zur Berechnung des Schadensbildes

Laser-Vermessungen und vor allem mathematische Modelle samt Abgleich der Baupläne sowie anderer vorliegender Grunddaten des Wehrs dienen demnach zur Berechnung von dessen Schadens- und Stabilitätsbild. Und die Methoden sind gleichsam Grundlage für Reparaturvorschläge. Und so ist das grundsätzliche Vorgehen laut einer der OP vorliegenden Projekt-Präsentation gegliedert: Sollte die Standsicherheit nach Experten-Einschätzung nicht gegeben sein, würde eine Gefahrenbeurteilung folgen. Gibt es Risiken, unterbreiten die Gutachter Ertüchtigungs-Vorschläge. Nur wenn geringe Eingriffen nicht ausreichen, würde es eine Neubau-Empfehlung geben. Das Gutachten soll laut Fahrplan der Stadtspitze im Frühjahr fertig und nach verwaltungsinterner Auswertung die Kern-Ergebnisse öffentlich vorgestellt werden.

In den vergangenen Jahren stellten mehrere Gutachten die Standsicherheit in Frage. Deren Aussagekraft zweifelt speziell die BI mangels Vor-Ort- und Tiefen-Untersuchung als unzureichend an.

Von Björn Wisker

18.03.2020
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