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Marburg Zulassungsrekorde: Mittelhessen fahren auf Autos ab
Marburg Zulassungsrekorde: Mittelhessen fahren auf Autos ab
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11:58 12.07.2021
Noch immer Autostadt: Stau in der Marburger Nordstadt auf der Bahnhofstraße (Archivfoto).
Noch immer Autostadt: Stau in der Marburger Nordstadt auf der Bahnhofstraße (Archivfoto). Quelle: Tobias Kunz
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Marburg

Kfz statt Klimaschutz, Hänger statt Homeoffice: Im Landkreis Marburg-Biedenkopf fahren immer mehr Autos. Die Zahl der zugelassenen motorisierten Fahrzeuge ist während der Corona-Pandemie weiter auf ein Rekordniveau von 144.000 Autos und mehr als 200.000 Fahrzeuge insgesamt gestiegen. Das teilte die Kreisverwaltung auf OP-Anfrage mit. Vom Marburger Klimanotstandsbeschluss 2019 über landkreisweite Radwege- und Nahverkehrsausdehnung geht es bei allen Bemühungen um das immer selbe: Mehr Menschen in Stadt und Umland von anderen Fortbewegungsmitteln als dem Auto zu überzeugen.

Doch die Realität in Mittelhessen – einer dörflich und nicht urban geprägten Region – sieht anders aus. Im Laufe des letzten Jahrzehnts, beziehungsweise seit 2009, ist die Zahl der im Landkreis Marburg-Biedenkopf zugelassenen Autos um 16 Prozent, die Zahl aller motorisierten Fahrzeuge wie etwa Motorräder oder Roller um 25 Prozent gestiegen.

Viele Pendler

Dabei ist die Einwohnerzahl im Kreis mit etwa 246.000 Menschen seit vielen Jahren recht konstant. Heißt: Zwischen Neustadt und Bad Endbach, zwischen Münchhausen und Fronhausen fahren immer mehr Autos, Lkw und Motorräder auf den Straßen.

Für die Universitätsstadt alleine liegen keine Zulassungszahlen vor – dass aber zumindest der Pendelverkehr in Marburg zunimmt, liegt nahe. 30.000 Erwerbstätige pendeln laut der aktuellen Analyse des Statistischen Landesamts täglich ein, 11.000 pendeln raus. Und Experten gehen nach Fertigstellung der A 49 bei Stadtallendorf von einer weiteren Verkehrszunahme – mindestens auf der Stadtautobahn – aus.

Das Marburger Verkehrsgutachten

Seit fast drei Jahren gibt es in Marburg die Ankündigung eines Verkehrsgutachtens, die Stelle des Mobilitätsmanagers wurde im Nachgang der Kontroverse um den „Allnatalweg“ im Marburger Westen geschaffen und vor rund zwei Jahren besetzt. Statt Ergebnissen und Lösungsvorschlägen gibt es seit mehreren Monaten mit „Move35“ ein neuerliches Verkehrsplenum, das Probleme, Bedarfe und Ideen berät.

Anstieg der zugelassenen Autos im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Quelle: mr//media

Die Zahl der Carsharing-Nutzer in Marburg ist „Scouter“-Angaben zufolge indes im vergangenen Jahr um 21 Prozent auf 2150 gestiegen.

Kaufprämie sorgt für E-Auto-Verdoppelung

Auffällig: Der E-Auto-Boom ist anhand der aktuellen Daten der heimischen Zulassungsbehörde sichtbar. So gab es zwischen Juli 2019 und Juli vergangenen Jahres 758 Elektro- und Hybrid-Neuzulassungen. Mit Beginn der bundesweit eingeführten „E-Auto-Kaufprämie“ im Sommer 2020 bis jetzt sind es mit rund 1.700 mehr als doppelt so viele Neuzulassungen wie im vorangegangenen Zwölf-Monats-Zeitraum. Zur Einordnung der Entwicklung: Im ganzen Jahr 2019 gab es im Landkreis weniger als 1.500 E- und Hybrid-Wagen.

Die Bundesnetzagentur weist zum Stichtag 1. Mai dieses Jahres insgesamt 57 Ladepunkte, davon drei Schnellladepunkte, an 28 Standorten im Kreis Marburg-Biedenkopf aus – alle öffentlich nutzbar. Zudem hat die Kreisverwaltung nach eigenen Angaben seit 2019 zusammen mit Sparkasse und EAM 222 Ladestationen bei Bürgern, Vereinen und Unternehmen gefördert.

Die gesamte Zulassungsentwicklung

Auch bei der gesamten Zulassungsentwicklung, die auch Verbrennermotoren einschließt, ist sichtbar, dass die Corona-Pandemie zwar zu einer tiefen Delle, aber nicht zu einem dauerhaft anhaltenden Trend führte. Bestes Beispiel: Während es im April 2020 nur 369 Auto-Anmeldungen gab, waren es im April dieses Jahres fast 200 mehr.

Marburg-Biedenkopf liegt damit voll im Trend der steigenden Autodichte in Hessen. Wie aus Daten des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht, gab es landesweit 600 Autos je 1.000 Einwohner, Anfang 2020 waren es noch 597. Bundesweit sieht das ähnlich aus, stieg die Autozahl von 575 auf 580 pro 1 000 Einwohner. Und das auch in vielen Städten und Metropolregionen wie etwa Freiburg (1,7 Prozent) oder Bochum (2,2 Prozent).

„Der Trend ist nicht zu erkennen“

Nur rund um die großen Autobauer-Städte wie Wolfsburg oder Ingolstadt gab es große Rückgänge – Experten schätzen, dass dort viele Dienstwagen abgemeldet wurden. „Weg vom Auto? Dieser oft behauptete Trend ist nicht zu erkennen“, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des Center Automotive Research an der Universität Duisburg.

Weitere Informationen

Das Antragsformular für Förderung privater Ladesäulen gibt’s hier

Von Björn Wisker