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Marburg Buchbranche atmet vorsichtig auf
Marburg Buchbranche atmet vorsichtig auf
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15:00 23.03.2019
Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse kamen zahlreiche Besucher auf das Messegelände. Quelle: Sebastian Willnow
Leipzig

Pünktlich zum Beginn der Leipziger Buchmesse, die am Donnerstag, 21. März eröffnet wurde, sieht sich die Branche nach harten Jahren im Aufbruch. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis, am Mittwoch in Leipzig.

Jüngste Analysen interpretierte er mit drastischen Worten: „Wir haben ein Riesenproblem in der Branche“. Die Zahl der Buchkäufer sei in den Vorjahren deutlich zurückgegangen, Käufer fühlten sich zu weit weg von den Anbietern. Deswegen seien an vielen Stellen schon erste Konsequenzen gezogen worden.

Skipis: "Diese Branche ist im Aufbruch"

Führende Buchhändler veränderten ihre Ladenkonzepte, um den Kunden mit neuer Ansprache gerecht zu werden. Über soziale Medien würden Verbindungen neu geknüpft, Kontakte auch jenseits von Buchhandlungen gesucht. Dies zeige bereits Erfolge.

So habe die Branche den Umsatz 2018 halten können. Die Zahl der Buchkäufer sei erstmals seit 2012 wieder gestiegen, 2018 trugen danach 300.000 Menschen mehr als im Vorjahr ein Buch zur Kasse. In den ersten beiden Monaten 2019 sei zudem ein Umsatzplus von 4,5 Prozent erwirtschaftet worden.

„Das ist nahezu einmalig in der Vergangenheit gewesen.“ Zudem sei der Bücherabsatz um zwei Prozent erhöht worden. „Wir gehen zuversichtlich und selbstbewusst in dieses Jahr“, sagte Skipis. „Diese Branche ist nicht in einer Krise, diese Branche ist im Aufbruch.“

55 Autorinnen und Autoren präsentiert das Gastland Tschechien in Leipzig. Insgesamt 70 Neuerscheinungen zeigt Tschechien auf der Buchmesse – eine riesige Zahl gemessen an den fünf oder sechs Büchern, die sonst pro Jahr in Deutschland erscheinen.

Rund 285.000 Gäste werden erwartet

Insgesamt 2.547 Aussteller erwarten die Besucher bis zum Sonntag auf dem Messegelände. Erwartet werden rund 285.000 Gäste. Parallel dazu lädt das Festival „Leipzig liest“ zu zahlreichen Lesungen ein.

Während des Festaktes zur Eröffnung erhielt die russisch-amerikanische Autorin Masha Gessen am Mittwochabend den mit 20.000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

Heinrich Riethmüller warnte für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels angesichts nationalistischer Bewegungen in Europa, „das Feld nicht denen zu überlassen, die Freiheiten einschränken oder abschaffen wollen, die sich abschotten und Grenzen oder Zäune aufziehen möchten“. Es sei entscheidend, „immer wieder für unsere Werte einzutreten, sonst sind sie eines Tages nicht mehr da“.

Der Leipziger Buchpreis geht an Anke Stelling

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte: „Demokratie braucht Sprachkünstler, Querdenker und Freigeister – und dazu Verlegerinnen und Verleger, die sich als deren Wegbereiter verstehen.“

Die Autorin Anke Stelling wurde gestern für ihren Roman „Schäfchen im Trockenen“ in der Kategorie Belletristik mit dem renommierten Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Weitere Preisträger sind Harald Jähner für das Werk „Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955“ in der Sparte Sachbuch/Essayistik sowie Eva Ruth Wemme für die Übertragung des Werks „Verlorener Morgen“ von Gabriela Adamesteanu aus dem Rumänischen in der Sparte Übersetzung.

Der Preis der Leipziger Buchmesse zählt zu den wichtigsten Literaturauszeichnungen in Deutschland. Er ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert. Für den Sieg gibt es in jeder Kategorie 15.000 Euro, die fünf Nominierten in jeder Sparte erhalten jeweils 1.000 Euro.

Stelling setzt sich gegen vier Romanautoren durch

Anke Stelling erzählt in „Schäfchen im Trockenen“ (Verbrecher Verlag) von der Mittvierzigerin Resi, die mit ihrer Freundesclique nicht mithalten kann und sich angesichts einer Wohnungskündigung mit der harten und enttäuschenden Wirklichkeit konfrontiert sieht.

Anke Stelling, geboren 1971 in Ulm, lebt in Berlin. Sie hat ein Kinderbuch sowie sieben Romane, zwei davon gemeinsam mit Robby Dannenberg, verfasst. „Bodentiefe Fenster“ (2015) stand auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Stelling setzte sich gegen die ebenfalls nominierten Romanautoren Kenah Cusanit („Babel“), Matthias Nawrat („Der traurige Gast“), Jaroslav Rudiš („Winterbergs letzte Reise“) und Feridun Zaimoglu („Die Geschichte der Frau“) durch.

von Birgit Zimmermann und Gerd Roth