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Marburg Das ist der neue Gelenk-Doktor
Marburg Das ist der neue Gelenk-Doktor
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12:00 13.12.2019
Professor Benjamin Craiovan (2. von rechts) ist Spezialist für Gelenkerhaltung und soll neben Forschung und Lehre die Patientenversorgung am Uni-Klinikum verbessern. Quelle: Sina Schindler
Marburg

Der neue Leiter der Sektion Endoprothetik im Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie (ZOU) ist seit Sommer auf den Lahnbergen tätig. Nun wurde der 44-Jährige von der Geschäftsführung offiziell in dieser Funktion vorgestellt. Professor Steffen Ruchholtz, ZOU-Direktor, betonte dabei die „immer größer werdende Komplexität“ in den ärztlichen Fachgebieten, weshalb Arbeits-Schwerpunkte­ gebildet würden.

Ziel: Ein höheres medizinisches Niveau und eine individuellere Patientenbehandlung. Mit seinen „neuen Ideen und Konzepten“ ergänze er das Klinik-Team. Craiovan war vor seinem Wechsel nach Marburg Sektionsleiter der Endoprothetik einer bayerischen Klinik. Seine berufliche Laufbahn begann mit dem Studium der Humanmedizin in Erlangen/Nürnberg in den Jahren 1994 bis 2001.

Außerdem absolvierte er nach seinem zusätzlichen Studium des „Management im Gesundheitswesen“ im Jahr 2013 den Master in Gesundheitsökonomie. Während seiner beruflichen Tätigkeit hat er sich zum Spezialisten und Experten für Gelenkerhalt und Gelenkersatz entwickelt. Vor allem der Erhalt und die Frage, wie Implantate vermieden werden können, sind sein zentrales Anliegen.

Hintergrund

Als Endoprothesen bezeichnet man Implantate, die Gelenke oder Blutgefäße ersetzen und in der Regel dauerhaft im Körper verbleiben. Endoprothetik ist der Name­ des medizinischen Fachgebiets. Am häufigsten werden Kniegelenke, am zweithäufigsten Hüftgelenke ersetzt. Jährlich erhalten rund ein Prozent der über 70-Jährigen arthrosebedingt ein neues Hüftgelenk und rund 0,7 Prozent einen Kniegelenkersatz.

Mit gezielten Techniken, wie durchblutungsfördernde Therapien oder Oberflächenmodellierungen von geschädigten Gelenkflächen, soll die Zeit bis zur Prothese eines Gelenkes möglichst verlängert werden. Kommt es dann aber zur unvermeidlichen Operation, baut Craiovan nach eigenen Angaben auf moderne Techniken und Implantate.

Diese seien nun kleiner und geschmeidiger und hätten eine bessere Haftung an der Oberfläche, wodurch kein Knochenzement verwendet werden müsse. Aber auch minimalinvasive Operationsmethoden und eine bessere Navigation zur gezielten Position von künstlichen Gelenken spiele in seinem Gebiet eine wichtige Rolle.

„Die Bevölkerung wird immer älter und mobiler. Ein künstliches Gelenk hat eine Lebensdauer von ungefähr 20 Jahren“, so Craiovan, „deswegen eignen sich diese Techniken auch für einen möglichen Wechsel der Prothesen.“ Für sein Spezialgebiet wurde am Uni-Klinikum seine Professur extra neu eingerichtet, denn zuvor gab es sie in dieser Form noch nicht. Das sei in seiner ­bisher siebenjährigen Amtszeit sehr selten gewesen, berichtete Dekan Professor Helmut Schäfer.

Es sei nun aber „ein wichtiger Impuls gesetzt worden“, um sich zu einem Vorreiter in diesem Gebiet zu entwickeln. Professor Harald Renz, Ärztlicher Geschäftsführer stellte die ­Zusammenarbeit Craiovans mit den niedergelassenen Ärzten in den nahen Praxen heraus. Er stehe im stetigen Austausch mit jenen, die für die Nachsorge seiner Patienten zuständig seien. „Er ist ein echter Netzwerker“, sagte Renz.     

von Sina Schindler