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Marburg Zoff um Landhotel in Dagobertshausen
Marburg Zoff um Landhotel in Dagobertshausen
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11:45 04.11.2019
Die Luftaufnahme zeigt in der Mitte das Hofgut mit dem gegenüberliegenden Mengelhof.  Quelle: Karl Krantz
Dagobertshausen

Rund 25 Bürgerinnen und Bürger waren am Donnerstag zur öffentlichen Sitzung des Ortsbeirates Dagobertshausen in die Alte Schule nach Wehrshausen gekommen. Grund für das große Interesse war der Tagesordnungspunkt „Bauantrag Im Dorfe 7.“

Ortsvorsteher Peter Reckling stellte das dort, auf dem ehemaligen Mengelhof, geplante Hotel anhand des vorliegenden Bauantrages vor. Weder Bauherr noch die Vertreter des Hofgutes waren nicht zur Sitzung gekommen.

Verdient das geplante Projekt noch den Namen „kleines Landhotel“? Laut den Plänen, die Reckling vorstellte, soll hier ein Hotel mit 28 Zimmer und 56 Betten entstehen. Zudem sind ein Restaurant mit 56 Sitzplätzen im Erdgeschoss und ein Restaurant mit 66 Sitzplätzen im Obergeschoss, vier kleinere Konferenzräume mit jeweils 10 bis 12 Sitzplätzen sowie ein großer Tagungsraum mit 66 Sitzplätzen im Obergeschoss der ehemaligen Scheune geplant.

Die Scheune und das ehemalige Herrenhaus des Mengelhofes müssen laut Denkmalschutz erhalten bleiben. Ebenso sollte der Neubau in seiner Fläche innerhalb der Größe des ehemaligen Gesamt-Ensembles des ­Hofes stattfinden. Ein geplanter Wintergarten auf der Rückseite der großen Scheune sowie die geplanten Balkons in Richtung Ortsdurchfahrt überschreiten bereits die einmal ursprünglich bebaute Fläche.

Vertreter der Familie Pohl waren zu der Sitzung nicht eingeladen und konnten deswegen nicht direkt Stellung nehmen, Ein Sprecher erklärte auf Nachfrage der OP, geplant sei ein kleines, gemütliches Landhotel und kein Tagungszentrum. Für solche Zwecke gebe es das Zentrum für Vermögensberatung in der Marburger Nordstadt.

Überwiegend sei das Hotel für private Übernachtungen gedacht oder auch einmal dazu, Gäste von Veranstaltungen in der Eventscheune oder Teilnehmer von Reitturnieren in der benachbarten Reithalle unterzubringen.

Bedenken über eine Verschärfung der Parksituation versucht die Familie Pohl zu zerstreuen: Auf dem Gelände des geplanten Hotels seien bis auf die vorgeschriebenen Behindertenparkplätze keine Parkmöglichkeiten vorgesehen. Hotelgäste­ müssten also auf dem Großparkplatz Richtung Elnhausen parken. Lediglich zum Be- und Entladen sei Halten vor dem Hotel geplant.

Der direkt betroffene Nachbar Philipp Mundt formulierte auf der Sitzung „große Sorge hinsichtlich der zunehmenden Veranstaltungen.“ Diese führten in der Vergangenheit sowohl in der Vorbereitungsphase als auch im Nachgang stets für ein hohes Verkehrsaufkommen in der schon ohnehin sehr engen Ortsdurchfahrt.

„Für uns Bewohner im alten Dorf wird es immer unruhiger“, sagte eine Anwohnerin, die vor allem die Parkplatz-Situation infrage stellte. Sie könne sich aufgrund der Entfernung nicht vorstellen, dass die Hotelgäste den großen Parkplatz in Richtung Ortsausgang Elnhausen benutzen würden. Karl-Heinz Schmidt bezeichnete den zu Gästeverkehr als Störfaktor, der die Lebensqualität der Bürger weiter auf Dauer mindere. „Es besteht eine Riesenkluft zwischen dem, was uns damals vermittelt worden ist, sagte Dr. Thomas Rautenberger von der Bürgerinitiative „Leben und Wohnen in Dago“.

Der Ortsbeirat sprach sich schließlich einstimmig gegen das Projekt aus. Entscheiden muss aber letztendlich die Stadtverordnetenversammlung. Sie ist an Beschlüsse des Ortsbeirats nicht gebunden. Bereits die Erweiterung der Event- und Kulturscheune war gegen das Votum des Ortsbeirats beschlossen worden.

von Elvira Rübeling und Till Conrad