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Marburg Zukunftstag an der Steinmühle
Marburg Zukunftstag an der Steinmühle
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14:00 30.09.2020
Michael Müller und Celina Preisig leiteten einen Finanzworkshop an der Steinmühle. Quelle: Carsten Beckmann
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Marburg

Ben Göbel hat es am eigenen Leib erfahren: „Als ich anfing, in Kassel Wirtschaftswissenschaften zu studieren und ich gleichzeitig eine Start-up-Firma gründen wollte, stand ich vor einem Berg von Fragen, die sich um Finanzen und Steuern drehten.“

Göbel stieß bei der Suche nach Antworten auf den ebenfalls in Kassel ansässigen gemeinnützigen Verein „Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung“, für den er mittlerweile ehrenamtlich tätig ist. Eines der Angebote des Vereins sind sogenannte Zukunftstage, in deren Verlauf Schülerinnen und Schüler gymnasialer Oberstufen eine Art Crashkurs in Sachen Finanzen erhalten. Mit seiner Kollegin Anna Proetl besuchte Ben Göbel in der vergangenen Woche die Steinmühle, um gemeinsam mit Fachleuten Schülerinnen und Schüler zu informieren.

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Die Vereinsmitglieder sind bundesweit unterwegs, um diese Zukunftstage zu organisieren. Dazu suchen sie sich jeweils vor Ort Experten, die in mehreren Workshop-Runden einen Vormittag lang Rede und Antwort stehen. Dabei geht es um die vier Themenbereiche Krankenversicherung, Wohnen, Finanzen und Steuern. „Die eigenen Eltern sind häufig nicht aktiv genug, wenn es darum geht, ihre Kinder über Finanzfragen aufzuklären“, sagt die 22-jährige Anna Proetl im Gespräch mit der OP. Wichtig ist der angehenden Soziologin und Politikwissenschaftlerin, dass die Referenten bei den Veranstaltungen keine Werbung für ihr eigenes Unternehmen machen, sondern sachlich informieren und mit Beispielen aus dem Alltag „Wissen zum Anfassen“ vermitteln.

So wie Michael Müller und Celina Preisig, die an diesem Vormittag vor den jungen Steinmühlen-Schülern stehen. Zwar führt kein Weg daran vorbei, zu erwähnen, dass die beiden Finanzexperten bei der Volksbank ihr Geld verdienen, aber Werbung machen die beiden Berater höchstens dafür, sich so früh wie möglich um die eigenen Finanzen zu kümmern.

Viele der Schülerinnen und Schüler sind offenbar recht gut informiert über die Geldpolitik der Europäischen Union, über Zinsen und Leitzinsen sowie über Anlagemodelle. Und sie scheinen trotz ihres jugendlichen Alters auf Nummer Sicher gehen zu wollen: „Man weiß nie, ob eine Krise kommt – besser, man hat Rücklagen“, sagte ein Schüler während des Finanz-Workshops. Berater wie Müller und Preisig wollen die jungen Menschen in ihrer Welt abholen – und das gehe am ehesten über die Socialmedia-Kanäle, sagen sie in der Steinmühle und versichern: „Wir sind nicht nur die spießigen Anzugträger, sondern auch cool.“

Dass für die „Fridays-For-Future-Generation“ zum Cool-Sein auch das Thema Nachhaltigkeit gehört, weiß Müller, und daher rät er seinen Zuhörern: „Schaut euch die Menschen genau an, die Verantwortung tragen in den Institutionen, denen ihr euer Geld anvertraut.“

Reaktionen von Schülern

Veit Gemmer, 18 Jahre: Dass all diese Themen an einem Tag vermittelt werden, zeigt aus meiner Sicht einen Missstand im Bildungssystem auf. Man sollte die angesprochenen Bereiche zumindest in den Projektunterricht integrieren. Man kann es ja „Lebenskunde“ nennen – oder wie auch immer.

Lasse Michel, 18 Jahre: Es war sehr hilfreich, zum Beispiel die Experten aus dem Finanzbereich zu hören – zumal ich selber an diesem Thema interessiert bin. Man konnte wichtige Hinweise mitnehmen und weiß nun: Bei Geldanlagen ist Nichtstun das Schlimmste. Und Geldanlegen kann schon bei Kleinstbeträgen anfangen.

Tara Michels, 19 Jahre: Ich finde es nicht gut, dass Schule solche Inhalte nicht ohnehin vermittelt. Nun erhält man viele Informationen an einem einzigen Tag. Genug ist das nicht. Es ist aber ein Anfang und geht in die richtige Richtung.

Franca Törner, 18 Jahre: Wenn man die Schule verlässt, muss man in Bezug auf alltägliche Dinge ins kalte Wasser springen. Vieles haben ja vorher die Eltern geregelt. Ich finde es gut, wenn man sich darauf nicht komplett verlassen muss sondern sich selber etwas auskennt.

Von Carsten Beckmann

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