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Marburg Das Kreuz mit dem Z
Marburg Das Kreuz mit dem Z
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18:00 26.04.2022
Ein Teil der Marburger Zonta-Frauen.
Ein Teil der Marburger Zonta-Frauen. Quelle: Privatfoto
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Marburg

Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine reichen inzwischen in viele Bereiche unseres Alltags hinein. Aber dass eine wohltätige Organisation darauf verzichtet, ihr typisches Abzeichen zu tragen, das ist doch überraschend.

Der Grund: die Ähnlichkeit mit dem Buchstaben Z, der von der russischen Armee im Angriffskrieg derzeit als Erkennungs- und Siegeszeichen genutzt wird. Das Z steht auf Russisch für „Za Pobedu“, auf Deutsch „Für den Sieg“. Das Zeigen des Z-Symbols in diesem Zusammenhang kann als öffentliche Billigung des russischen Kriegs gegen die Ukraine in Deutschland sogar strafbar sein.

Und zunehmend tauchen auch bei uns im Kreis solche Symbole mit dieser offensichtlichen Zielrichtung auf. Das Verbot gilt natürlich nicht für den Buchstaben an sich. Doch ihn zu verwenden, kann zu Irritationen führen.

Auch die Zonta-Clubs kürzen sich mit einem Z ab und haben entsprechende Embleme, die sie bei ihren Veranstaltungen mit Stolz tragen. Derzeit tun sie das aber nicht, wie Christine Dersch berichtet: „Wir haben Unbehagen, unser Zeichen zu tragen. Deshalb benutzen wir es derzeit nicht.“ Auch ein neuer Imagefilm, in dem unter anderem durch ein Flugzeug ein Z in die Luft geschrieben werde, wurde deshalb vorerst zurückgehalten, erzählt die Marburgerin.

Noch keine schlechte Erfahrungen

Schlechte Erfahrungen habe man zwar noch nicht gemacht, sagt Dersch, langjährige Vorsitzende des Marburger Zonta-Clubs und ab Juni als „Zonta District Governor“ für 58 Zonta-Clubs in Deutschland, der Schweiz, Italien, Liechtenstein, Tschechien und der Türkei zuständig.

Allerdings wollen die Frauen auch von vornherein überhaupt keine Missverständnisse aufkommen lassen. Zumal sie sich ja auch gerade in dieser Zeit besonders für die Ukraine und die Flüchtlinge aus dem Land einsetzen. Zuletzt fand zum Beispiel Anfang April in Marburg zusammen mit der Steinmühle und der Stadt eine Fahrradsammelaktion statt, damit ukrainische Flüchtlinge mobil werden. Und bei Zonta-Spendensammlungen seien in kurzer Zeit insgesamt schon 250 000 Euro für die Ukraine zusammengekommen, berichtet Dersch.

Das Zonta-Emblem besteht nicht nur aus einem Z, wie es von Russland verwendet wird, sondern es ist ein komplexes Logo, das aus mehreren übereinander angeordneten und zusammengesetzten Symbolen der Sprache der amerikanischen Ureinwohner Sioux entlehnt ist und in der Mitte ein asymmetrisches Z trägt. Allerdings sind die Organisation und ihr Emblem auch nicht jedem bekannt. Deshalb verzichte man bis auf Weiteres auf die Nutzung, so Dersch. Und es gebe auch andere Embleme, auf die man ausweichen könne, etwa welche mit dem kompletten Schriftzug. Aber viele Zontians trügen normalerweise lieber die etwas dezenteren Abzeichen nur mit dem Emblem.

Der Zonta-Club

Zonta ist eine weltweite Serviceorganisation von Frauen für Frauen. Das gemeinsame Ziel ist laut Mitteilung des Clubs, die Stellung von Frauen zu verbessern, in rechtlicher, wirtschaftlicher und gesundheitspolitischer Hinsicht sowie Seite an Seite einzustehen für ein Leben in Gleichberechtigung und ohne Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Dazu werden unter anderem Stipendien vergeben und mit Spenden Einrichtungen unterstützt, die Frauenrechte schützen. Weltweit gibt es 32 Distrikte. Einen davon wird die Marburgerin Christine Dersch ab Juni für zwei Jahre leiten. Zur Vorbereitung wurde sie wie ihre Governor-Kolleginnen vor Kurzem im Hauptquartier von Zonta International in Chicago geschult.

Dem Marburger Club gehören zurzeit 24 Frauen aus unterschiedlichen Berufen an. Außerdem wurde ein sogenannter Golden Z Club gegründet, der Marburger Studentinnen offen steht und diese fördern soll. Der Marburger Zonta-Club sammelt Spenden, fördert ein Projekt zur Verhinderung von Kinderehen und setzt sich lokal für Frauenprojekte ein – wie für den Frauennotruf in Marburg und Wendo.

Von Michael Agricola