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Marburg Von Null bis Dreihundert
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15:59 16.07.2020
Das Tablet ergänzt den klassischen Unterricht und erleichtert das „Homeschooling" in Corona-Zeiten. Quelle: Michael Rinde
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Marburg

Im Juni überreichten gleich zwei hessische Minister in Kirchhain erste Tabletcomputer, die kostenfrei an Schüler ausgegeben werden. Als die OP darüber auch  online berichtete , löste das zahlreiche Rückmeldungen auf der Facebookseite dieser Zeitung aus.

Vor allem wunderten sich viele Kommentatoren, dass Kinder und Eltern diese Geräte kostenfrei bekommen. Sie selbst hätten 300 Euro dafür bezahlt. Stimmt. Denn es gibt unterschiedliche Einsatzmodelle für die Tabletcomputer der Marke Apple im Landkreis.

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Das „Sofortausstattungsprogramm“ von Bund und Land, das den Kauf von mehreren Tausend Geräten im Kreis ermöglichen wird, ist vor allem für Kinder gedacht, deren Familie sich kein solches Endgerät so ohne Weiteres leisten können.

Bei der Übergabe der ersten Geräte im Medienzentrum des Kreises in Kirchhain hatte Schuldezernent Marian Zachow klar betont: „Die Nutzung solcher Geräte für das Lernen im Unterricht und zu Hause darf nicht vom Geld abhängen“.

Einkommenssituation wird berücksichtigt

Doch wie wird geprüft, ob ein Kind ein kostenfreies Gerät aus diesem Programm bekommen kann? Der Kreis wolle den Kindern den Zugang so leicht wie möglich machen, heißt es in der Antwort auf die entsprechende Nachfrage dieser Zeitung.

„Dazu berücksichtigen wir neben der pädagogischen Notwendigkeit vor allem die Einkommenssituation aber auch die Größe der Familie, also ob beispielsweise mehrere Kinder ausgestattet werden müssen“, erläutert Sascha Hörmann, der stellvertretende Pressesprecher der Kreisverwaltung.

Ein Überblick über die verschiedenen Einsatzmodelle und Zuzahlungen für Tabletcomputer, also iPads, im Landkreis Marburg-Biedenkopf:

Das Sofortausstattungsprogramm: 500 Millionen Euro gibt der Bund, auf Hessen entfallen 37 Millionen Euro. Davon geht nach aktuellem Stand etwa eine Million Euro in den heimischen Landkreis. Der Kreis will seinerseits weitere 250.000 Euro aus seinem Etat aufbringen.

Kreis baut iPad-Klassen-Modell aus

Mit diesem Geld will der Landkreis zwischen 3.000 und 3.300 Geräte anschaffen, die an Kinder ausgegeben werden. Das berichtet Sascha Hörmann gegenüber dieser Zeitung. Die Kinder bekommen ihr Gerät für die Dauer ihrer gesamten Schulzeit leihweise zur Verfügung gestellt. Es bleibt ihnen und den Eltern überlassen, ob sie sie danach vom Kreis kaufen oder zurückgeben.

iPad-Klassen: Dieses Modell baut der Kreis jetzt weiter aus. Seit dem Schuljahr 2017/2018 nehmen mehr als 350 Schüler der Georg-Büchner-Schule Stadtallendorf, der Mittelpunktschule Wohratal und der Gesamtschule Ebsdorfergrund am Modell iPad-Klassen teil. Und es sollen im neuen Schuljahr und ganz unabhängig von der Corona-Krise noch einmal mehr werden.

Medienzentrum stellt Apps bereit

So wird die Martin-von-Tours-Schule in Neustadt mit der fünften Jahrgangsstufe und 26 Schülern und die Georg-Büchner-Schule mit weiteren 120 Schülern aus dem kompletten Jahrgang 7 teilnehmen. Bei den iPad-Klassen zahlen die Eltern einmalig 200 Euro für den Kauf des Gerätes, das dann aber weiterhin vom Medienzentrum des Kreises administriert, also betreut und verwaltet wird.

Das Medienzentrum stellt ausgewählte Apps, also Programme, bereit. Familien, die sich kein Gerät leisten können, werden in diesem Fall bisher von den Fördervereinen der Schulen unterstützt.

An der Gesamtschule Ebsdorfergrund startet im neuen Schuljahr ein Pilotprojekt mit allen 800 Schülern. Dort kaufen die Eltern das Gerät wahlweise für einmalig 300 Euro vom Landkreis oder zahlen monatlich den Betrag von 10 Euro für die Dauer von 30 Monaten. Bei dieser Variante gilt folgende Regel: Verlassen die Schüler die Schule vor Ablauf von drei Jahren, so der Landkreis, dann muss das Gerät entweder zurückgegeben werden oder die Eltern kaufen es für den noch offenen Restbetrag.

Erklärtes Ziel des Kreises ist es, bis Ende dieses Jahres 5.000 Geräte im Unterricht im Einsatz zu haben. Zu den Geräten, die Eltern für ihre Kinder erwerben oder die den Kindern leihweise überlassen werden, kommen nach derzeitigem Stand rund 1.100 Geräte, die in den Schulen bereitstehen.

Von Michael Rinde

16.07.2020
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