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Marburg Viele Aufträge – knapper Rohstoff
Marburg Viele Aufträge – knapper Rohstoff
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17:59 22.03.2022
In einem Sägewerk wird ein Fichtenstamm verarbeitet. Bauholz ist weiterhin knapp und teuer – das macht den Zimmerern zu schaffen.
In einem Sägewerk wird ein Fichtenstamm verarbeitet. Bauholz ist weiterhin knapp und teuer – das macht den Zimmerern zu schaffen. Quelle: Rupert Oberhäuser
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Die Auftragsbücher der heimischen Zimmereibetriebe sind gut gefüllt – so wie im gesamten Baugewerbe, wo der Auftragsbestand in der jüngsten Konjunkturumfrage vom vierten Quartal vergangenen Jahres bei rund 13 Wochen lag. „Für das Jahr 2021 kann man sagen, dass trotz der Pandemie für uns eine recht gute Auftragsfülle entstanden ist – es darf sich wohl keiner beschweren, dass er zu wenig Arbeit hat“, berichtete Obermeister und Kreishandwerksmeister Hartmut Pfeiffer während der Innungsversammlung. Und doch gibt es nicht nur Grund zur Freude.

„Die Holzpreise sind weiterhin ein Thema“, sagte er. Daher sei es sehr sinnvoll, sogenanntes „Kalamitätsholz“, das beispielsweise vom Borkenkäfer zerfressen, aber sonst in Ordnung sei, „im nicht sichtbaren Bereich verwendet werden kann“, es handele sich nur um Schönheitsfehler und weise „keine Schwächen im statischen Bereich“.

Die Auslastung der Betriebe sei weiterhin hoch, was sich auch bei Angeboten bemerkbar mache. „Musste ich früher noch zehn Angebote schreiben, um einen Auftrag zu bekommen, reicht heute meist schon ein Angebot und man hat den Auftrag“, so der Obermeister. Das sei ein sehr gutes Zeichen. Doch ließen sich Angebote aufgrund der Herausforderungen auf dem Rohstoffmarkt nur schwer kalkulieren. Für Pfeiffer steht aber fest: „Wir müssen den Ruf des guten Kaufmanns vor uns hertragen und die Kunden entsprechend gut bedienen – wenn Preise wieder sinken, müssen wir diese Vorteile auch wieder weitergeben“, plädierte Pfeiffer. „Und nicht, wie man es derzeit bei den Benzinpreisen sieht: Der Rohölpreis sinkt, aber an den Tankstellen bewegt sich nichts.“ Würde man dies im Handwerk so machen, „dann zerstört es letztendlich unseren Ruf und fällt uns in den Rücken, wenn die Zeiten nicht mehr so gut sind – der Kunde vergisst das nicht“. Es habe genügend Jahre gegeben, wo das Handwerk kämpfen musste, weil man nicht kostendeckend habe arbeiten können. „Jetzt ist die Zeit, in der wir unseren Kunden zeigen müssen, dass wir ein verlässlicher Partner sind.“

Kritik gab es daran, dass „Berufsschulen den Auszubildenden Aufgaben geben und dann alleine rumdümpeln lassen – das ist keine Ausbildung, wie wir sie uns vorstellen“, verdeutlichte Pfeiffer. Über Jahre sei durch die Stufenausbildung ein hohes Niveau erreicht worden. „Das können wir jetzt nicht leichtfertig aufgrund von vorgeschobenen Pandemie-Umständen aufs Spiel setzen.“

Hoffnungen ruhen auf „Aktionswoche Handwerk“

Es gelte, um Azubis zu werben – eine wesentliche Rolle soll dabei in diesem Jahr wieder die „Aktionswoche Handwerk“ spielen, die dann hoffentlich nach zwei „nicht so erfolgreichen digitalen Jahren“ wieder in Präsenz auf dem Geländer der Kreishandwerkerschaft stattfinden soll. Handwerk müsse sich zum Anfassen präsentieren, ist sich der Obermeister sicher. Denn: „Ausbildung ist der beste Weg, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen.“

Auch auf den Krieg in der Ukraine ging der Obermeister ein – über die Gründe des Überfalls, der so viel Leid über das Land bringe, könne man nur spekulieren. „Ich hoffe, wir können so viele Wohnungen und Unterkünfte erzeugen, dass wir noch mehr Flüchtlinge aufnehmen können“, sagte Pfeiffer. Wie die Innung insbesondere helfen könne, darüber tausche man sich gerade aus. „Man hat bei der Hilfe derzeit den Eindruck, dass es immer nur der Tropfen auf den heißen Stein ist. Aber jeder Tropfen hilft“, war sich Pfeiffer sicher.

Insgesamt stehe auch die Zimmerer-Innung trotz voller Auftragsbücher vor weiteren Herausforderungen – etwa, neue Mitgliedsbetriebe zu gewinnen. Dafür gebe es als Dienstleister den „Innungsservice“, der – gegen Gebühr – versuche, weitere Mitgliedsbetriebe für die Innungen zu gewinnen. „Sie verkaufen die Vorteile der Innung besser nach außen, als wir es selbst können“, erläuterte Pfeiffer. Es gebe eine „kleine zweistellige Zahl“ von zehn bis zwölf an Betrieben, die es noch gebe. Die Idee stieß bei der Versammlung auf positive Resonanz. Und: Man wolle darüber nachdenken, künftig auch Gastmitgliedschaften für Fremdfirmen zu ermöglichen.

Von Andreas Schmidt