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Marburg Zwischenhausen wird für einen Tag zur Wiese
Marburg Zwischenhausen wird für einen Tag zur Wiese
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16:00 15.07.2022
Die Marburger Künstlerin Ines Vielhaben wird die Straße Zwischenhausen in einem sogenannten Zorbball ablaufen. Die Sauerstoff-Flasche auf dem Rücken ist notwendig: Sie sorgt für Atemluft.
Die Marburger Künstlerin Ines Vielhaben (Foto oben) wird die Straße Zwischenhausen in einem sogenannten Zorbball ablaufen. Die Sauerstoff-Flasche auf dem Rücken ist notwendig: Sie sorgt für Atemluft. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Eine Straße wird grün. Zwischenhausen ist ein kleines Altstadtgässchen, das parallel zur Ketzerbach verläuft. Am Samstag wird sich das Straßenbild ab 12 Uhr radikal verändern. Auf etwa 80 Metern Länge werden rund 700 Quadratmeter Natur-Rollrasen ausgelegt. Aus der mit indischem Sandstein gepflasterten Straße wird eine innerstädtische Wiese. Unterstützt werden die Initiatorinnen und Initiatoren des Projekts, Edgar Zieser, Waltraud Mechsner-Spangenberg und Ursula Eske, von Mitgliedern des 2. Zugs der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte Ketzerbach.

Der Rollrasen ist die Basis für ein spektakuläres Kunstprojekt, das am Sonntag, 17. Juli, um 15 Uhr beginnt und gegen 23 Uhr mit dem Einrollen des Rasens enden soll. Der Rasen werde danach nicht einfach weggeworfen und entsorgt, mit ihm sollen auf den Lahnwiesen Rasenflächen repariert werden, die bei 3-Tage-Marburg in Mitleidenschaft gezogen wurden, erklären Eske & Co.

Ein Jahr Planung

Ein Jahr lang haben sie das Projekt geplant, das Teil der Feiern zu Marburg800 ist. Wie beschwerlich und langwierig die Planungen waren, zeigt ein Blick auf den dicken Aktenordner von Waltraud Mechsner-Spangenberg, der die Korrespondenz mit Marburger Ämtern enthält. Klar – für so ein Projekt muss vieles abgesprochen werden: Straßensperrungen sind da noch das kleinste Problem.

Es geht um Fördermittel, um zeitliche Absprachen. Und schließlich: Unter dem Rollrasen muss ein Vlies verlegt werden, damit keine Erde das Pflaster kontaminiert. Was wollen die Initiatoren erreichen? „Die Veranstaltung soll Wohlbefinden, Lebensfreude und Spaß fördern“, sagt sie. Sie haben eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern für ihr Projekt „Zwischen den Welten“ gewinnen können. Werner Eismann wird Installationen zeigen und natürlich zur Gitarre greifen. Sehriban Köksal Kurt, Gofi Müller und Chris Schmetz verwandeln die Straße mit ihren Installationen in eine grüne Oase. Das Grisette-Orchester wird spielen, Schülerinnen und Schüler der Steinmühle zeigen Zeichnungen, ein Animationsfilm zeigt ein dystopisches und ein utopisch grünes Marburg, Thorsten Mihr, Robert Oberbeck, Helga Peter, Ric Ricardo und eine Percussion-Gruppe sorgen für Musik.

Und die Künstlerin Ines Vielhaben wird – ausgerüstet mit einem Sauerstoffgerät – in einem großen transparenten Zorbball „Kunstproduktion in sauerstoffarmer Umgebung“ zeigen. Für Essen und Trinken ist natürlich gesorgt. Und auch das Wetter ist mit den Künstlerinnen und Künstlern. Da kann ja nichts mehr schiefgehen.

Von Uwe Badouin