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Marburg Asbesthaltige Platten 
im Feld entsorgt
Marburg Asbesthaltige Platten 
im Feld entsorgt
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00:18 30.03.2019
Der verbliebene Angeklagte akzeptierte seine Geldstrafe wegen illegaler Entsorgung von asbestverseuchter Werkstoffe. Quelle: Volker Hartmann/dpa/Archiv
Marburg

Zwei Männer aus Ockershausen waren im Januar 2018 vom Amtsgericht wegen unerlaubten Umgangs mit Abfällen zu Geldstrafen in Höhe von 2.700 beziehungsweise 780 Euro verurteilt worden.

Sie hatten in der Marburger Feldgemarkung asbesthaltige Well-Eternitplatten zerkleinert und auf einem Feld entsorgt. Gegen das Urteil gingen die beiden in Berufung.

Die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Marburg dauerte gerade einmal eine halbe Stunde, nachdem sie mit einer Viertelstunde Verspätung begonnen hatte.

Grund für die Verzögerung war das Fehlen einer der Angeklagten, der auch nach den obligatorischen 15 Minuten Wartezeit nicht erschien. Daher sah sich seine Anwältin gezwungen, das Rechtsmittel unverrichteter Dinge zurückzuziehen.

„Da kommen Sie nicht mit durch“

Gleiches tat kurze Zeit später auch der zweite Angeklagte. Dessen Verteidiger versuchte zunächst noch zu argumentieren, der 55-Jährige habe nicht gewusst, dass die Platten Asbest enthielten. Die Platten seien noch zu Lebzeiten seines Vaters Mitte der 90er-Jahre von diesem angeschafft worden. Zu diesem Zeitpunkt sei eigentlich kein Asbest mehr verarbeitet worden.

Richter Gernot Christ antwortete darauf: „Selbst wenn es eine fahrlässige Geschichte wäre, bei den Vorstrafen ...“ Der Satz, den der Vorsitzende der zweiten Strafkammer nicht beendete, zeigte letztlich Wirkung. „Sie sind doch noch gut dabei weggekommen“, argumentierte Christ weiter.

Dennoch unternahm der Rechtsanwalt noch einen letzten Versuch: „Auf dem Dorf haben zwei Drittel der Bevölkerung das noch irgendwo liegen, um damit Holz abzudecken“ – die Erwiderung des Richters unterband den Berufungsansatz dann allerdings klar: „Da kommen Sie nicht mit durch“, erklärte Christ offen.

So kam es, wie zuvor von allen Beteiligten erwartet: Nach kurzer Beratung entschieden sich der Angeklagte und sein Verteidiger auf das Rechtsmittel zu verzichten. Die Kosten, die ihm dadurch entstanden, muss der Verurteilte dennoch tragen.

von Melchior Bonacker