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Marburg Zweiter Tag im Vergewaltigungsprozess
Marburg Zweiter Tag im Vergewaltigungsprozess
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19:00 29.02.2020
Im Vergewaltigungs-Prozess geht es um Persönlichkeit des 66-jährigen Angeklagten.  Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Eine Reihe von Delikten wird einem 66-Jährigen zugrunde gelegt, die er 2016 und 2017 begangen haben soll. Nun folgte die Zeugenbefragung vor dem Marburger Schöffengericht unter der Leitung von Richter Dominik Best.
Ein Polizeibeamter berichtete aus den Ermittlungen und Vernehmungen bezüglich der Vorwürfe Bedrohung, Körperverletzung, Beleidigung und vorsätzlicher sexueller Vergewaltigung der Nebenklägerin. Am Südbahnhof sei es damals zu einer Beleidigung mit den Ausdrücken „Hure“ und „Schlampe“ und einem Schlag mit der flachen Hand in das Gesicht gekommen, so der Beamte. Per SMS habe die Frau Drohanrufe mit den Worten: „Ich bringe Dich um“ erhalten.

Diese seien in der Anlaufstelle für Obdachlose vor Zeugen mit eindeutigen Fingerzeigen wiederholt worden. Letztendlich habe eine Ortsbesichtigung der Toiletten am Südbahnhof stattgefunden, wo die Frau nach deren Angaben mit dem erigierten Penis des Angeklagten konfrontiert worden sei.

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Auf Nachfrage des Richters sprach der Polizeibeamte auch von seinen Zweifeln gegenüber den Ausführungen der Frau, erläuterte jedoch deren detaillierte Schilderungen und letztendlich, dass diese sich habe befreien können. Ob es eine Beziehung zwischen dem Angeklagten und der Frau gegeben habe, wollte Richter Best wissen.

Rente und Grundsicherungsleistung

Worauf der Polizist von den Wohnungsgegebenheiten im Waldtal berichtete und ergänzte, dass dieser sich das vielleicht gewünscht habe. Auch habe sich nicht bestätigt, dass es sich bei dem Vorfall um einen solchen in einer Unisex-Toilette gehandelt habe, sondern vielmehr soll dieser in einer Damentoilette erfolgt sein. Ein Kriminalhauptkommissar wurde ebenfalls zu den Vorkommnissen und seinen Vernehmungen befragt. Dieser bestätigte die seinerzeitigen Angaben der nicht erschienen Zeugen hinsichtlich der verbalen Äußerungen und eindeutigen Handzeichen.

Ein Sozialarbeiter der Beratungsstelle Wohnungsnotfallhilfe, der den Angeklagten seinerzeit bei der Wohnungssuche begleitet hatte, attestierte dem Angeklagten ein einwandfreies Verhalten ihm gegenüber. Seinen Lebensunterhalt bestreite dieser jetzt mit Rente und Grundsicherungsleistung. Warum es ehemals Probleme mit dem Wohnsitz gegeben habe, wollte Richter Best wissen.

Die Antwort lautete, sein Klient sei wohnungslos geworden. Er habe längere Zeit in einer Obdachlosenunterkunft gewohnt und sei nach deren Brand wiederum wohnungslos geworden. Einem weiteren Sozialarbeiter der Wohnungslosenhilfe der Stadt Gießen, dort war der Angeklagte im Zeitraum von März bis Juli 2016 untergebracht, waren ebenfalls keine Probleme innerhalb der Einrichtung bekannt. Dem Mann seien zuvor eine Hieb- und Stichwaffe sowie ein Elektroschocker abgenommen worden.

Verbales Verhalten eskalierte

Der Richter fragte, warum der Mann Waffen getragen habe. Der Sozialarbeiter sagte: „Die sich auf der Straße bewegen, sind alle bewaffnet.“ Er sei in dieser Zeit Zeuge zweier lauter, aggressiver und mit Kraftausdrücken gespickter Telefonate geworden, die der Angeklagte mit einer Dame geführt habe, sagte der Zeuge.

Als weitere Zeugen wurden Polizeibeamte vernommen. Ein Beamter berichtete von einem Einsatz 2016 im Waldtal mit einem Platzverweis für eine männliche Person. Der Polizist berichtete, dass der Mann wenig respektvoll gegenüber der Polizei aufgetreten sei, wohingegen das Verhalten der Frau mit aufgelöst, aufgeregt und verärgert beschrieben werden könne.

Weitere Zeuginnen der Arbeitsagentur, des Jobcenters und des BIZ berichteten von einem eskalierten verbalen Verhalten des Angeklagten im Zusammenhang mit dem Verfassen einer Bewerbung. Der Mann habe angedroht, dass „noch heute Köpfe rollen“. Ob diese Angriffe tätlich oder eher sinnbildlich zu werten seien, fragte Staatsanwalt Poppe nach.

Eine der Zeuginnen berichtete von der bedrohlichen körperlichen Nähe und Lautstärke des Angeklagten, die ihr Angst gemacht habe. Eine andere Zeugin sprach ebenfalls von Angstgefühlen und davon, dass sie einen Teamleiter aus einer Besprechung heraus zur Hilfe holte. Der Verteidiger des Angeklagten machte allen Zeuginnen gegenüber deutlich, dass sich sein Mandant für sein damaliges Verhalten entschuldige. Die Fortsetzung der Verhandlung ist für den 17. März anberaumt.

von Helga Peter     

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