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Marburg Zwischen Buchen und Fitnessgeräten
Marburg Zwischen Buchen und Fitnessgeräten
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17:58 15.04.2021
Dr. Wolfram Schüffel begrüßt seine Studierenden an der „Hangelstation“.
Dr. Wolfram Schüffel begrüßt seine Studierenden an der „Hangelstation“. Quelle: Foto: Carsten Beckmann
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Normalerweise wird an Station 18 des Trimmpfads im Wald oberhalb des Hansenhausviertels gehangelt. Dass sich dort gestern Mittag Wolfram Schüffel mit einer Gruppe Medizinstudierender traf, ist beziehungsreich: Auch die angehenden Ärztinnen und Ärzte hangeln sich in Corona-Zeiten wie die Kommilitonen aller anderen Fachbereiche buchstäblich durch ein Studium, das Pandemie-bedingt fast ausschließlich vor dem eigenen PC-Bildschirm stattfindet. Der ehemalige Leiter der Klinik für Psychosomatik im Zentrum für Innere Medizin an der Philipps-Universität nahm den Start seines Seminars „Beziehungsmedizin Marburg transgenerationell/transkulturell“ zum Anlass, sich mit den Seminarteilnehmenden vor der ersten offiziellen digitalen Lehrveranstaltung zum Kennenlernen unter freiem Himmel zu treffen.

„Die große Überraschung für mich war, dass sich nicht wie sonst üblich acht, sondern 32 Studentinnen und Studenten zu der Veranstaltung angemeldet haben“, so Schüffel im Gespräch mit der OP: „Es besteht offenbar das Bedürfnis, zu reflektieren, wo es nach Corona hingeht.“ Demonstrieren wollte der emeritierte Professor mit seiner Einladung in den Wald auch, dass er es für falsch hält, Schüler und Studierende komplett in den Distanzunterricht zu verbannen und eigentlich Corona-konforme Zusammentreffen an der frischen Luft als Ordnungswidrigkeit zu ahnden: „Bildungsveranstaltungen müssen stattfinden können, weil ansonsten zu tief in die Grundrechte eingegriffen wird“, sagt Schüffel, der sich durch aktuelle Gerichtsurteile aus Frankfurt und Weimar in seiner Einschätzung bestätigt sieht und nicht damit rechnet, dass sein Open-Air-Treffen mit seinen Studierenden rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Zur Gruppe des Wahlpflichtseminars zählt neben jungen Studentinnen und Studenten auch die mittlerweile 90-jährige Medizinerin Ingrid Witzel, die sich mit ihrer Tochter Heike gestern ebenfalls zum Kennenlernen auf dem Trimmpfad aufgemacht hatte. Der Begriff „transgenerationell“ im Seminartitel ist also ebenso wörtlich zu nehmen wie das Wort „transkulturell“: Die Studierenden, die an der Wahlpflichtveranstaltung Schüffels teilnehmen, kommen aus fast allen Gegenden Deutschlands, aber auch aus dem Iran, dem Jemen, aus Syrien oder haben asiatische Wurzeln.

Von Carsten Beckmann

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