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Marburg Zwei Marburger Musik-Nerds helfen Nachwuchsbands
Marburg Zwei Marburger Musik-Nerds helfen Nachwuchsbands
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11:58 16.03.2021
Yannik Pohl (links) und Niklas Vetter helfen jungen Bands mit MusikNah.
Yannik Pohl (links) und Niklas Vetter helfen jungen Bands mit MusikNah. Quelle: Foto: einfach.melv
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Marburg

Yannik Pohl und Niklas Vetter kommen aus der heimischen Musikszene. Yannik Pohl war Schlagzeuger bei Bands wie „Das Mittelmaß“ und „Doppelmoral“, Niklas Vetter spielt Bass bei der deutlich bekannteren Marburger Band „Bazu:ka“. Seit 2018 helfen die 24-jährigen aus Cappel deutschen Nachwuchsbands und jungen Interpreten beim Sprung in eine größere Öffentlichkeit. Anfangs klein mit einer Facebook-Seite.

Inzwischen haben sie einen Instagram-Kanal, eine Webseite und ganz neu einen Youtube-Kanal. „MusikNah“ nennen sie ihr ungewöhnliches Projekt, das nur in einer netzaffinen Gemeinschaft – Community heißt das neudeutsch – funktionieren kann. „MusikNah ist Kultur, Abwechslung und vor allem Musik. Die virtuelle Bühne für Musikerinnen und Musiker mit der du die Vielfalt der Musik entdeckst“, heißt es auf der Homepage. Noch ist „MusikNah“ eher ein recht zeitintensives Hobby neben der Ausbildung. Niklas Vetter studiert in Marburg Betriebswirtschaftslehre, Yannik Pohl macht ein duales Studium im Bereich Marketing.

Man könnte die beiden als Musik-Nerds beschreiben. Sie haben als junge Musiker am eigenen Leib erfahren, wie schwer es ist, die eigene Musik in eine breitere Öffentlichkeit zu transportieren, ganz besonders, wenn wegen der Corona-Pandemie Live-Auftritte gestrichen sind.

Die Idee hinter „MusikNah“ ist ebenso einfach wie für Musikerinnen und Musiker bestechend. „Jede Band, jede Interpretin oder Interpret kann sich bei uns etwa als ,Stage-Talent der Woche’ auf Instagram bewerben. Pro Woche stehen immer fünf Gruppen zur Wahl. Den Sieger vermitteln wir weiter an Radiostationen, mit denen wir zusammenarbeiten“, sagt Yannik Pohl. Es sind mittlerweile rund 30 kleine Internetsender wie „Radio Ohrwurm“ oder „Little Star Radio“, zu denen „MusikNah“ Kontakt hat. „Die suchen ständig neue Musik und wollen dadurch auch ihre Reichweite und ihren Bekanntheitsgrad erhöhen, denn die Fans der Bands schalten dann natürlich ein, wenn deren Musik gespielt wird. Es ist eine Win-Win-Situation für alle.“

Alleine im vergangenen Jahr hat „MusikNah“ auf diese Weise 45 Stage-Talents gekürt – sie kommen aus ganz Deutschland und mittlerweile auch aus dem deutschsprachigen Ausland. „Vor allem in der Wiener Szene hat sich MusikNah schon sehr gut herumgesprochen“, sagt Pohl. Auf der Homepage gibt es zudem Kurzbesprechungen der Bands und ihrer Musik. Mittlerweile gehen stapelweise CDs bei den beiden Cappelern ein. Die Schränke quellen über, so dass Pohl und Vetter inzwischen für kleines Geld auch Überraschungs-Pakete an Fans verkaufen.

Neu bei MusikNah ist der Youtube-Kanal. Dort stellen Yannik Pohl und Niklas Vetter alle zwei Wochen etwa sechs bis acht Bands ganz kurz vor, kommentieren Musik- und Videoausschnitte. „Wir müssen uns selbst noch finden, noch viel lernen“, sagt Yannik Pohl. „Wir bekommen trotzdem viele positive Rückmeldungen. Die Szene verzeiht viel, sie ist dankbar. Denn so etwas gibt es bislang nicht.“

Alle zwei Wochen sollen neue Youtube-Beiträge erscheinen, maximal 15 Minuten lang ist das Ziel. Warum so kurz? „Wenn ich sehe,dass ein Youtube-Video 60 Minuten lang ist, schaue ich es mir oft erst gar nicht an“, meint Yannik Pohl. Kurz und knackig sollen die Beiträge sein. Die Zahl der Abonnenten und Zugriffe ist aber noch überschaubar. Doch das schreckt die beiden nicht ab, denn jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, sagt eine Redensart.

All das kostet viel Zeit – neben Ausbildung und Job. Und was machen sie in ihrer Freizeit? „Das ist unsere Freizeit“, sagt Pohl. Derzeit tüfteln die beiden an einem regionalen Online-Wettbewerb, haben dafür schon Kontakt mit der Waggonhalle aufgenommen.

Ganz alleine aber schaffen sie das alles nicht. Paul Abel (24) aus Oberwalgern und Yanniks Bruder Marvin (21) halten ihnen den Rücken frei. Paul Abel betreut die Website und Marvin Pohl macht unter seinem Künstlernamen „einfach.melv“ für die beiden die Fotos, schneidet die YouTube-Videos und erledigt sonstige grafische Aufgaben. „Ohne die beiden wär MusikNah sicherlich eine Ecke kleiner und unprofessioneller“, meint Yannik.

Zu finden ist MusikNah unter folgenden Adressen: www.musiknah.de, Facebook: www.facebook.com/MusikNah; Instagram: www.instagram.com/musiknah; YouTube: https://www.youtube.com/channel/UCYxXk_uD2282WYfDwUaLt3w – einfacher geht es mit dem Suchbegriff „musiknah“

Von Uwe Badouin