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Marburg Zweitägiger Warnstreik am Uni-Klinikum
Marburg Zweitägiger Warnstreik am Uni-Klinikum
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20:58 06.12.2020
Bereits im September wurde am UKGM gestreikt. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Dienstag und Mittwoch dieser Woche legten die Beschäftigten am Uni-Klinikum Gießen die Arbeit während eines zweitägigen Warnstreiks nieder – kommenden Dienstag und Mittwoch, 8. und 9. Dezember, sind die Beschäftigten des UKGM Marburg zum Ausstand aufgerufen. Ausgenommen hat die Gewerkschaft Verdi beim Streikaufruf jedoch die Mitarbeiter aus dem Pflegedienst auf den „Corona-Stationen“, wie es im Streikaufruf heißt.

Doch warum der Warnstreik? „Keine Corona-Prämie, keine verbesserte Eingruppierung, kein Hessenticket – so sieht die Wertschätzung im Hause Rhön/Asklepios aus“, heißt es dazu im Streikaufruf. Das UKGM stehe zurzeit finanziell hervorragend da und mache durch zusätzliche Zahlungen des Bunds Rekordgewinne – den Beschäftigten jammere man indes die Ohren voll. „Wir wollen endlich die gleiche Eingruppierung wie die Kollegen an den öffentlichen Kliniken“, heißt es.

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Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, kommt es nun zum zweitägigen Warnstreik.

Ärzte des UKGM und der Pflegedirektor halten diesen in der jetzigen Pandemie-Situation für medizinisch und pflegerisch nicht zu vertreten. Professor Dr. Harald Renz, Ärztlicher Geschäftsführer: „Bei allem Verständnis für die Interessen der Mitarbeiter kommt dieser Streik zur Unzeit. Es ist nicht nachvollziehbar, warum inmitten der Corona-Pandemie die Versorgung unserer Patienten unnötigerweise gefährdet wird. Und wir sind jetzt schon am Anschlag unserer Intensivkapazitäten“, so Renz.

Professor Hinnerk Wulf, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, sieht, dass die „beruflichen und finanziellen Rahmenbedingungen in der Pflege“ weiter verbessert werden sollten – doch wäre durch den Streik aus seiner Sicht „die Patientenversorgung in Marburg akut gefährdet. Schon ohne Streik mussten wir in den letzten Tagen einige wichtige Tumor-Operationen und Herzoperationen verschieben“ – diese müssten dringend nachgeholt werden. „Das schaffen wir aber nur, wenn jetzt alle an Bord bleiben.“

Pflegedirektor Michael Reinecke plädiert ebenfalls für ein Fortführen der Tarifverhandlungen. „Dieser zum jetzigen Zeitpunkt unnötige Streik ist kein Streik für die Kolleginnen und Kollegen in diesem Klinikum, er ist auch kein Streik für die Patientinnen und Patienten, die bei uns auf Heilung oder Linderung hoffen. Es ist aus meiner Sicht ein Streik aus Prinzip und weit weg von der aktuellen Lebenswirklichkeit“, sagt er.

Dass es am UKGM keine Corona-Prämie gebe, sieht die Geschäftsführung anders – sie heiße nur nicht so: Demnach gebe es für Pflegekräfte, die überwiegend und unmittelbar Covid-19-Patienten versorgen, eine Infektionszulage in Höhe von 46 Euro pro Monat – jährlich also ein Gehaltsplus von rund 550 Euro.

Die staatliche Prämie gibt es am UKGM indes nicht – die Kritik, das Klinikum solle diese nun übernehmen, sei jedoch „wirtschaftlich derzeit nicht darstellbar“, erläutert Dr. Gunther K. Weiß, Vorsitzender der Geschäftsführung des UKGM. Dies bedeute eine Zusatzbelastung in Höhe von drei Millionen Euro – das sei nicht möglich, so Weiß. Denn durch die Corona-Pandemie gebe es eine „sehr schwierige ökonomische Lage aller Kliniken, von der auch das Universitätsklinikum nicht verschont bleibt“.

Von Andreas Schmidt

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