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Marburg Zwei Geimpfte auf Intensivstation
Marburg Zwei Geimpfte auf Intensivstation
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15:58 21.09.2021
Im Marburger Uni-Klinikum liegen sehr wenige gegen Corona Geimpfte auf der Intensivstation.
Im Marburger Uni-Klinikum liegen sehr wenige gegen Corona Geimpfte auf der Intensivstation. Quelle: Symbolfoto: Sebastian Gollnow/dpa
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Marburg

Die Inzidenz hat ausgedient: Statt sich im Umgang mit der Corona-Pandemie daran zu orientieren, wie viele neue Infektionsfälle es gibt, wird auch in Hessen künftig darauf geschaut, wie viele Erkrankte auf der Intensivstation liegen.

Wie ist die Situation diesbezüglich im Landkreis? Das haben wir die Pressestellen von Kreisverwaltung und Universitätsklinikum gefragt. „Wir können lediglich Auskunft zu den Personen geben, die im Landkreis Marburg-Biedenkopf wohnen und somit in den Zuständigkeitsbereich des Gesundheitsamtes fallen“, sagt Stephan Schienbein, Sprecher des Kreises.

Der Kreis veröffentlicht täglich in einer Statistik die aktuellen Zahlen, auch auf seiner Facebook-Seite. Und dort taucht eine Frage immer wieder auf: Wie viele der Patienten, die mit oder wegen einer Covid-19-Erkrankung im Uni-Klinikum oder gar auf der Intensivstation liegen, sind durchgeimpft?

Um dies zu beantworten, wirft man beim Gesundheitsamt einen Blick in die Statistik, der zunächst einmal zu entnehmen ist, dass seit Beginn der Pandemie bis zum 8. September insgesamt 173 Menschen aus dem Landkreis auf der Intensivstation behandelt wurden, die als Covid-19-Patienten geführt werden.

Von diesen seien lediglich zwei Patienten vollständig geimpft gewesen, haben also die zum Impfschutz erforderlichen Injektionen komplett erhalten. Stand: Freitag, 17. September. Und beide hatten mehrere Vorerkrankungen, was bei der Beurteilung des Impfschutzes eine wichtige Rolle spielt. Denn nach allem, was die Medizin bislang über Corona weiß, kann beispielsweise die Einnahme von Medikamenten nach einer Organtransplantation die Wirkung der verabreichten Impfdosen abschwächen oder zumindest verändern. Mit Blick auf sämtliche Corona-Fälle im Kreis beziffert Schienbein die Impfdurchbrüche – also jene Fälle, in denen Patienten trotz vollständiger Impfung an einer Covid-19-Infektion erkranken – mit 16 Prozent. Anders als für den Bundesdurchschnitt, den das Robert Koch-Institut seit Februar ermittelt, betrachtet der Kreis dafür jedoch die Situation seit Anfang Juni – und dabei auch jene Fälle, in denen die Patienten keine Symptome aufweisen. „Ein Vergleich wäre daher wie jener von Äpfeln mit Birnen“, sagt Stephan Schienbein.

In absoluten statt prozentualen Zahlen relativiert sich die Ziffer ohnehin, wie die beiden Fälle auf der Intensivstation beweisen. „Aus unserer Sicht zeigen die Impfungen einen enormen Erfolg, insbesondere bei den Risikogruppen“, betont Christine Bode, Sprecherin des Universitätsklinikums Gießen und Marburg.

Welche Rolle spielen die Vorerkrankungen? „Aber auch generell lässt sich ablesen, dass die Impfung einen wirksamen Schutz gegen das Ausmaß einer Erkrankung mit Covid-19 bietet.“ Eine weitere Frage, die die Menschen im Kreis umtreibt, wenn man den Kommentaren auf Facebook glauben mag, ist die nach der Altersstruktur der Corona-Patienten. Hat diese sich seit Beginn der Impfungen verändert? Grundsätzlich gibt es nach den Zahlen, die Stephan Schienbein der Statistik entnommen hat, längst keinen Grund mehr, Corona als ein Problem für ältere Menschen zu sehen. So war der jüngste erfasste Patient nicht einmal ein Jahr alt, der älteste hingegen älter als 100 Jahre.

Der Altersdurchschnitt lag vor einem Jahr mit 40 Jahren am niedrigsten und hatte seinen höchsten Stand im Februar, als er bei 44,3 Jahren lag. Aktuell beträgt er nach Angaben des Kreissprechers 40,9 Jahre, liegt also nur noch knapp über dem Tiefststand.

„Zu unseren jüngsten Patienten gehören schon Neugeborene“, bestätigt Klinikumssprecherin Christine Bode. „Unser ältester Covid-Patient war 100 Jahre alt.“ Der Altersdurchschnitt sei einige Monate nach Start der Impfungen „deutlich nach unten gegangen“, ergänzt sie in Bezug auf die Patienten des Uni-Klinikums.

Und welche Rolle spielt die gesundheitliche Konstitution der Corona-Patienten? Auch dazu hat der Landkreis einige Zahlen ermittelt: In 10 046 von 11 640 Fällen hatte das Gesundheitsamt die Möglichkeit, die Patienten nach einer eventuellen Vorerkrankung zu fragen. 8 457 dieser Patienten waren jünger als 60 Jahre – vorerkrankt waren davon 1 428. 1 589 Menschen hatten ihren 60. Geburtstag bereits hinter sich, 994 von ihnen gaben an, eine Vorerkrankung zu haben.

Von Markus Engelhardt

Auf Intensivstationen 81 Prozent der Corona-Patienten ungeimpft

Die Corona-Lage in den hessischen Krankenhäusern hat sich leicht verbessert. Wie das Sozialministerium gestern mitteilte, lag die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz im Land bei 2,1. Der Wert beschreibt, wie viele Personen je 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen wegen einer Corona-Erkrankung im Krankenhaus landesweit neu aufgenommen wurden. Am Freitag hatte der Wert noch 2,24 betragen.

81 Prozent der auf hessischen Intensivstationen behandelten Patienten mit einer Covid-19-Infektion sind nach Angaben des Ministeriums ungeimpft. Bei vier Prozent sei der Impfstatus unbekannt. Bei den 15 Prozent der Geimpften handele es sich überwiegend um hochbetagte Personen mit weiteren Vorerkrankungen. dpa

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