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Marburg Zeitplan steht: O-Bus soll Ende 2024 fahren
Marburg Zeitplan steht: O-Bus soll Ende 2024 fahren
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12:00 06.07.2021
Bus an der Oberleitung auf die Lahnberge: So könnte „BOB“ ab Ende 2024 aussehen.
Bus an der Oberleitung auf die Lahnberge: So könnte „BOB“ ab Ende 2024 aussehen. Quelle: Stadtwerke Marburg (Fotomontage)
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Marburg

Der Oberleitungsbus soll die nächste Hürde nehmen: Geht die Vorlage mehrheitlich durch die ab Dienstag (6. Juli) tagenden Fachausschüsse und dann Mitte des Monats durch das Parlament, steht das Planfeststellungsverfahren für den Aufbau der benötigten Infrastruktur – vor allem die Errichtung von Leitungen, der Stromversorgung – bevor. Diese Prüfung soll laut Zeitplan des Magistrats bis Ende 2022 abgeschlossen und das Genehmigungsverfahren durchgeführt sein, so dass im Jahr 2023 der Bau entlang der Strecken beginnen kann. Zum Fahrplanwechsel 2025 – der ab Anfang Dezember 2024 gilt – soll der sogenannte Batterie-Oberleitungs-Bus (BOB) dann fahren.

Im Jahr 2018 kam eine Machbarkeitsstudie des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung für Marburg zum Ergebnis, dass Linien mit hohem Fahrgastaufkommen und schwerer Topographie technisch nicht zuverlässig mit reinen Batteriebussen gefahren werden können. Die Stadtwerke müssen in ihrem Fahrbetrieb einen Höhenunterschied von 200 Metern überwinden: vom Tal bis auf die Lahnberge. Machbar ist laut der Studie auf solchen Strecken der Einsatz von Batterie-Oberleitungs-Bussen, wenn 30 bis 50 Prozent der Fahrstrecke mit Oberleitung ausgestattet würden. Zudem sprächen die Betriebszuverlässigkeit und eine spätere Kapazitätsausweitung für das BOB-System.

Keine Oberleitungen in der Innenstadt

Konkret heißt das: Von der Konrad-Adenauer-Brücke bis auf die Lahnberge und auf der anderen Seite vom Waldtal bis auf die Lahnberge sollen Oberleitungen die Busse über ein Abnehmersystem mit Strom versorgen – sprich Akkus im Bus aufladen. Auf dem flachen Teil der Strecke, grob zwischen Südbahnhof und Neuer Kasseler Straße, fahren die Busse dann im Batteriebetrieb, entladen also die frisch aufgeladenen Batterien. Ein entscheidender Punkt für das Stadtbild: In der Innenstadt sind keine Lademasten nötig, obwohl die Rechnung gilt: Je weniger Oberleitung möglich ist, desto größer und damit schwerer werden die Batterien.

Die Kosten für die Infrastruktur, vor allem Ladestationen und Busse, sind auf mehr als 24 Millionen Euro kalkuliert – zu großen Teilen wohl vom Bund und nicht aus dem städtischen Haushalt bezahlt. Die Infrastruktur – die auch ein Betriebs- und Nacht-Ladewerk bei den Stadtwerken vorsieht – hat nach ­bisherigen Untersuchungen wohl eine Lebensdauer von 40 bis 50 Jahren.

Insgesamt sahen die Stadtwerke-Planungen zuletzt vor, dass 36 Busse an das System angehängt werden. Das ließe Reserven, um nach dem Bau der „Ringstrecke“ Innenstadt – Lahnberge – Innenstadt mit Stichstrecken weitere Teile der Stadt, den Richtsberg etwa oder Ockershausen zu bedienen.

Diskussion: Dienstag (6. Juli) um 17 Uhr im Stadtparlaments-Saal, Barfüßerstraße 50.

Von Björn Wisker