Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Lichtzeichen in Zwischenhausen
Marburg Lichtzeichen in Zwischenhausen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 21.02.2021
Ein Blick in die aktuelle Ausstellung im Marburger Atelier Zwischen den Häusern.
Ein Blick in die aktuelle Ausstellung im Marburger Atelier Zwischen den Häusern. Quelle: Privatfoto
Anzeige
Marburg

Die Kulturszene liegt seit Monaten im Corona-Lockdown auf Eis. Theater, Konzerthallen, Museen und Kunstvereine sind dicht. Aber es gibt eine winzig kleine Ausnahme: Privat geführte Galerien dürfen unter strengen Corona-Bedingungen öffnen. Dies gilt auch für Ursula Eskes kleine Galerie Zwischen den Häusern in der Straße Zwischenhausen.

Die aktuelle, von der Marburger Künstlerin Ursula Eske und dem Marburger Fotografen Edgar Zieser kuratierte Ausstellung ist vorerst noch bis Ende Februar zu sehen. Sie kann von Einzelpersonen oder zwei Personen aus einem Haushalt auf Einladung besucht werden. Letztere gelten neudeutsch als sogenannte Infektionsgemeinschaft.

Zu sehen sind Arbeiten der überregional bekannten deutschen Grafikerin Barbara Beisinghoff und von der Marburger Künstlerin Ursula Eske.

„Safranfittiche“ von der Künstlerin Beisinghoff

Die mehrfach preisgekrönte Künstlerin Beisinghoff fasst ihre Arbeiten unter dem Begriff „Safranfittiche“ zusammen. „Im Spätmittelalter schlossen sich in einigen Orten Krämer und Handwerker, deren Betätigungsfeld der Handel mit und die Veredlung von exklusiven und raren Produkten war, zu einer Safranzunft zusammen.

Die kunstfertigen Papiermacher wurden in die Gruppe der Spezereienhändler, Apotheker, Perückenmacher und Seidenhändler aufgenommen“, erklären Eske und Zieser den ungewöhnlichen Titel. Denn auch die kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs 1945 in Hermannsburg in der Lüneburger Heide geborene und in Hannover ausgebildete Künstlerin arbeitet vorzugsweise nicht auf, sondern „mit Papier“, wie sie betont.

Ein Denkmal durch ihr Künstlerbuch gesetzt

Dazu gehören für sie selbstverständlich die Auswahl der Rohstoffe, die Bearbeitung der Schöpfsiebe, die Montage von Wasserzeichen, das Schöpfen des Papiers bis zur Fertigstellung der Werke mittels verschiedenster Drucktechniken, Malerei oder dem Zeichnen mit Wasserstrahlen.

„Ihre Bildthemen schöpft sie aus eigenen Reflexionen, manchmal verknüpft mit antiker Mythologie, gelegentlich angeregt von romantischer Dichtung oder Lyrik der Moderne“, teilten die Kuratoren mit. Die kleine Galerie zeige Beispiele ihres „äußerst umfangreichen Schaffens“ wie etwa ihre Gintara-Variationen. Gintara ist ein litauischer Begriff für Bernstein und dort als männlicher Vorname sehr beliebt.

Das Leuchten des Bernsteins greift die Künstlerin in ihren Farbradierungen und auch malerisch auf festerem Kozo-Papier auf, das aus der inneren Rinde des Maulbeerbaums hergestellt wird. Der Stadt Marburg habe sie, so Zieser und Eske, mit ihrem aufwendig gestalteten Künstlerbuch „Himmelansteigende Treppen“ ein kleines Denkmal gesetzt.

Entstanden ist das Buch anlässlich des 150. Todestages der Romantikerin Bettine Brentano, die von 1800 bis 1806 in Marburg lebte. In dem Buch habe Beisinghoff Auszüge aus den Briefen von Bettine von Arnim an Karoline von Günderrode mit zahlreichen grafischen Miniaturen kombiniert. Zieser sagt der OP: „Wir haben die Hoffnung, dass das Buch in Marburg bleibt.“ Arbeiten von Barbara Beisinghoff sind in wichtigen Bibliotheken, Galerien und Museen vertreten.

Neu Arbeit „Muquarnas“ wird vorgestellt

Ursula Eske ist über die Grenzen Marburgs hinaus bekannt für ihre aufsehenerregenden Lichtinstallationen. Sie präsentiert in der Schau neue Arbeiten unter dem Titel „Muquarnas“ – auch sie sind wie die Papierarbeiten eine alte Tradition. „Als Muquarnas werden jene stalaktitartigen Gewölbe und Gesimse bezeichnet, die angeregt von in Karsthöhlen auffindbaren Gebilden als dekorative Formen seit dem 11. Jahrhundert in islamischer Architektur häufig verwendet werden“, erklären Eske und Zieser.

Die Künstlerin habe das historische Gewölbe des Kellers ihres Ateliers in eine stilisierte Höhle mit leuchtenden Auswüchsen und Wucherungen aus Wänden und Boden verwandelt, die an Tropfsteine erinnern sollen. Spiegelungen führten den Blick des Betrachters in scheinbare Tiefen und vermittelten eine Ahnung von Unendlichkeit und Zeitlosigkeit. Im Schaufenster des Ateliers Zwischen den Häusern gibt ein kurzer Film einen Eindruck von den Präsentationen.

Kontakt für interessierte Ausstellungsbesucher unter: 0176 / 44 53 12 23 (Edgar Zieser) oder 0173 / 368 59 81 (Ursula Eske)

Von Uwe Badouin

21.02.2021
Marburg Weihnachten im März - Waggonhalle holt Festival nach
21.02.2021